Violettdegenflügel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Violettdegenflügel
Violettdegenflügel ♂

Violettdegenflügel ♂

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
Familie: Kolibris (Trochilidae)
Unterfamilie: Eigentliche Kolibris (Trochilinae)
Gattung: Degenflügel (Campylopterus)
Art: Violettdegenflügel
Wissenschaftlicher Name
Campylopterus hemileucurus
(Deppe, 1830)

Der Violettdegenflügel oder Purpurdegenflügel (Campylopterus hemileucurus) ist eine Vogelart aus der Familie der Kolibris (Trochilidae). Die Art hat ein großes Verbreitungsgebiet in den mittelamerikanischen Ländern Mexiko, Belize, Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua, Costa Rica und Panama. Der Bestand wird von der IUCN als „nicht gefährdet“ (Least concern) eingestuft.

Merkmale[Bearbeiten]

Der Violettdegenflügel erreicht eine Körperlänge von etwa 14 bis 15 Zentimetern. Das Gewicht des Männchens beträgt 11,5 , das des Weibchens 9,5 Gramm. Die Unterseite und die Kehle des Männchens sind dunkelviolett. Der weiße Punkt hinter den Augen hebt sich deutlich von der grünen Krone und den violette Ohrbereich ab. Der violette Nacken und Oberseite wird grünblau an den Oberschwanzdecken. Der Schwanz ist schwarzviolett, wobei die äußeren drei Steuerfedern weiß sind. Die violette Kehle des Weibchens ist von einem abgestumpften Bart umrundet. Es hat auch einen weiße Punkt hinter den Augen eine grünen Krone ist aber im Ohrbereich farblich matter. Die Unterseite ist hell grau und an den seitlichen Flanken grün gesprenkelt. Die Unterschwanzdecken sind grün. Die inneren Steuerfedern sind grünschwarz, die Äußeren sind schwärzlich mit weißen Flecken. Der leicht gebogene Schnabel und die Beine sind bei beiden schwarz.

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Verbreitung des Violettdegenflügels

Der Kolibri lebt normalerweise im Unterholz und Rändern von Bergwäldern insbesondere in Seitentälern. Zur Futtersuche verlässt er auch mal die immergrünen feuchten Wälder und besucht bewohnte Gebiete, Bananenplantagen oder Sekundärvegetation. Man findet ihn in Höhen zwischen 500 und 2400 Metern.

Violettdegenflügel am Futter-Spender

Verhalten[Bearbeiten]

Der Kolibri ist für seine Größe erstaunlich unaggressiv und wenig dominant. An Blumen ist er wenig territorial. Zu seinen bevorzugten Pflanzen gehören Helikonien, Bananaren und teilweise Gebüsche im Unterholz wie beispielsweise die zu den Brechwurzeln gehörende Cephaelis. Als Nest baut er einen dicken Kelch aus Moos, feinen Fasern und Pflanzen, die er mit Spinnweben zusammenhält.

Unterarten[Bearbeiten]

Bisher sind zwei Unterarten bekannt, die sich vor allem durch ihre Färbung und ihr Verbreitungsgebiet unterscheiden.[1]

  • Campylopterus hemileucurus hemileucurus (Deppe, 1830)[2] - Die Nominatform kommt vereinzelt im Süden Mexikos vor. Südlich erstreckt sich das Verbreitungsgebiet bis in den Süden des Zentralen Nicaraguas.
  • Campylopterus hemileucurus mellitus Bangs, 1902[3] Die Unterart ist etwas größer als die Nominatform. Am Schwanz hat sie deutlich stärkere weiße Flecken. Die Oberseite ist etwas mehr grün gefärbt. Sie kommt in Costa Rica und im Westen Panamas vor.

Etymologie und Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Wilhelm Deppe beschrieb den Violettdegenflügel unter dem Namen Trochilus hemileucurus. Das Typusexemplar stammte aus Mexiko.[2] Erst später wurde die Art der 1827 von William Swainson eingeführten Gattung Campylopterus zugeordnet.[4] Dieses Wort leitet sich vom griechischen »kampulos καμπύλος« für »gebogen, gekrümmt« und »-pteros, pteron πτερο« für »-geflügelt, Flügel« ab.[5] Der Name »hemileucurus« ist aus den griechischen Worten »hēmi- ἡμι-« für »halb, klein« und »leukouros λευκουρος« für »weißschwänzig« zusammengesetzt, wobei sich »leukouros« wiederum aus »leukos λευκος« für »weiß« und »oura ουρα« für »Schwanz« zusammensetzt.[6] »Mellitus« ist das lateinische Wort für »Honig, honigsüß, reizend«.[7] Oft wird Ferdinand Deppe, der Bruder des Autors, oder Martin Hinrich Lichtenstein fälschlicherweise als Erstautor in der Literatur genannt. In ihrem Artikel Clarification and corrections of the dates of issue of some publications containing descriptions of North American birds erläutern Burt Leavelle Monroe, Jr. und M. Ralph Browning warum Wilhelm Deppe nach den Internationalen Regeln für die Zoologische Nomenklatur als Erstautor gilt.[8] Sie beziehen sich in ihrer Analyse auf einen Artikel von Erwin Stresemann, der bereits 1954 darauf hinwies, das der Fehler wohl auf einen verwirrenden Nachdruck im Journal für Ornithologie aus dem Jahre 1863 zurück zu führen ist.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • F. Gary Stiles, Dana Gardner, Alexander F. Skutch: A Guide to the Birds of Costa Rica. Comstock Publishing Associates, 1990, Seite 213, ISBN 978-0801496004
  • Steve N. G. Howell, Sophie Webb: A Guide to the Birds of Mexico and Northern Central America, Oxford University Press, 1995, Seite 396, ISBN 978-0198540120
  •  James A. Jobling: Helm Dictionary of Scientific Bird Names. Christopher Helm, London 2010, ISBN 978-1-4081-2501-4.
  •  Wilhelm Deppe: Preis-Verzeichniss der Säugethiere, Vogel, Amphibien, Fische und Krebse, welche von den Herren Deppe und Schiede in Mexico gesammelt worden, und bei dem unterzeichneten Bevollmächtigten in Berlin gegen baare Zahlung in Preuss. Courant zu erhalten sind. Privatdruck Ferdinand Deppe, Berlin 1830 (Nachdruck online im Journal für Ornithologie (1863), abgerufen am 22. August 2014).
  •  Outram Bangs: On a second collection of birds made in Chiriqui, by W. W. Brown, Jr.. In: Proceedings of the New England Zoölogical Club. Bd. 3, 1902, S. 15-70 (online, abgerufen am 22. August 2014).
  •  Burt Leavelle Monroe, Jr & M. Ralph Browning: Clarification and corrections of the dates of issue of some publications containing descriptions of North American birds. In: Archives of Natural History. Bd. 18, Nr. 3, 1991, ISSN 0260-9541, S. 381-405, doi:10.3366/anh.1991.18.3.381.
  •  William Swainson: On several Groups and Forms in Ornithology, no hitherto defined. In: The Zoological journal. Bd. 3, Nr. 11, 1827, S. 343-363 (online, abgerufen am 22. August 2014).
  •  Erwin Stresemann: Ferdinand Deepe's travels in Mexico, 1824-1829. In: The Condor. Bd. 56, Nr. 2, 1954, S. 86-92 (online (PDF; 553 kB), abgerufen am 23. August 2014).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Violettdegenflügel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Violettdegenflügel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. IOC World Bird List Hummingbirds
  2. a b Wilhelm Deppe, Nummer 33
  3. Outram Bangs, S. 28
  4. William Swainson, S. 358
  5. James A. Jobling S. 87
  6. James A. Jobling S. 189
  7. James A. Jobling S. 249
  8. Burt Leavelle Monroe, Jr. u.a, S. 388
  9. Erwin Stresemann, S. 88