Erwin Stresemann

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Erwin Stresemann (* 22. November 1889 in Dresden; † 20. November 1972 in Berlin) war ein deutscher Zoologe und Hochschullehrer.

Leben[Bearbeiten]

Erwin Stresemann war Sohn des Apothekers Richard Stresemann und dessen Frau Marie, geborene Dunkelbeck. Er studierte ab 1908 Naturwissenschaften (speziell Zoologie) an den Universitäten Jena, Freiburg und München und war von 1910 bis 1912 Teilnehmer an der 2. Freiburger Molukken-Expedition, die unter Leitung von Karl Deninger stattfand. Von 1914 bis 1918 leistete er Kriegsdienst und war ab 1918 an der wissenschaftlichen Hilfsabteilung an der Zoologischen Staatssammlung München tätig. 1920 wurde er bei Richard von Hertwig an der Universität München zum Dr. phil. promoviert.

1921 wurde er Assistent am Zoologischen Museum Berlin und Leiter der ornithologischen Abteilung, an der er ab 1924 als Kustos angestellt war. 1930 wurde er in Berlin zum Titularprofessor, 1946 zum Professor mit Lehrauftrag für Zoologie ernannt. Von 1946 bis 1959 war er kommissarischer Direktor am Zoologischen Museum der Humboldt-Universität Berlin.

Stresemann war Generalsekretär, Präsident (ab 1949) und Ehrenpräsident der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft und einer der bedeutendsten Ornithologen des 20. Jahrhunderts. Von 1922 bis 1961 (ab 1956 zusammen mit Prof. Dr. Günther Niethammer, ein Schüler Stresemanns) war er Herausgeber des Journal für Ornithologie. Die Ornithologischen Monatsberichte gab Stresemann von 1922 (übernommen von Prof. Dr. Anton Reichenow) bis zur Einstellung 1944 heraus. In den 20er und 30er Jahren gab er den Anstoß für eine Transformation der älteren, vorwiegend faunistisch-systematischen Ornithologie zu einem Zweig der modernen Biologie und begründete durch Verbindungen mit Genetik, funktioneller Anatomie, Physiologie und Ethologie der Vögel eine „Neue Biologische Ornithologie“. Er war Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin und der Leopoldina.

Einer seiner berühmtesten Schüler war Ernst Mayr. Stresemann war Begründer und Herausgeber der „Exkursionsfauna von Deutschland“, einem populären Bestimmungsbuch der heimischen Tierwelt, das heute noch herausgegeben und bei Studenten der Zoologie schlichtweg als „Der Stresemann“ bezeichnet wird.

In der DDR wurde er 1960 mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Silber ausgezeichnet.[1]

Erwin Stresemann war von 1916-1939 verheiratet mit Elisabeth Deninger, Schwester von Karl Deninger (s.o.) und Tochter des Mainzer Chemikers Albert Deninger, der Mitinhaber der Mainzer Lederfabrik Mayer-Michel-Deninger war, aber um 1900 mehr durch seine Calciumfluorid-Versuche zur Kariesprophylaxe bekannt wurde. Die Ehe wurde 1939 geschieden und Stresemann heiratete 1941 Vesta Grote.

Werke[Bearbeiten]

  • Die Paulohisprache. Ein Beitrag zur amboinischen Sprachengruppe. (M. Nijhoff, ’s-Gravenhage, 1918).
  • Avifauna Macedonica. Die ornithologischen Ergebnisse der Forschungsreisen, unternommen nach Mazedonien durch Prof. Dr. Doflein und Prof. L. Müller ... in den Jahren 1917 und 1918. (Dultz & Co., München, 1920).
  • Die Lauterscheinungen in den ambonischen Sprachen. (D. Reimer, Berlin, 1927).
  • Exkursionsfauna von Deutschland. (Drei Bände, Volk und Wissen, Berlin, 1955).
  • Mit Leonid Alexandrowitsch Portenko: Atlas der Verbreitung palaearktischer Vögel. (Akademie-Verlag, Berlin, 1960).
  • Die Entwicklung der Ornithologie, von Aristoteles bis zur Gegenwart. (F. W. Peters, Berlin, 1951).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neues Deutschland, 12. November 1960, S. 2