There are known knowns

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2x2 Matrix: bekanntes/unbekanntes Wissen/Unwissen; rot umrandet: „unbekanntes Unbekanntes“ = „unknown unknowns“
2x2 Matrix: das Wissen wird in knowns und unknowns unterteilt (obere Zeile - blau); zusätzlich wird dieses Wissen auf einer Metaebenen nochmals in unbekannt und bekannt unterteilt (linke Spalte)

There are known knowns ... But there are also unknown unknowns (engl. für „Es gibt bekannte Bekannte ... Aber es gibt auch unbekannte Unbekannte“) ist der bekannteste Ausspruch des US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld, den er während einer Pressekonferenz im Februar 2002 tätigte.[1]

Rumsfeld drückte mit den Worten unbekannte Unbekannte (Unbekannte im Sinne von nicht bekanntem Wert) aus, dass es Dinge gibt, von denen wir nicht wissen, dass wir sie nicht wissen. Mit anderen Worten:

  • Man ist schon dumm, wenn man eine Antwort nicht weiß („known unknowns“), aber so richtig dumm ist man, wenn man nicht einmal die Frage stellen kann, deren Antwort man nicht weiß („unknown unknowns“).
  • Wie kann man nach etwas suchen, von dem man gar nicht weiß, dass es existiert? Dieses „unbekannte Etwas“ sind die „unknown unknowns“ – also die unbekannten Variablen, das unbekannte Nichtwissen. Eine andere treffende Umschreibung dafür ist der englische Begriff „outside context problem“.

Dass Menschen ihre Inkompetenz, ihr Unwissen, nicht wahrnehmen, wird auch als Dunning-Kruger-Effekt bezeichnet.

Verwendung[Bearbeiten]

Donald Rumsfeld sagte am 12. Februar 2002 auf einer Pressekonferenz:

„[T]here are known knowns; there are things we know we know. We also know there are known unknowns; that is to say we know there are some things we do not know. But there are also unknown unknowns – there are things we do not know we don't know.“
„Es gibt bekannte Bekannte, es gibt Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie wissen. Wir wissen auch, dass es bekannte Unbekannte gibt, das heißt, wir wissen, es gibt einige Dinge, die wir nicht wissen. Aber es gibt auch unbekannte Unbekannte - es gibt Dinge, von denen wir nicht wissen, dass wir sie nicht wissen.“

Damit sprach er auf der Pressekonferenz das Fehlen von Beweisen an, die die Regierung des Irak mit der Lieferung von Massenvernichtungswaffen an Terrorgruppen in Verbindung brachten.

Kritik[Bearbeiten]

Rumsfelds Äußerung wurde anfangs als sprachlicher Fehler oder Geschwafel belächelt, so wie später George W. Bushs Wortneuschöpfung decider (statt decisionmaker für Entscheidungsträger). Bush hatte sich im April 2006 mit den Worten „I’m the decider“, für den Verbleib von Rumsfeld als Verteidigungsminister ausgesprochen.[2]

Rumsfeld wurde vorgeworfen, sich unverständlich oder falsch ausgedrückt zu haben, unter anderem von der britischen Interessengruppe Plain English Campaign, die sich als Sprachwächter für die Reinheit der englischen Sprache einsetzt.[3] Die Sprachgesellschaft vergab für dieses Zitat den „Foot in Mouth“-Preis für 2003 an Rumsfeld – mit dem Kommentar: „Wir glauben, wir wissen, was er meint. Aber wir wissen nicht, ob er es wirklich weiß“.[4]

Der Begriff „bekannte Bekannte“ und „unbekannte Unbekannte“ ist wegen der Wortdoppelung scheinbar sprachlicher Unsinn, da man das Bekannte und auch das Unbekannte vermeintlich nicht in bekannt und unbekannt unterteilen kann.

Zustimmung[Bearbeiten]

Mit der Zeit wurde klar, dass die Aussage von Rumsfeld plausibel war, jedoch wegen dessen zügigen Vortrages nur schwer vorstellbar war.

So widersprach der Linguist Geoffrey Pullum den Kritikern von Rumsfeld. Pullum meinte, dass dieses Zitat „völlig verständlich“ und „syntaktisch, semantisch, logisch und rhetorisch tadellos“ sei.[5]

Was die Substanz seiner Aussage betrifft, wurde Rumsfeld von verschiedenen Seiten verteidigt:

  • der kanadische Kolumnist Mark Steyn nannte Rumsfelds Aussage „eine wirklich brillante Destillation einer ziemlich komplexen Angelegenheit“.
  • der australische Ökonom und Blogger John Quiggin schrieb: „Obwohl die Sprache strapaziert wurde, ist der springende Punkt der Aussage sowohl gültig als auch wichtig ... Zu Rumsfelds Verteidigung muss ich darauf hinweisen, dass seine Überlegungen darauf abzielen, dass man sehr vorsichtig sein muss, wenn man in den Krieg zieht.“[6]
  • Die italienischen Ökonomen Salvatore Modica and Aldo Rustichini bieten eine Einführung in die ökonomische Literatur zum Thema Bewusstsein und die Unkenntnis: „Ein Mensch ist sich sicher über etwas, wenn er den Gegenstand kennt; er ist sich unsicher, wenn er ihn nicht kennt, jedoch weiß, dass er ihn nicht kennt: dann ist er sich bewusst über seine Ungewissheit. Auf der anderen Seite ist er sich einer Sache nicht bewusst, wenn er sie nicht kennt und er nicht weiß, dass er nicht weiß, und so weiter ad infinitum: dann nimmt er diese Sache nicht wahr, dann hat er sie nicht im Hinterkopf, diesen Gegenstand des Wissens. Das Gegenteil von Nichtwissen (sich nicht bewusst sein) ist Wissen (sich bewusst sein).“[7]

Der psychoanalytische Philosoph Slavoj Žižek extrapolierte aus diesen drei Kategorien eine vierte, das „unbekannte Bekannte“, welches wir uns willentlich weigern anzuerkennen, dass wir es kennen:[8] „Wenn Rumsfeld glaubte, dass die wichtigsten Gefahren in der Konfrontation mit dem Irak die ‚unbekannten Unbekannten‘ waren, das heißt, die Bedrohungen durch Saddam, deren Natur wir nicht einmal ahnten, dann zeigt uns der Abu-Ghraib-Skandal, dass die größten Gefahren von den ‚unbekannt Bekannten‘ ausgehen - die verleugneten Überzeugungen, Vermutungen und obszönen Praktiken, von denen wir vorgeben sie nicht zu kennen, sogar wenn sie die Grundlage unserer öffentlichen Werte sind.“ Žižek baute auch die Ideen des „bekannten Unbekannten“ und des „unbekannten Bekannten“ in seinen Dokumentarfilm über „Die Realität des Virtuellen“ ein.

Der Begriff „unbekannte Unbekannte“ war beim US-amerikanischen militärischen Establishment bereits lange vor Rumsfelds bekannt gewordenem Zitat aus dem Jahr 2002 in Gebrauch. Eine frühere Verwendung dieser Begriffe findet sich beispielsweise in einer Studie über Kriegsführung aus dem Jahr 1984: „Als Ergänzung der Dinge, die Clausewitz über Unsicherheit und Zufall schrieb, würde ich noch ein paar Kommentare zu unbekannten Unbekannten hinzufügen - die Dinge, von denen ein Kommandeur nicht einmal weiß, dass er sie nicht kennt. Die Teilnehmer an einem Kriegsspiel würden eine unbekannte Unbekannte als unfair bezeichnen, die über die Grundregeln des Spiels hinausgehen. Aber wirkliche Kriege folgen nicht Grundregeln und ich fordere nachdrücklich, dass solche Spiele ‚unfair‘ sein müssen - durch die Einführung von unbekannten Unbekannten.“[9]

Etwa zur gleichen Zeit schrieb der libertäre Anwalt Richard Allen Epstein einen bekannten Artikel in der „University of Chicago Law Review“ über die amerikanische Arbeitsrechtslehre von der „Beschäftigung nach Belieben“ (At-will employment - die Idee, dass Arbeiter ohne Warnung oder Grund entlassen werden können, falls ihr Vertrag nicht günstigere Klauseln für die Arbeiter enthält). Epstein nannte einige seiner Gründe zur Verteidigung der „Verträge nach Belieben“: „Der ‚Vertrag nach Belieben‘ ist auch eine vernünftige private Anpassungsmaßnahmen an das Problem der unvollständigen Informationen über die Zeit. In scharfem Kontrast zum Kauf von Standardwaren, ist eine Inspektion des Jobs vor der Annahme weit weniger wahrscheinlich, um seine Qualität danach zu garantieren. Die Zukunft ist nicht genau bekannt. Noch wichtiger ist, dass sowohl Mitarbeiter, als auch Arbeitgeber wissen, was sie nicht wissen. Sie werden nicht wie von einem Blitz aus heiterem Himmel mit ‚unbekannten Unbekannten‘ konfrontiert. Viel eher werden sie mit ‚unbekannten Bekannten‘ konfrontiert werden, für die sie planen können. Der Vertrag ohne Kündigungsschutz ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Planung, weil er beiden Seiten erlaubt eine abwartende Haltung zu ihrer Vertragsbeziehung einzunehmen, so dass neue und genauere Entscheidungen getroffen werden können - auf der Grundlage von verbesserten Information.“[10]

Der Ausdruck unbekannte Unbekannte wurde in jüngerer Zeit, im Jahr 2005, im Zusammenhang mit Risiko und Zuverlässigkeit genutzt: "Die NASA Raumfahrt sollte umfassend die Problemklasse der Zuverlässigkeit und des Risikomanagements angehen. Diese Probleme wurden hauptsächlich durch menschliche Fehler, Systemrisiken und Vor- und Nachteil-Analysen bei der multikriteriellen Optimierung hervorgerufen. Die Untersuchung dieser Problemklassen sollte durch die Erforschung von Systemkomplexität, Risikocharakterisierung und -modellierung, sowie durch System-Logik erfolgen. Im Allgemeinen können wir die Risiken bei jeder Mission in drei möglich Gruppen unterteilen: a) bekannte Bekannte, b) bekannte Unbekannte und c) unbekannte Unbekannte. Es ist wahrscheinlich, eigentlich fast sicher, dass bei der Erforschung des Weltraums teilweise ähnlich bekannte oder unbekannte Risiken auftreten werden, wie sie auch bei den Apollo-Missionen, der Space Shuttle oder der Raumstation auftraten, so lange sich nicht das Herangehen der NASA ändert und insbesondere die Wahrnehmung und das Management der NASA hinsichtlich Sicherheit und Zuverlässigkeit."[11]

Nassim Nicholas Taleb schrieb 2007 ein Buch Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse, das sich mit der Eintrittswahrscheinlichkeit seltener Ereignisse befasst. In diesem Buch erzählte er auch von seinem Vortrag über Unsicherheiten, den er auf Einladung des US-Verteidigungsministeriums gehalten hatte, kurz bevor Rumsfeld seinen bekannten Ausspruch über „unbekannte Unbekannte“ machte. Die Kernbotschaft in „Der Schwarze Schwan“ ist, dass unbekannte Unbekannte verantwortlich sind für den größten gesellschaftlichen Wandel.

Der Kommandeur des United States Northern Command Admiral James A. Winnefeld, Jr. gab 2010 der Washington Times ein Interview (über den Drogenkrieg in Mexiko), in dem er sagte, dass er am meisten wegen dieser unbekannten Unbekannten besorgt war.[12]

Errol Morris meinte, dass ein „bekanntes Unbekanntes“ („known unknown“) eine bekannte Frage auf eine unbekannte Antwort darstellt. Wenn man nach den Eigenschaften eines chemischen Elements fragt, die man nicht kennt, dann kann man Nachschauen. Vielleicht kennt auch noch niemand die Antwort. Aber bei einer „unbekannten Unbekannten“ („unknown unknown“) weiß man nicht einmal, welche Frage man stellen soll, geschweige denn, wie man auf diese Frage antworten soll.[13]

Beispiel[Bearbeiten]

Das Militär geht bei der Planung einer Schlacht von gewissen, vorher bekannten Faktoren aus. So hat die militärische Aufklärung die Position und Stärke der gegnerischen Truppen ermittelt (known knowns = bekannten Wissen). Da das gegnerische Gebiet aber nur bis zu einer gewissen Tiefe und nicht überall aufgeklärt wurde, gibt es noch unbekannte Variablen (known unknowns = unbekannte Variablen): wie viel Reserven sind im Hinterland zu erwarten, welche Schlachtpläne hat der Gegner, welche Verbündeten werden in den Krieg von außerhalb eingreifen. Es können aber auch noch völlig unerwartete Wendungen eintreten (unknown unknowns = unerwartete Faktoren, von denen vorher gar nicht bekannt war, dass sie eine Rolle spielen könnten): beispielsweise neue Taktiken (die neue erfolgreiche Taktik der französischen Truppen unter Napoleon ihre Schlachten in offener Formation zu kämpfen) Guerilla-Taktik der Russen im Russlandfeldzug 1812, die neue deutsche Blitzkriegsstrategie, der Einsatz der Atombomben gegen Japan 1945, in Hollywoodfilmen auch das Eingreifen von technisch überlegenen Außerirdischen.

Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie nicht wissen (known unknowns):

  • Wo wird bei der Blinddarmoperation genau geschnitten. (Ich bin kein Chirurg)
  • Warum ist der Himmel blau? (Es gibt zwar eine physikalische Erklärung dafür, aber ich kenne sie nicht)

Zitat aus der persischen Literatur[Bearbeiten]

Der persisch-tadschikische Poet Ibn Yamin (* 1286 in Faryumad, bei Sebzevar, † 1368) (ابن یمین فریومدی) schrieb im 13. Jahrhundert, dass es vier Typen von Männern gibt:

  • Diejenigen, die wissen und wissen, dass sie wissen ... Sein Pferd der Weisheit wird den Himmel erreichen.
  • Diejenigen, die wissen, aber nicht wissen, dass sie wissen ... Er schläft schnell ein, so dass man ihn aufwecken muss.
  • Diejenigen, die nicht wissen, aber wissen, dass sie nichts wissen ... Sein lahmendes Maultier wird ihn schließlich nach Hause bringen.
  • Diejenigen, die nicht wissen, und nicht wissen, dass sie nichts wissen ... Er wird auf ewig in seiner Vergessenheit verloren sein.

Populärkultur[Bearbeiten]

Seit der Rede von Rumsfeld tauchte das vollständige Zitat aber auch die beiden wichtigsten Begriffe daraus - „known knowns“ und „unknown unknowns“ - in der Populärkultur auf:

  • Der Titel des Romans von Jeffrey Rotte The Unknown Knowns. ist eine Anspielung auf das Zitat und das volle Zitat wird in der Buchinschrift zitiert.
  • Das Zitat wird in der CD The Poetry of Donald Rumsfeld and Other Fresh American Art Songs verwendet (Die Poesie von Rumsfeld und andere neue amerikanische Kunstlieder) [14]
  • Hart Seely hat eine Zusammenstellung von Rumsfelds Zitaten unter dem Titel „Pieces of Intelligence: The Existential Poetry of Donald H. Rumsfeld.“ (2003) herausgegeben.
  • In der amerikanischen TV-Zeichentrickserie The Boondocks wird Donald Rumsfeld durch die Figur Gin Rummy verkörpert und verwendet des Öfteren das Zitat „unknown unknowns“.
  • Die Punkrock-Band No Use for a Name verwendete das vollständige Zitat in ihrem Song „Fields of Agony“ für das Album „Rock Against Bush, Vol. 2“
  • In der satirischen, politischen Zeichentrickserie „Lil' Bush“ verwendet die Figur Lil' Rummy in der Folge „Lil' George and Lil' Tony Blair“ das Zitat „unknown unknowns“.
  • Joan Jett verwendet in ihrem Song „Riddles“ das volle „unknown unknowns“-Zitat.
  • Der belgische Regisseur Johan Grimonprez lässt seinen Film „Double Take“ (2009) mit Rumsfelds Zitat enden.
  • Auch Rumsfeld selber spielt mit dem Titel seiner 2011 erschienenen Biografie Known and Unknown: A Memoir auf seinen bekannt gewordenen Ausspruch an.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. DoD News Briefing – Secretary Rumsfeld and Gen. Myers (Defense.gov News Transcript, United States Department of Defense (defense.gov))
  2. Bush: „I’m the decider“ on Rumsfeld (auf CNN Politics, 18. April 2006)
  3. Mark Steyn: Rummy speaks the truth, not gobbledygook. (9. Dezember 2003, Daily Telegraph)
  4. Politik-Geschwafel „… es gibt auch unbekannte Unbekannte …“ (www.sueddeutsche.de, 1. Dezember 2002)
  5. Geoffrey K. Pullum: „Language Log: No foot in mouth“ (2. Dezember 2003, University of Pennsylvania - Language Log)
  6. John Quiggin: In Defense of Rumsfeld. (10. Februar 2004)
  7. Salvatore Modica, Aldo Rustichini: Awareness and partitional information structures. (Theory and Decision 37 (1), Juli 1994)
  8. Slavoj Žižek: What Rumsfeld Doesn't Know That He Knows About Abu Ghraib.
  9. Raymond B. Furlong: Clausewitz and Modern War Gaming. (August 1984, Air & Space Power Journal, Air University Review Archive)
  10. R. Epstein: In defense of the contract at will. (University of Chicago Law Review, Vol. 51, S. 947–975, 1984)
  11. David A. Maluf , Yuri O. Gawdiak , David G. Bell: On Space Exploration and Human Error: A paper on reliability and safety. (Hawaii International Conference on Systems Science. Hilton Waikoloa Village, HI, 3. - 6. Januar 2005)
  12. Northcom’s new leader boosts focus on Mexico. Works to curb drug trafficking, violence. (The Washington Times, 5. Juli 2010)
  13. „The Anosognosic’s Dilemma: Something’s Wrong but You’ll Never Know What It Is“ (Part 1, The New York Times, The opinion page, 20. Juni 2010)
  14. The Poetry of Donald Rumsfeld

Weblinks[Bearbeiten]