Zwergscharbe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zwergscharbe
Phalacrocorax pygmeus 1 (Martin Mecnarowski).jpg

Zwergscharbe (Microcarbo pygmeus)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Ruderfüßer (Pelecaniformes)
Familie: Kormorane (Phalacrocoracidae)
Gattung: Microcarbo
Art: Zwergscharbe
Wissenschaftlicher Name
Microcarbo pygmeus
(Pallas, 1773)

Die Zwergscharbe (Microcarbo pygmeus (Synonym.: Phalacrocorax pygmeus)) gehört zur Familie der Kormorane (Phalacrocoracidae).

Aussehen[Bearbeiten]

Die Zwergscharbe wird 45 bis 60 cm lang, 700 g schwer und erreicht eine Flügelspannweite von ca. 80 cm. Sie ist dunkel gefärbt mit dunkelrotbraunem Kopf.

Ernährung und Lebensweise[Bearbeiten]

Die Zwergscharbe ernährt sich hauptsächlich vom Fisch, den sie gezielt mit Tauchattacken jagt. Beim Schwimmen blicken Zwergscharben immer wieder nach unten, um einen Fisch zu entdecken. Unter Wasser bewegen sie sich mit Paddelbewegungen ihrer Füße fort. Bei Auftauchpausen erscheinen nur ihre langen Hälse über der Oberfläche. Im Flug bewegen sich Zwergscharben mit langgestreckten Hälsen und stetig schlagenden Flügeln.

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Ei (Sammlung Museum Wiesbaden)

Sie brütet in Bäumen oder im Schilf und bildet Kolonien, die aus mehreren zehn oder hundert Vögeln bestehen können. Ihre Eier sind grünlichweiß und haben eine Größe von 60x36 mm. Die Jungvögel verlassen das Nest bereits, bevor sie im Alter von etwa zehn Wochen die Flugfähigkeit erlangen.

Zwergscharben und Seidenreiher (Egretta garzetta) in der Lagune von Venedig

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet der Zwergscharbe erstreckt sich vom Osten des Mittelmeergebiets über Kleinasien bis nach Usbekistan. In Nord-Afrika, wo diese Art ursprünglich ebenfalls vorkam, ist sie dagegen verschwunden.

Die Zwergscharbe ist vor allem in Südosteuropa beheimatet, sie ist ganzjährig in der Lagune häufig anzutreffen wie z.B. Karavasta, an dem gesamten Donaudelta und in einigen fischreichen Seen. Sie benötigt Binnengewässer mit dichtem Uferbewuchs wie etwa Schilf oder Auwald und ist auf Seen, Altwasserarmen, in Sümpfen sowie an flachen Steppenseen anzutreffen. Im Winter sind die Vögel auch an der Meeresküste zu sehen und können dann in großen Trupps auftreten. Zwergscharben bevorzugen Stillgewässer und mildes Klima.

Bestand und Bestandsentwicklung[Bearbeiten]

Der europäische Brutvogelbestand wird auf 28.000 bis 38.000 Brutpaare geschätzt. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt in Rumänien und Aserbeitschan. Weitere größere Populationen finden sich im europäischen Teil Russlands, in Griechenland und der Türkei. Mitteleuropa liegt am nordwestlichen Rand des Verbreitungsareals. Die Zwergscharbe hat sich hier in den letzten Jahren wieder in Ungarn angesiedelt, ferner gab es Neuansiedlungen in der Slowakei. Der europäische Winterbestand wird auf 63.000 bis 115.000 Individuen geschätzt.[1]

In Ungarn brüteten 2001 wieder mehr als 200 Brutpaare. Derzeit breitet sich die Zwergscharbe insbesondere entlang der Theiß und der Donau wieder nach Norden aus. Sie profitiert dabei möglicherweise von der Eutrophierung der Gewässer und einer dadurch bedingten Zunahme der Weißfischbestände. In Bulgarien gab es im Jahr 2000 die größte Winteransammlung dieser Art mit 11.905 Individuen, und mittlerweile gibt es auch in Bulgarien wieder 250 Brutpaare. In Österreich erfolgten erste Brutansiedlungen im Jahres 2003.[2]

Belege[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Günther Bauer, Einhard Bezzel und Wolfgang Fiedler (Hrsg): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 1: Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Aula-Verlag Wiebelsheim, Wiesbaden 2005, ISBN 3-89104-647-2

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Bauer et al., S. 240
  2. Bauer et al., S. 240