A-135 ABM-System

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Der A-135 oder das ABM-3-Anti-Ballistic-Missile-System (DIA-Code ABM-4, NATO-Codename SAM-4) ist ein russischer militärischer Komplex zur Raketenabwehr. Die Anlage befindet sich rund um Moskau und soll die Stadt und ihr Umland vor angreifenden ballistischen Raketen schützen. A-135-ABM-System ist das Nachfolgesystem des A-35 ABM-Systems aus den frühen 1970er-Jahren.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Radar bei Petschora
Don-2N ("Pill Box") und 53T6-Abfangrakete bei Puschkino

Das A-135-System war am 17. Februar 1995 voll einsatzbereit. Es ist konform mit dem heute nicht mehr bestehenden ABM-Vertrag von 1972 und stellt das russische Äquivalent zu dem US-amerikanischen Safeguard-System aus den 1970er-Jahren dar.

Das ABM-3-System brachte gegenüber dem ABM-1 Galosch erhebliche Neuerungen, so wurde ein Phased-Array-Radar und zwei verschiedene Typen von Abfangraketen, für exo- und endoatmosphärischen Einsatz, verwendet. Die Raketen befinden sich in Raketensilos, um sie vor Nuklearwaffenexplosionen zu schützen.

Die exoatmosphärischen Abfanglenkwaffen sind 51T6 (NATO-Codename: SH-11 Gorgon), die endoatmosphärischen 53T6 (NATO-Codename: SH-08 Gazelle). Mitte der 1990er Jahre wurden Überlegungen angestellt, die ABM-Raketen mit konventionellen Splittergefechtsköpfen auszustatten, nachdem Experten prognostizierten, dass schon eine einzelne nukleare Explosion über Moskau ein Gebiet von 200 km² radioaktiv kontaminieren würde.[1] So wurden die 51T6 Langstreckenlenkwaffen im Jahr 2003 ausgemustert. Ab dem Jahr 2018 werden die 53T6 Kurzstreckenraketen, die als 53T6M bezeichnet werden, mit konventionellen Gefechtsköpfen ausgestattet und in das bestehende System integriert. Sie sind, neben den nuklearen Sprengköpfen innerhalb der nahen Erdumlaufbahn, auch in der Lage, sonstige Objekte in Hyperschallgeschwindigkeit zu treffen. Neben den eigentlichen Raketen werden alle elektronischen Komponenten des A-135 ABM-Systems durch moderne Aggregate, aus russischer Produktion, ersetzt.[2]

Bestandteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Radars Daryal
51Т6-Rakete im Transportbehälter auf Basis eines MAZ-547A
  • 68 der 53T6 und 53T6M endoatmosphärischen Kurzstrecken-Abfanglenkwaffen, die aus zwei Raketenstufen bestehen und eine Reichweite von etwa 100 Kilometern erreichen können, sind Anfang des Jahres 2018 im einsatzbereiten Zustand.[3] Dieser Raketentyp ist mit einem Nuklearsprengkopf zu 10 kT ausgestattet. Die 53T6-Raketen sind den US-amerikanischen Sprint-Raketen ähnlich.
  • ABM-3 Phased-Array-Kurzstrecken-Radar, das die „Try Add“-Radarantennen in Moskau ersetzte. Es ähnelt dem US-amerikanischen Safeguard-Radar, wird aber als weniger leistungsfähig angenommen. Der Radarkomplex dient zur Gefechtsführung und Feuerleitung der 51T6 Flugkörper.
  • Das Langstrecken-Phased-Array-Radar Don-2N (NATO-Codename: „Pill Box“) in Puschkino mit 360°-Abdeckung. Es ergänzt das mittlerweile abgebaute Dunay-2 („Dog House“) und das ältere Dunay-3U (NATO-Codename: „Cat House“) Radarsystem. Dieser Radarkomplex dient zur Gefechtsführung und Feuerleitung der 53T6 Abfangraketen.
  • Frühwarn-Phased-Array-Radar in Petschora, das die Hen House Radarsysteme ergänzt. Die Stationierung begann ab Mitte der 1980er Jahre an zwei Standorten für das System 51T6 und fünf Standorten für das System 53T6. Die offizielle Inbetriebnahme des A-135 ABM Systems erfolgte 1995.

Ausgemusterte Version

  • 16 der 51T6 exoatmosphärischen Langstrecken-Abfanglenkwaffen, bestehend aus drei Raketenstufen, die eine geschätzte Reichweite von 400 bis 500 Kilometern erreichen. Sie sind geringfügig kleiner als die Galosch-Abfanglenkwaffen und besitzen einen Nuklearsprengkopf von 100 kT. Dieser Lenkwaffentyp wurde 2003 ausgemustert.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. A-135 / ABM-3. In: www.globalsecurity.org. Abgerufen am 10. Juli 2015.
  2. Николай Сурков/Алексей Рамм: Москва получит новую противоракетную защиту. In: www.iz.ru. Abgerufen am 23. Februar 2018.
  3. The International Institute for Strategic Studies (IISS): The Military Balance 2018. 1. Auflage. Routledge, London 2018, ISBN 978-1-85743-955-7, S. 193 (englisch, Stand: Januar 2018).
  4. The Military Balance 2017, S. 211 (Januar 2017)