Stockcar

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Stockcar oder auch Stock-Car bezeichnet zwei unterschiedliche Arten des Motorsports.

Englischsprachiger Raum[Bearbeiten]

Im englischsprachigen Raum bezeichnet der Begriff ursprünglich Autorennen mit Serienfahrzeugen. Der englische Begriff „Stock“ bedeutet Lager, sodass „Stock Car“ soviel wie „Auto aus dem Lager“ bedeutet, also eben Serienfahrzeuge bezeichnet. Heute sind Veränderungen an den Wagen für den Renneinsatz erlaubt, insbesondere durch Gewichtsoptimierung, stärkere Motoren, Spoiler etc.

Verbreitet ist diese Rennsportart insbesondere in den USA, Kanada, Neuseeland und Brasilien. Die Rennen werden überwiegend auf ovalen Bahnen ausgetragen, welche 400 m bis 2,66 km lang sind. Die größte und wichtigste Organisation der Rennen ist die NASCAR.

Deutschsprachiger Raum[Bearbeiten]

Stockcar-Rennen

Im deutschsprachigen Raum bezeichnet der Begriff Stockcar eine Art von Autorennen, bei der Drängeln und Kollisionen erlaubt und sogar ausdrücklich erwünscht sind. Hierbei kommen in der Regel ältere Gebrauchtwagen zum Einsatz. Diese Rennen werden von der FIA und somit auch von ihren nationalen, mit der Sporthoheit beauftragten Mitgliedsverbänden nicht als Motorsport anerkannt. Die Sporthoheit hat in Deutschland der DMSB, in Österreich die OSK, und in der Schweiz Auto Sport Schweiz.

Stockcar wird auf einem etwa 500 Meter langen Ovalkurs mit unebenem Untergrund gefahren. Hierbei sind sechs bis zwölf Fahrzeuge pro Rennen auf der Strecke. Gestartet wird in unterschiedlichen Rennklassen, die sich nach Antriebsart und Motorleistung der Fahrzeuge unterscheiden.

Wegen der zahlreichen, absichtlichen Kollisionen müssen die Fahrzeuge entsprechend sicher für die Fahrer sein. So ist ein Überrollkäfig im Wagen unverzichtbar, da ein Überschlagen oder Drehen nicht ausgeschlossen ist. In der Regel werden hierzu Wagen, die nicht mehr für den Straßenverkehr tauglich sind, umgebaut. Für viele Anhänger des Stockcars liegt die Faszination sicherlich darin, auf legalem Weg an die Grenzen ihres Fahrkönnens zu gehen.

Eher ungewöhnlich im Rennsport sind Nachtrennen, insbesondere bei den Stockcars, da diese mit der hierfür geforderten Technik meist nicht (mehr) ausgestattet sind und deshalb damit direkt vor dem Rennen extra nachgerüstet werden müssen. Die Fahrzeuge müssen (an beliebiger Stelle) mindestens einen Scheinwerfer sowie ein Bremslicht (dauerleuchtend) haben.

Wie lange es schon Stockcarrennen in Deutschland gibt, ist nicht genau nachvollziehbar. In Heudorf im Hegau wurden ab etwa 1973, in Bramsche in der Nähe von Osnabrück seit 1976 Stockcarrennen ausgetragen.

Besondere Popularität erlangte die Sportart, als Stefan Raab am 25. Juni 2005 Die große TV total Stock Car Crash Challenge organisierte, bei der 30 Stars in 10 verschiedenen Mannschaften antraten. Das dort veranstaltete Rennen hatte tatsächlich nur wenig mit der tatsächlichen Sportart zu tun. Trotzdem wurde dadurch für die Popularität dieses Sports viel erreicht. Die Sendung war ein so großer Erfolg, dass sie seitdem jährlich stattfindet. 2013 fand die neunte Auflage statt.

Deutschland[Bearbeiten]

Bayern[Bearbeiten]

Eigenbau-Stockcar

In Bayern haben sich über 50 Vereine zum Bayerischen Stock-Car-Verband (abgekürzt BSCV) zusammengeschlossen und fahren seit 1978 unter dessen Regeln und Vorschriften. Der Verband ist in zwei Gruppen aufgeteilt, die Gruppe Nord umfasst die Gebiete zwischen Regensburg, München, Ingolstadt, Nürnberg und Weiden. Die Vereine um Regensburg, Straubing, Landshut und Passau bilden die Gruppe Süd. In beiden Gruppen werden über das Jahr zwischen fünf und sechs Wertungsläufe ausgetragen, wobei sich – je nach Klasse – nur eine bestimmte Anzahl an Fahrern und Mannschaften für den Endlauf qualifiziert. In diesem Endlauf werden die Bayerischen und Deutschen Meister der jeweiligen Klassen ermittelt. Dieser findet immer jährlich abwechselnd auf einer Nord- oder Südstrecke statt.

Dabei wird ein großer Wert auf Sicherheit gelegt. So sind für den Fahrer ein tauglicher Rennanzug, festes Schuhwerk, eine Halskrause sowie das Tragen eines Helmes mit splitterfestem Visier oder Schutzbrille Pflicht.

Am und im Fahrzeug muss alles entfernt werden, was Splitter- oder Feuergefahr besitzt, zweckmäßigerweise wird dazu im Innenraum alles bis auf einen zulässigen Sportsitz ausgebaut. Um die Verletzungsgefahr zu minimieren, muss die Fahrertür regelkonform versteift werden und ein Überrollkäfig eingebaut werden. Auch muss die Anhängerkupplung und der Originaltank entfernt werden, wobei dieser stattdessen zwischen den Achsen angebracht wird und dabei das maximale Tankvolumen von 30 Liter nicht übersteigen darf. Die Fensterscheiben werden im Fahrerbereich durch ein Gitter ersetzt, um den Fahrer zum Beispiel vor Steinschlag zu schützen. Eine Rennlizenz ist nicht erforderlich.

Es wird in folgenden Klassen gestartet:[1]

  • Unverbaute Klasse: Bayerische Meisterschaft (bis 1300 cm³, bis 1800 cm³ und über 1800 cm³)
  • Junior-Cup (max. 1300 cm³ und 48 kW, ab vollendetem 16. LJ bis zur Vollendung des 18. LJs)
  • Verbaute Klasse Herren: Bayerische Meisterschaft (bis 1800 cm³ und über 1800 cm³)
  • Verbaute Klasse Damen: Bayerische Meisterschaft (ohne Hubraumgrenze)
  • Verbaute Klasse Herren: Deutsche Meisterschaft (ohne Hubraumgrenze)
  • Verbaute Klasse Damen: Deutsche Meisterschaft (ohne Hubraumgrenze)
  • Verbaute Klasse Spezial: Bayerische Meisterschaft (ohne Hubraumgrenze)
  • Cross-Lauf: Bayerische Meisterschaft (bis 2000 cm)
  • Superklasse Eigenbau: Deutsche Meisterschaft (ab 147 kW; Eigenbauten in optisch schönem Zustand)
  • Superklasse Karosserie: Deutsche Meisterschaft (ab 147 kW; Serienfahrzeuge in optisch schönem Zustand)

Da die Superklasse-Fahrzeuge in vielen Arbeitsstunden hergestellt und darüber hinaus stark motorisiert sind, herrscht bei diesen Rennen absolutes Crashverbot, anlehnen ist jedoch meist erlaubt.

In der unverbauten Klasse dürfen keine Schweißarbeiten an der Karosserie vorgenommen werden, das Auto bleibt äußerlich im Originalzustand, wobei die obigen Sicherheitsbestimmungen trotzdem einzuhalten sind.

Bei der verbauten Klasse hingegen darf beispielsweise der Kofferraum entfernt werden, um eine geringere Angriffsfläche zu bieten. Zudem sind Schweißarbeiten an der Karosserie erlaubt, so ist es möglich, bestimmte Teile des Fahrzeugs auszubauen und mit 1-mm-Stahlblech nachzumodellieren. Trotzdem darf der Motorbereich weder versteift noch verstärkt werden.

Am 5. Mai 2007 fand im Münchner Olympiastadion eine Stockcarveranstaltung vor mehreren tausend Besuchern statt. Dies war die erste große offizielle Stockcar-Veranstaltung in Bayern.

Mecklenburg-Vorpommern[Bearbeiten]

Eigenbau Stock-Car nach mehreren Rennen

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es zurzeit drei Standorte für Stock-Car-Rennen: Grimmen, Stavenhagen-Basepohl (auch Reuterstadt-Stavenhagen genannt) und Sanitz-Wendfeld.

Die Rennen in Grimmen haben einen besonderen Charakter. Das Grimmener Stock-Car-Rennen steht im Guinness Buch der Rekorde mit dem „Größten Starterfeld“, das bei über 600 Fahrern lag. Ursprung des Rennens in Grimmen ist ein Motorradtreffen im Jahre 1992. Damals wurde mit etwa 30 Autos gefahren und die Veranstaltung war zudem nur als Show gedacht.

In Mecklenburg-Vorpommern wird in den folgenden Klassen gefahren:

  • Offene Klasse bis 60 PS
  • Offene Klasse über 60 bis 80 PS
  • Offene Klasse über 80 bis 140 PS
  • Offene Klasse über 140 PS und allradgetriebene Fahrzeuge
  • Offene Klasse Heckangetrieben Fahrzeuge
  • Trabant-Klasse Original 26 PS
  • Trabant-Klasse Tuning
  • Buggy-Klasse Eigenbau mit Trabantmotoren
  • Wohnwagen

dazu folgen die Junior-Klassen:

  • Juniorenklasse Buggy 13-17 Jahre Original 26 PS
  • Juniorenklasse Trabant 13-17 Jahre Original 26 PS

Gerade das Engagement der vielen Vereine im Umbau der Fahrzeuge, in der Erziehung und Unterweisung Jugendlicher und das Heranführen an den Sport unter dem Motto: „Bezahlbar für jedermann“ spielen eine enorme soziale Bedeutung. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es etwa 100 Vereine, deren Ursprung der Stockcarsport ist. Die Wiege dafür stand in Grimmen. Und die Resonanz durch mehrere tausend Zuschauer bei jeder Veranstaltung an den genannten Orten beweist die ungebrochene Beliebtheit dieses Sportes in Mecklenburg-Vorpommern.

Sachsen[Bearbeiten]

Auch in Sachsen sind seit vielen Jahren „Stock Car Rennen“ oder auch „Crash Car Rennen“ sehr beliebt und bis vor kurzem sehr verbreitet. Rennstrecken in Grimmen, Hartha, Altenburg, Dolsenhain, Nentmannsdorf und Seiffen waren mehrmals im Jahr Austragungsort für die Rennen.

In Sachsen wird in folgenden Klassen gefahren:

  • Klasse I - bis 1300 cm³
  • Klasse II - über 1300 cm³ bis 1600 cm³
  • Klasse III - über 1600 cm³ offen (kein Allrad)
  • Klasse IV - Trabbi
  • Klasse V - Buggy

Luxemburg[Bearbeiten]

luxemburgisches Stockcar der Klasse I nach einem Rennen

Bereits in den 1950er-Jahren wurden auch in Luxemburg Stockcar-Rennen gefahren, damals auf den Strecken in Bruch[2] und Medernach[3]. 1968 wurde der nationale, für den Stockcar-Sport verantwortliche Verband Fédération Luxembourgeoise du Stock-Car (kurz FLSC) gegründet.

Heute werden in Luxemburg die Rennen abwechselnd auf drei Strecken in Alzingen, Schüttringen und Buschdorf gefahren. Für die Saison 2013 waren insgesamt 9 Rennteams bei der FLSC angemeldet. Jährlich werden grundsätzlich sieben Rennen gefahren, welche abwechselnd von einem der teilnehmenden Rennteams oder der FLSC selbst organisiert werden. Gefahren wird in zwei Klassen:

  • Klasse I - bis 2800 cm³, nur Zweiradantrieb: Gefahren werden zwei Entscheidungsläufe à 20 Runden gefahren, bei denen sich die jeweils 10 ersten Piloten für das Finale qualifizieren. Danach werden, je nach Entscheidung des Organisators, ein oder zwei Hoffnungsläufe à 15 Läufe gefahren, aus denen sich weitere acht Fahrer für das Finale qualifizieren. Beim Finale werden insgesamt 25 Runden gefahren.
  • Klasse II - bis 2000 cm³, nur Zweiradantrieb: Hier werden zwei Entscheidungsläufe à 15 Runden gefahren, die Punkte dieser Läufe werden addiert. Die ersten 28 Fahrer werden für das Finale qualifiziert.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Willkommen beim Bayerischen Stock-Car-Verband, Homepage BSCV, abgerufen am 9. November 2011.
  2. In Memory of Stock-Cars-Team Medernach (PDF)
  3. www.stock-car.lu - Reportagen
  4. FLSC:Renreglement 2002, Ausgabe 2013 (PDF)