Zytomegalievirus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zytomegalievirus
Cytomegalovirus 01.jpg

Zytomegalievirus-Infektion der Lunge

Systematik
Reich: Viren
Ordnung: Herpesvirales
Familie: Herpesviridae
Unterfamilien: Betaherpesvirinae
Gattung: Cytomegalovirus
Art: Humanes Zytomegalievirus
Taxonomische Merkmale
Genom: dsDNA linear, unsegmentiert
Baltimore: Gruppe 1
Symmetrie: ikosaedrisch
Hülle: vorhanden
Wissenschaftlicher Name
Human Herpesvirus 5 (engl.)
Taxon-Kurzbezeichnung
CMV, HHV-5
Links

Das Zytomegalievirus (ZMV) oder Cytomegalievirus (CMV), korrekt als Humanes Cytomegalievirus (HCMV) oder Humanes Herpes-Virus 5 (HHV 5) bezeichnet, ist ein behülltes, doppelsträngiges DNA-Virus (dsDNA), gehört zur Familie der Herpesviridae und ist weltweit verbreitet. Die Übertragung erfolgt über den Speichel, Urin, Spermasekrete sowie bei der Bluttransfusion.

Besondere Merkmale[Bearbeiten]

Schematischer Aufbau des Virus.

Das Virus hat einen Gesamtdurchmesser von etwa 200 Nanometern und sein Genom besteht aus einer linearen, doppelsträngigen DNA von rund 230.000 Basenpaaren, die 151 verschiedene Gene kodieren.[1] Sein aus verschiedenen Kapsomeren aufgebautes ikosaedrisches Kapsid wird von einer Lipidmembran umgeben. Diese Virushülle enthält sechs Glykoproteine, gegen die der Wirtsorganismus Antikörper bilden kann. Die Membranhülle ist auch der Grund, dass das Virus außerhalb des Organismus nur kurze Zeit überdauern kann und leicht austrocknet. Außerdem ist das Virus gegenüber Ethanol, Lösungsmitteln, Detergentien und Säuren sehr empfindlich.[2]

Kennzeichnend für dieses Virus ist – wie auch für alle anderen Arten der Unterfamilie Betaherpesvirinae – ein enges Wirtsspektrum und ein auffällig langsamer Vermehrungszyklus. Die infizierten Zellen sind in der Regel stark vergrößert (Zytomegalie – im Sinne von Riesenzellbildung), weshalb das Virus auch so benannt wurde.

Verbreitung[Bearbeiten]

Das humane Zytomegalievirus ist weltweit allgemein (ubiquitär) verbreitet, die Durchseuchung beträgt abhängig vom Lebensstandard 30 bis 90 %.[3]

Infektionsfolgen[Bearbeiten]

Das Virus verursacht beim Menschen die Zytomegalie. Die Erstinfektion mit dem humanen cytomegalievirus verläuft in 99 % der Fälle ohne oder nur mit geringen Krankheitssymptomen. Das Leitsymptom ist dabei hohes, manchmal wochenlang anhaltendes Fieber mit typischerweise erhöhten Leberwerten. Lebensbedrohende Komplikationen wie eine Myokarditis, Thrombozytopenie oder Pneumonie sind beim Immunkompetenten selten, sodass keine antivirale Therapie begonnen werden muss. Bei immunsupprimierten Patienten jedoch kann eine HCMV-Neuinfektion oder eine HCMV-Reaktivierung zu schwerwiegenden Problemen führen. Es kann zu einer HCMV-assoziierten Kolitis mit Diarrhoen kommen, bei nierentransplantierten Menschen kann eine manifeste HCMV-Reaktivierung zu einer Transplantats-Funktionsverschlechterung und womöglich sogar zum Verlust des Transplantates führen. Bei 30 % der AIDS-Patienten, die keine hochaktive antiretrovirale Therapie erhalten, befällt das Virus die Netzhaut und führt zum Erblinden.

Die Infektion mit dem Humanem Cytomegalievirus ist außerdem mit Bluthochdruck und Arteriosklerose assoziiert.[4]

Diagnostik[Bearbeiten]

Serologie zur Statusbestimmung: IgG, IgM, Komplementbindungsreaktion (KBR) – hauptsächlich hier zum Nachweis von IgG Antikörper, Virämienachweis pp65 (Phosphoprotein 65 des HCMV), HCMV-IEA (durch das HCMV ausgelöste Erythrozytenabnormalität [Inherited Erythrocyte Abnormality]), quantifizierte nPCR (nested Polymerase Kettenreaktion). Die normale PCR ist mit über 25 % falsch positiver Befunde im Grunde wertlos.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Genomdatenbank des NCBI
  2. Heike Jennert: Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR) zum Nachweis des humanen Cytomegalievirus (PDF; 1,4 MB), S. 7–8.
  3. Klaus Miksits, Helmut Hahn: Basiswissen Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. 3. Auflage. Springer, Berlin 2007. ISBN 3-540-01525-6
  4. Beth Israel Deaconess Medical Center: High Blood Pressure Could Be Caused By A Common Virus, Study Suggests. In: ScienceDaily. vom 16. Mai 2009, Zugriff am 26. Mai 2009.

Weblinks[Bearbeiten]