Tatort Berlin

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Filmdaten
Originaltitel Tatort Berlin
Produktionsland DDR
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1958
Länge 86 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Hans-Joachim Kunert
Drehbuch Jens Gerlach
Hans-Joachim Kunert
Produktion Erich Albrecht für DEFA
Musik Günter Klück
Kamera Otto Merz
Schnitt Evelyn Carow
Besetzung

Tatort Berlin ist ein deutscher Kriminalfilm der DEFA von Hans-Joachim Kunert aus dem Jahr 1958.

Handlung[Bearbeiten]

An der Sektorengrenze Berlins wird ein Polizist erschossen. Die Polizei tappt im Dunkeln, auch wenn die Polizisten in Ost- und Westberlin im Fall gemeinsam ermitteln.

Nach mehr als einem Jahr Haft wegen Schmuggels wird der junge Rudi Prange wegen guter Führung vorzeitig entlassen. Er lebt im geteilten Berlin. Seine Mutter hat das Haus der Familie verkauft und wohnt in einer der besseren Gegenden Ostberlins. Bruder Walter hält sich mit seiner Freundin Marianne im Westsektor auf, ist jedoch arbeitslos und hält sich mit kleineren Schiebereien über Wasser. Rudi lehnt es ab, bei Walter zu wohnen und zieht zu seiner Mutter. Er beginnt als Automechaniker zu arbeiten und ist glücklich, als er nach einer Zeit der Bewährung wieder als Fahrer tätig werden darf. Sein Mitfahrer jedoch schmuggelt während der Arbeitsaufträge heimlich Waren und erpresst Rudi, dass ein Verrat am Ende ihn zurück ins Gefängnis bringen wird. Rudi lässt sich zunächst zurück in die Werkstatt versetzen und kündigt, als sein Mitfahrer seine kriminelle Vergangenheit vor anderen Kollegen immer wieder anbringt.

Rudi hat die HO-Verkäuferin Ilse kennengelernt und beide werden ein Paar. Als Rudi gerade gekündigt hat, ist er niedergeschlagen. Ilse jedoch hat Grund zum Feiern: Sie wird in Vertretung die Leitung ihrer HO-Filiale übernehmen und hat nun den Schlüssel zum Geschäft erhalten. Den hätte sie abends abgeben müssen, zeigt ihn Rudi und verstaut ihn. Rudi wiederum gesteht ihr, dass er gekündigt hat und berichtet ihr auch von seiner Zeit im Gefängnis. Er geht davon aus, dass die Beziehung zu Ilse mit dem Geständnis vorbei ist, doch sie steht weiterhin zu ihm. Am nächsten Morgen kann Ilse den Schlüssel nicht finden. Der HO-Betrieb läuft nun über einen Ersatzschlüssel. Am Abend werden wie immer die Einnahmen des Tages abgeholt – es fallen Schüsse und ein Polizist wird getötet. Das Geld wiederum entwendet der Täter. Zeugen sagen aus, der Täter habe einen hellen Trenchcoat getragen und sei in Richtung Westberlin geflohen. Möglicherweise habe er eine Verletzung im Gesicht davongetragen. Bei ihrer Vernehmung muss Ilse auch zum verschwundenen Schlüssel Stellung nehmen und berichtet widerwillig auch, dass Rudi an dem Abend bei ihr war. Rudi, der schon nach kurzer Zeit eine neue Arbeit gefunden hat, wird verhaftet.

Für die Tatzeit hat Rudi kein Alibi. Eine Verletzung im Gesicht erklärt er mit einer Schlägerei, für die er jedoch keine Zeugen benennen kann. Auch sein heller Trenchcoat lässt ihn verdächtig werden. Für Kriminalkommissar Stein steht Rudi als Täter fest, während Kriminalkommissar Rollberg Zweifel hat. Es stellt sich heraus, dass die Tatwaffe mit der vom ersten Mord an der Sektorengrenze übereinstimmt. Rudi kann mit dem ihm vorgelegten Waffentyp nichts anfangen. Zur Tatzeit war Rudi zudem noch nicht entlassen worden. Ein früherer Freund Ilses wiederum bestätigt kurze Zeit später, Rudi bei der Schlägerei gesehen zu haben. Rudi wird aus der Untersuchungshaft entlassen, ist jedoch desillusioniert. Er begibt sich zu Walter und stimmt zu, erneut mit ihm als Schmuggler aktiv zu werden. Beide sollen Kameras aus der DDR in den Westsektor in Berlin verschieben, wobei dies über den Ostsektor Berlins geschehen soll. Kritisch wird der Schmuggel in den Ostsektor.

Ilse hat unterdessen den Schlüssel in ihrer Wohnung wiedergefunden. Sie will zu Rudi, erfährt jedoch von seiner Mutter, dass er bei Walter sei. Sie macht Ilse dafür verantwortlich, sollte Rudi wieder kriminell werden. Ilse begibt sich zur Polizei und berichtet Kriminalkommissar Stein alles. Beide erkennen, dass sie Vorurteile hatten, zumal die Polizei unterdessen selbst auf Walter aufmerksam geworden ist, da sie den weggeworfenen Mantel gefunden hat. In ihm befindet sich ein Taschentuch mit dem Monogramm M. M. – wie Walters Freundin Marianne Möllner.

Walter und Rudi stehlen die Ware und fahren zur Sektorengrenze. Während der Aktion zieht Walter eine Waffe, die der Tatwaffe der beiden Morde gleicht. Rudi erkennt, dass Walter der Täter ist. Er will sofort aussteigen, doch wird er nun von seinem eigenen Bruder bedroht. Bei der rasanten Fahrt über die Grenze nach Ostberlin bremst Rudi unvermittelt hinter dem Schlagbaum den Wagen ab und lässt sich von den herbeieilenden Grenzpolizisten verhaften. Auch Walter, der seine Waffen noch gezückt hält, wird in Gewahrsam genommen. Rudi wird der Prozess gemacht. Er erhält eine Haftstrafe von fast zwei Jahren. Er nimmt das Urteil klaglos an und der Richter setzt es umgehend nach dem damals neuen Strafrechtsergänzungsgesetz zur dreijährigen Bewährung aus. Rudi habe sich zwar strafbar gemacht, doch habe er von der Gesellschaft keine Hilfe bei der Resozialisierung erhalten. Auch der Staat habe so versagt. Rudis Handeln, mit dem er seinen Bruder der Polizei ausgeliefert habe, lasse zudem auf eine positive zukünftige Entwicklung schließen. Gemeinsam mit Inge verlässt Rudi anschließend das Gericht.

Produktion[Bearbeiten]

Tatort Berlin wurde vor Ort in Berlin gedreht. Der Film erlebte am 10. Januar 1958 im Berliner Kino Babylon seine Premiere und lief am 14. März 1958 erstmals auf DFF 1 im Fernsehen der DDR. Im selben Jahr erschien zudem eine gleichnamige Kriminalerzählung nach dem Film im Berliner Verlag der Nation.

Kritik[Bearbeiten]

Karl-Eduard von Schnitzler schrieb, dass der Film „interessante Einblicke in die Arbeit unserer Volkspolizei“ gebe. Zudem hob er hervor, dass der Film „ohne Zwang und erhobenen Zeigefinder […] die Wirksamkeit unseres Strafvollzugs und die Nützlichkeit des neuen Gesetzes zur Ergänzung des Strafgesetzbuches“ erkennen lasse. Er lobte auch die Kameraarbeit von Otto Merz.[1]

Für den film-dienst war Tatort Berlin ein „Kriminalfilmversuch der DEFA, nüchtern dargeboten, aber reichlich konstruiert, in seiner Perspektive auf das geteilte Berlin tendenziös und inszenatorisch eher schwach. Dennoch aus heutiger Sicht ein interessantes Zeitdokument.“[2]

Der Progress Filmverleih nannte den Film einen „politische[n] Kriminalfilm, dessen besondere Qualität in seiner realistischen Darstellung des Berliner Alltags und in der Thematisierung der erschwerten Resozialisierung ehemaliger Kleinkrimineller liegt.“[3]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl Eduard von Schnitzler in: Filmspiegel, Nr. 3, 1958, S. 3.
  2. Tatort Berlin im Lexikon des Internationalen Films
  3. Vgl. progress-film.de