Wikipedia:Humorarchiv/Halb voll oder halb leer?

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Die Streitfrage, ob ein Glas halb voll oder halb leer ist, ist zunächst eine anschauliche Redewendung, um die psychologisch-philosophische Auseinandersetzung zwischen den Weltanschauungen und Lebenshaltungen des Pessimismus und des Optimismus zu veranschaulichen. Für den Pessimisten ist das Glas halb leer. Ein Optimist wird sich für halb voll entscheiden.

Halb voll oder halb leer?

Die Medizinerin Susan Vaughan, Dozentin für Psychiatrie, hat unter dem Titel Halb leer? Halb voll. Die Wurzeln des Optimismus 2001 ein Buch veröffentlicht, in dem sie mit biologischen und psychologischen Experimenten und Untersuchungen von hirnphysiologischen Prozessen nachzuweisen versucht, dass die Neigung zum Pessimismus bzw. Optimismus mit frühen, heute unbewußten Kindheitserfahrungen von Geborgenheit bzw. Frustration zusammenhängt. Allerdings blieben Pessimismus und Optimismus kein Zustand, sondern ein Prozess, so dass sich das Gehirn überlisten lasse und Stimmungen moduliert werden könnten.

In der psychologischen Wahrnehmung und philosophischen Reflexion kommt also zur Statik gleichzeitig der Verlauf bzw. Prozess als eigenständiger Aspekt hinzu. Auf dieser Ebene kann es keine so eindeutige Lösung mehr geben wie in der Naturwissenschaft oder Mathematik, wo die Aussage gilt: Der Inhalt des Gefäßes beträgt 50% oder 1/2.

Lediglich von einem neutralen Standpunkt aus oder im Sinne der Political Correctness sind weitere Aussagen möglich: Das Glas ist zugleich halb voll und halb leer.

Ein annähernd neutraler Versuch wäre auch die Vorher-Nachher-Analyse unter Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektive. War das Glas vorher leer (z.B. eine Neuanschaffung oder kurz vor dem Befüllen) und wurde zur Hälfte gefüllt so ist es halb voll oder immer noch halb leer. Wenn ein Glas voll ist (z.B. von einem Barkeeper eingeschenkt) und an einen Gast ausgegeben wurde so ist dieses Glas, nachdem es die Hälfte seines Inhaltes verloren hat, halb leer oder immer noch halb voll.

Komplexer wird das ganze noch, wenn man zusätzlich zum Glas und den unterschiedlichen Perspektiven von Betrachtern unterschiedliche (ökonomische) Interessen der Betrachter hinzunimmt (z.B. Konsum). Damit wird aus der psychologisch-philosophischen Fragestellung eine ökonomische Modelltheorie

  • Für einen Barkeeper, der ein Glas (Wir nehmen an es sei Glas a) füllt und nicht leert ist das Glas a voll, halb voll, 1/4 voll usw... Während für den Gast, welcher aus einer anderen Perspektive schaut, Glas a sich mit jedem Schluck immer mehr leert (schließlich füllt es sich nicht). Somit ist für den Gast das Glas a voll, halb leer, usw..

Rückübertragen auf die psychologisch-philosophische Streitfrage könnte dies den Einfluß von pessimistischen bzw. optimistischen Grundhaltungen etwas relativieren. Immerhin hängt die Beantwortung der Frage ja auch entscheidend vom Grad des Durstes ab oder wird zum Beispiel auch von Motivationen wie der Sparsamkeit mit geprägt.

Die Frage ist zudem ein Beispiel für die Existenz eines "dritten Weges". Eine Erweiterung lautet: was sagt der Ingenieur. Und die Antwort ist: 'Das Glas ist doppelt so groß, wie es sein müsste'. Eine weitere: Und was sagt der Physiker? Die Antwort: 'Das Glas ist ganz voll. Zur Hälfte mit Luft und zur Hälfte mit Flüssigkeit.'

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael C. Burda: Ist das Maß halb leer, halb voll oder einfach voll? die volkswirtschaftlichen Perspektiven der neuen Bundesländer; Antrittsvorlesung 26. Oktober 1994, 1995
  • Susan Vaughan: Halb leer? Halb voll. Die Wurzeln des Optimismus, 2001
  • Eduard Siegwardt: Das Glas ist nicht halb leer sondern halb voll, 2008