Zielcode

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Mit Zielcode, Anschriftencode, Postcode und Adresscode wird der Strichcode bezeichnet, den die Deutsche Post AG auf Briefe und Postkarten druckt. Der Zielcode wird im ersten durchlaufenen Briefzentrum auf die Sendung aufgebracht. Damit wird eine schnellere maschinelle Weiterleitung und Sortierung ermöglicht.

Ein Zielcode auf einem Briefumschlag

Herstellung[Bearbeiten]

Innerhalb der Codierzone, das ist der 15 mm hohe und 150 mm breite Bereich an der rechten unteren Ecke auf der Anschriftenseite einer jeden Postsendung,[1] wird der Code von einem Drucker, der Teil einer Anschriftenlesemaschine ist, beispielsweise der ILVM aufgespritzt. Pro Sekunde können zehn Briefe verarbeitet werden. Dieses Tempo ermöglicht die Bearbeitung von bis zu 36.000 Sendungen pro Stunde in einer Maschine. Neuartige Maschinen schaffen fast das Doppelte.

Aussehen und Format[Bearbeiten]

Wert Codierung
01247
Codierung
8421
1 Zielcode - 01247 1.gif Zielcode - 8421 1.gif
2 Zielcode - 01247 2.gif Zielcode - 8421 2.gif
3 Zielcode - 01247 3.gif Zielcode - 8421 3.gif
4 Zielcode - 01247 4.gif Zielcode - 8421 4.gif
5 Zielcode - 01247 5.gif Zielcode - 8421 5.gif
6 Zielcode - 01247 6.gif Zielcode - 8421 6.gif
7[2] Zielcode - 01247 7.gif Zielcode - 8421 7.gif
8 Zielcode - 01247 8.gif Zielcode - 8421 8.gif
9 Zielcode - 01247 9.gif Zielcode - 8421 9.gif
0[3] Zielcode - 01247 0.gif Zielcode - 8421 0.gif

Diese Codes, auch Strichcode oder Barcode genannt, bestehen aus einer Folge von 5 mm hohen Strichen, die auf den unteren rechten Rand des Briefes gedruckt werden. Sie sind fluoreszierend und ihre Farbe wird mit hell orange, orangefarben, aprikot, aprikotfarben[4], neonrot, rot, phosphorfarben oder rosa beschrieben.

Codierung und Decodierung[Bearbeiten]

Zwei verschiedene Codierungsarten kommen zum Einsatz, eine 5-Bit-Codierung und eine 4-Bit-Codierung. Nebenstehende Tabelle zeigt die Codierung einer jeden Ziffer an. Jeder Bit des Codes entspricht einem Zahlenwert. Die Zahlenwerte der gesetzten Bits des Codes werden addiert, ihre Summe ist die Zahl, die decodiert wurde, wobei es zwei Sonderregeln gibt: In der 5-Bit-Codierung wird mit der Summe (7+4)=11 die Ziffer "Null" dargestellt; in der 4-Bit-Codierung steht die Summe (8+2)=10 für die Ziffer "Sieben".

Die 5-Bit-Codierung: Jedes Segment besteht aus 5 Stellen, an dreien stehen Striche, an zweien nicht. Die erste Stelle hat den Wert 0, die zweite den Wert 1, dann folgen die Werte 2,4 und 7. Die Summe der Stellen, an denen keine Striche stehen, ergibt die Zahl. Fehlen z. B. an der zweiten und der dritten Stelle Striche, ergibt sich die Ziffer 1+2=3. Fehlen die Striche vier und fünf, so ist die Summe der Werte 4+7=11, dies steht für die Ziffer 0. Hinter jedem Segment ist jeweils ein Trennstrich.

Prüfzifferberechnung[Bearbeiten]

Die Quersumme der anderen 5-Bit-codierten Ziffern ist Grundlage der Prüfziffer:

Prüfziffer = 10 - (Quersumme mod 10)

Die Prüfziffern 10 und 0 werden beide als "Null" codiert.

Einige Beispiele:

  • Die Postleitzahl 3550 hat die Quersumme 13 und somit die Prüfziffer 7.
  • Die Postleitzahl 24118 hat die Quersumme 16 und somit die Prüfziffer 4.

Die Quersumme aller 5-Bit-codierten Ziffern inklusive Prüfziffer ist so immer ein Vielfaches von 10.

Zielcodesysteme[Bearbeiten]

Matrixcode[Bearbeiten]

Von 1965 bis 1991 wurde der Matrixcode verwendet.[5] Acht verschiedene Briefverteilungsanlagen (BVA) verwendeten ihn, der Beginn war am 31. Mai 1965, als in Pforzheim die erste elektronische BVA in Betrieb genommen wurde.[5]

Die Postleitzahlen wurden von Menschen erkannt, per Tastatur eingegeben und dann von der Maschine zu einem Matrixcode zusammengesetzt und aufgedruckt. Es wurden dabei an acht von 20 möglichen Positionen Striche aufgedruckt. Die möglichen Positionen waren aufgeteilt in vier Spalten und fünf Zeilen. Jede Spalte repräsentierte eine Ziffer der Postleitzahl. Dabei kam die obige 5-Bit-Codierung (von oben nach unten) zum Einsatz, wobei jedoch die zählenden Stellen aufgedruckt wurden, während später die zählenden die fehlenden sind. Die Postleitzahl wurde von links nach rechts codiert. Der einzelne Balken war 6 mm hoch. Der Spaltenabstand betrug anfangs 6 mm, später 8 mm.

Die Balken waren je nach Maschine schwarz und magnetisierbar oder hellgelb bis fast weiß, phosphoreszierend oder fluoreszierend, sie waren abriebfest.

Linearcode für 4 Ziffern und 1 Prüfziffer[Bearbeiten]

Von 1978 bis 1995 wurde diese Codierung verwendet. Begonnen wurde am 25. September 1978 in Wiesbaden, als die erste Briefverteilanlage mit Linearcodierung und automatischem Anschriftenleser ihren Betrieb aufnahm.[5]

Der Öffentlichkeit vorgestellt wurde das Verfahren auf der IVA 1979.[6] Sie besteht aus 5 Segmenten: Die 4 Ziffern der Postleitzahl oder einer postleitzahlenähnliche innerbetrieblichen Kennzahl (IKZ) und eine Prüfziffer, jeweils getrennt durch einen Strich.

-----Postleitzahl------|Prüf.| Bedeutung der Bereiche
01247-01247-01247-01247-01247- Wert der Stelle
|||  || | ||| | |||  ||| ||| | Beispiel-Strichcode
   47| 1 4 | 1 4 | 12  |0   7| Berechnung 1. Schritt, Segmente durch | getrennt
  =11|   =5|   =5|   =3|   =7| Berechnung 2. Schritt, Segmente durch | getrennt
    0     5     5     3     7  Berechnung 3. Schritt, die fertige Zahlenfolge

Das Beispiel ergibt die Ziffern 0, 5, 5, 3 der Postleitzahl, sowie die Prüfziffer 7. Die Postleitzahl der Adresse lautet 3550, ist also in umgekehrter Reihenfolge codiert.

Die IKZ waren notwendig, weil beispielsweise die gesamte Stadt Hamburg eine Postleitzahl hatte. Hinter dem Namen Hamburg gab man daher oft noch eine genauere Kennzeichnung des Bereichs von Hamburg in Zahlen an. Aus diesen Informationen wurde dann eine IKZ generiert, die aufgedruckt wurde und nach der sortiert wurde.

Linearcode für 5 Ziffern und 1 Prüfziffer[Bearbeiten]

Der Zielcode für fünfstellige Postleitzahlen wird immer dann auf Briefe und Postkarten aufgedruckt, wenn der Computer gar nichts erkennen konnte und ein Foto des Briefes einem Mitarbeiter zum Eintippen der Postleitzahl auf dem Bildschirm gezeigt wurde. Er ist wie der obige aufgebaut. Ein Beispiel:

-----Postleitzahl------------|Prüf.| Bedeutung der Bereiche
01247-01247-01247-01247-01247-01247- Wert der Stelle
| || |  ||||  |||| || || | ||| || || Beispiel-Strichcode
 1  7|01   |01   |0  4 |0 2  |0  4 | Berechnung 1. Schritt, Segmente durch | getrennt
   =8|   =1|   =1|   =4|   =2|   =4| Berechnung 2. Schritt, Segmente durch | getrennt
    8     1     1     4     2     4  Berechnung 3. Schritt, die fertige Zahlenfolge


Hier ist in umgekehrter Reihenfolge die Postleitzahl 24118 codiert, gefolgt von der Prüfziffer 4.

Linearcode für 11 Ziffern und 1 Prüfziffer[Bearbeiten]

Der Code wurde mehrfach modifiziert und erweitert. Hinzugekommen sind unter anderem Codes für die Hausnummer und Straßennummer.[7] Die neuen Bestandteile werden mit je einer 4-Bit-Binärzahl pro dezimaler Ziffer codiert. Mehrere Ziffern, die eine Einheit bilden werden dabei in umgekehrter Reihenfolge codiert. Die Codierung der Postleitzahl wird weiterhin wie oben beschrieben vorgenommen und ist im rechten Teil des Codes enthalten. Abgeschlossen wird der Code auf der rechten Seite von zwei zusätzlichen Stellen. Die letzte ist dabei immer ein Strich.

Beispiel:

|----Hausnr----|----Straße----|-------Postleitzahl----------|Prüfz| Bedeutung
|8421.8421.8421|8421.8421.8421|01247.01247.01247.01247.01247|01247| Stellenwert
||||| || | ||  || || | |  |  ||  |||  || | |||   | | | |  ||| ||| | Beispielstrichcode
  0     2    3    4    5    6    1     4     0     5     3     7    Entschlüsselung

Ergibt: Postleitzahl 35041, Prüfziffer der Postleitzahl 7, Straße 654, Hausnummer 320

Linearcode für 13 Ziffern und 1 Prüfziffer[Bearbeiten]

-|Entgelts.|----Hausnr----|----Straße----|-------Postleitzahl----------|Prüfz|-- Bedeutung
-|8421.8421|8421.8421.8421|8421.8421.8421|01247.01247.01247.01247.01247|01247|-- Stellenwert
| | |  | | ||||||||| ||||| | |  | || |||| | || |  |||   |||| || || | ||| || |||| Beispielcode
|| 4 1| 4 1|    |   1|    | 4 1| 4  |    | 1  7|01   |01   |0  4 |0 2  |0  4 ||| Berechnung 1. Schritt, Segmente durch | getrennt
||  =5|  =5|  =0|  =1|  =0|  =5|  =4|  =0|   =8|   =1|   =1|   =4|   =2|   =4||| Berechnung 2. Schritt, Segmente durch | getrennt
||   5    5|   0    1    0|   5    4    0|    8     1     1     4     2|    4||| Berechnung 3. Schritt, Bedeutungsabschnitt durch | getrennt

Obiges Beispiel ergibt: Postleitzahl 24118, Straße 045, Hausnummer 010, Entgeltsicherungscode 55

Die Kombination von codierter Adresse und Entgeltsicherungscode wurde 2003 zum Patent angemeldet. Der Entgeltsicherungscode enthält dabei Informationen über die Freimachung und eventuelle Unregelmäßigkeiten bei dieser.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Die Trennstellen zwischen den codierten Ziffern können Strich oder Leerzeichen sein. Aktuelle Zielcodes der Deutschen Post verwenden hier Leerzeichen und Trennstrich als Prüfbits oder Redundanzbits.

Decodierschablone[Bearbeiten]

Schablone zur Decodierung des Zielcodes


Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zielcode – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutsche Post AG Daten und Fakten
  2. Sonderregel bei 4-stelliger Codierung: 8+2=10 ist die Codierung der 7.
  3. Sonderregel bei 5-stelliger Codierung: 4+7=11 ist die Codierung der 0.
  4. postfrisch – Das Philatelie-Jornal, Heft 3/2010, Mai/Juni 2010, S. 32
  5. a b c Meilensteine der Briefcodierung (PDF; 5,6 MB)
  6. Vorführpost (Beispiel der Codierung einer vierstelligen Postleitzahl)
  7. WIPO-Patent WO/2003/035282: Verfahren und Vorrichtung zur Bearbeitung von Postsendungen