Beauvais

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Dieser Artikel behandelt die französische Stadt Beauvais, für weitere Bedeutungen siehe Beauvais (Begriffsklärung).
Beauvais
Wappen von Beauvais
Beauvais (Frankreich)
Beauvais
Region Picardie
Département Oise (Präfektur)
Arrondissement Beauvais
Kanton chef-lieu von 3 Kantonen
Gemeindeverband Agglomération du Beauvaisis.
Koordinaten 49° 26′ N, 2° 5′ O49.4341666666672.087569Koordinaten: 49° 26′ N, 2° 5′ O
Höhe 57–170 m
Fläche 33,31 km²
Einwohner 54.189 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 1.627 Einw./km²
Postleitzahl 60000
INSEE-Code
Website http://www.beauvais.fr/

Kathedrale Saint-Pierre in Beauvais

Beauvais ist eine Stadt im Norden Frankreichs, etwa 90 Kilometer nördlich von Paris.

Beauvais ist die Hauptstadt des Départements Oise in der Region Picardie. Die Zahl der Einwohner beträgt 54.189 (Stand 1. Januar 2011), die Agglomeration hat rund 100.000 Einwohner.

Geografie[Bearbeiten]

Beauvais liegt am Fuße einer bewaldeten Hügellandschaft am linken Ufer des Thérain am Zusammenfluss mit dem Avelon.

Geschichte[Bearbeiten]

Beauvais trug zu Zeiten des Römischen Reiches den Namen Caesaromagus. Der heutige Name stammt von dem gallischen Stamm der Beilovaci (Bellovaken), deren Stammsitz hier zu finden war. Im 9. Jahrhundert n. Chr. wurde Beauvais zur Grafschaft Beauvais, die um 1013 an das Bistum Beauvais fiel.

1346, im Hundertjährigen Krieg, verteidigte sich die Stadt gegen die Engländer, die erneut um 1433 die Mauern durchbrechen konnten.

Mit der Schlacht von 1472 gegen Karl den Kühnen, den Herzog von Burgund, wurde die Stadt durch die heldenhafte Verteidigung unter der Führung der Jeanne Hachette bekannt. Dessen wird noch heute jeweils am letzten Juniwochenende mit der Fête Jeanne Hachette gedacht. Die alten Schanzen sind inzwischen zerstört.

1930 ging der Name Beauvais um die Welt, als dort am 5. Oktober der – damals weltgrößte – Zeppelin R101 Bodenberührung hatte und in Brand geriet, wobei 48 der 54 Insassen starben.[1]

Verwaltung[Bearbeiten]

Beauvais ist Hauptort (chef-lieu) von drei Kantonen. Der Kanton Beauvais-Nord-Est umfasst nur einen Teil des Stadtgebietes. Zum Gebiet der Kantone Beauvais-Nord-Ouest und Beauvais-Sud-Ouest zählen neben den weiteren Teilen der Stadt die umgebenden Gemeinden Fouquenies, Herchies, Pierrefitte-en-Beauvaisis und Savignies (jeweils Kanton Beauvais-Nord-Ouest) sowie Allonne, Goincourt, Saint-Martin-le-Nœud und Aux Marais (Kanton Beauvais-Sud-Ouest).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Cathédrale Saint-Pierre[Bearbeiten]

Grundriss Cathédrale Saint-Pierre
Hauptartikel: Kathedrale von Beauvais

Die Kathedrale von St. Pierre, eines der bedeutendsten Bauwerke der Gotik, besteht aus einem Querschiff und einem Chor mit Apsis sowie sieben Apsidenkapellen. Die Säulen im Inneren erheben sich bis in 30 Meter Höhe, der Chor selbst ist mit 48,50 Metern der höchste gotische der Welt.

Die kleine frühromanische Kirche aus dem 10. Jahrhundert, als Basse Oeuvre bekannt, ist eine von zwei erhaltenen karolingischen Kirchen Frankreichs. Die aufkommende Gotik ließ 1225 den Bischof Milon einen Kathedralenneubau veranlassen. 1247 begannen die Bauarbeiten, doch im Jahr 1284 stürzten Teile des Chores ein. Erst nach einem halben Jahrhundert wurde der Chor wieder aufgebaut, die Struktur wurde durch zusätzliche Pfeiler verstärkt. Anschließend wurden die Bauarbeiten eingestellt.

Erst im 16. Jahrhundert, von 1500 bis 1548, wurde das Querschiff gebaut. 1573 fiel der zentrale – mit etwa 150 m Höhe vermutlich viel zu groß geplante – Turm in sich zusammen. Ein Hauptschiff wurde nie errichtet. Zu dieser Zeit war die Gotik nicht mehr modern, auch war kein Geld mehr vorhanden.

Die Südfassade zeigt die reichhaltige Ornamentik gotischer Baukunst. Die geschnitzten Pforten sowohl im Norden als auch im Süden sind Meisterwerke der Gotik und der Renaissance. Der größte architektonische Schatz sind jedoch die farbigen Bleiglasfenster aus dem 13., 14. und 16. Jahrhundert, die schönsten stammen von dem Renaissance-Künstler Engrand Le Prince, der in Beauvais geboren wurde. Auch die Scheiben in der Kirche von St. Etienne, die ebenfalls in der Stadt liegt, stammen von ihm und zeigen den Stilwandel zwischen Gotik und Renaissance.

Die Kirche besitzt eine bemerkenswerte astronomische Uhr (1865–1868) von Auguste-Lucien Vérité, der, bevor er sich als Uhrmacher betätigte, bereits als Experte des Orgelbaus bekannt geworden war. Ferner sind Bildwirkereien aus dem 15. und 17. Jahrhundert zu bewundern.

Andere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Auf dem Place de l’Hôtel de Ville und in den alten Gassen in der Nähe der Kathedrale sind noch zahlreiche Häuser aus dem 12. bis zum 16. Jahrhundert erhalten. Das Rathaus (hôtel de ville), wo auch die Statue der Jeanne Hachette zu finden ist, wurde 1752 errichtet.

Der Bischofspalast, heute ein Gericht, wurde im 16. Jahrhundert errichtet, teilweise auf Befestigungen aus der gallisch-römischen Zeit.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Während Beauvais wegen einer Manufaktur für Wandteppiche aus dem Jahr 1664 bekannt war, besteht heute ein weitläufiger Handel mit Getreide und Wein.

Heute produziert AGCO, einer der weltweit größten Landtechnikkonzerne, in Beauvais seine Traktoren der Marken Massey Ferguson und Challenger.

Die Stadt ist Bischofssitz. Die Departementsverwaltung und ein Gericht erster Instanz sind hier angesiedelt.

Verkehr[Bearbeiten]

Beauvais besitzt den Flughafen Beauvais-Tillé, der von Billigfluggesellschaften und Charterlinien angeflogen wird; aus der französischen Hauptstadt gibt es einen häufigen Bus-Shuttle-Service.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Goldgriffspatha

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Beauvais – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The R101 airship disaster. century-of-flight.net. Abgerufen am 29. Oktober 2011.