Vinzenz von Beauvais

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Vincentius Bellovacensis: Speculum maius (Straßburg: Johann Mentelin 1473, Teil 3: Speculum historiale)

Vinzenz von Beauvais (auch Vincent de Beauvais, latinisiert Vincentius Bellovacensis; * zwischen 1184 und 1194; † um 1264 in Beauvais) war ein französischer Gelehrter, Pädagoge und Dominikaner. Er war der Verfasser des Speculum maius, der ersten und umfassendsten Enzyklopädie des Mittelalters, die mehrfach zwischen 1240 und 1260 umgearbeitet wurde und in der Endfassung aus den drei Teilen Speculum naturale, Speculum doctrinale und Speculum historiale bestand.

Er war Vertrauter, Kaplan und Bibliothekar von König Ludwig IX. und Erzieher von dessen Söhnen. Seine Werke sind auch für die Geschichte der Alchemie von Bedeutung, da er über 350 alchemistische Autoren zitiert[1]. Er benutzt neben antiken Autoren wie Plato und Plinius der Ältere und spätantiken (wie Isidor von Sevilla) auch viele arabische Autoren (wie Avicenna und Rhazes).

Sein Werk diente unter anderem Geoffrey Chaucer als Quelle.

Werke[Bearbeiten]

  • 1247–1249 De eruditione filiorum nobilium (auch: De institutione puerorum regalium), pädagogisches Hauptwerk
  • 1256 Speculum maius (erstmals gedruckt 1474),
  • 1260 Liber consolatorius
  • 1260–1263 De morali principis institutione
  • Speculum morale, Strassburg 1476 (Digitalisat) (wahrscheinlich nicht von Vinzenz von Beauvais)
  • Opuscula. Johann Amerbach, Basel 1481 (Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf)
  • Sermones manuales de tempore. Johann Koelhoff d. Ä., Köln um 1482 (Digitalisat)
  • Speculum historiale. Anton Koberger, Nürnberg 1483 (Digitalisierte Ausgabe) Auch von Caxton 1490 gedruckt (als The Myrrour of the World). Sein Geschichtswerk aus christlicher Sicht.

Die Gesamtausgabe Speculum quadruplex (mit den Speculum morale) erschien 1624 in Douai und wurde 1964/65 in Graz nachgedruckt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Willem J. Aerts, Edmé R. Smits, Johan B. Voorbij (Hrsg.): Vincent of Beauvais and Alexander the Great. Studies on the ‘Speculum Maius’ and its translations into Medieval vernaculars. Egbert Forsten, Groningen 1986, ISBN 90-6980-009-8 (Mediaevalia Groningana 7).
  • Astrik L. Gabriel: Vinzenz von Beauvais. Ein mittelalterlicher Erzieher. Knecht, Frankfurt am Main 1967.
  • Ludwig Lieser: Vinzenz von Beauvais als Kompilator und Philosoph. Eine Untersuchg seiner Seelenlehre im Speculum maius. F. Meiner, Leipzig 1928 (Forschungen zur Geschichte der Philosophie und der Pädagogik. Bd. 3, H. 1, ZDB-ID 988087-2).
  • Michel Tarayre: La Vierge et le miracle. Le Speculum historiale de Vincent de Beauvais. Champion u. a., Paris 1999, ISBN 2-7453-0075-X (Essais sur le Moyen Age 22).
  • Rudolf Weigand: Vinzenz von Beauvais. Scholastische Universalchronistik als Quelle volkssprachiger Geschichtsschreibung. Olms, Hildesheim u. a. 1991, ISBN 3-487-09455-X (Germanistische Texte und Studien 36).
  • S. Lusignan, M. Paulmier-Foucart (Hrsg) Lector et compilator. Vincent de Beauvais, frère et precheur. An intellectuel et son milieu au XIIIe siècle, Paris, Nancy, Montreal 1997

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vincent de Beauvais – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pötsch u.a. Lexikon bedeutender Chemiker, Harri Deutsch 1989, Eintrag Vincenz von Beauvais