Abū l-Aswad ad-Duʾalī

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Abū l-Aswad ad-Duʾalī (arabisch ‏أبو الأسود الدؤلي‎, Nasabظالم بن عمرو بن سفيان بن جندل‎ / Ẓālim b. ʿAmr b. Sufyān b. Ǧandal; selten auch Duʾilī; * um 603; † 688 in Basra im Alter von 85 Jahren[1]) war ein arabischer Lexikograf, Koranleser und Grammatiker. Manche Quellen[2], insbesondere mittelalterliche arabische Schreiber[1], bezeichnen ihn als ersten Grammatiker des Arabischen.

Einflüsse und Werk[Bearbeiten]

Er folgte im Wesentlichen der Lesart des Abū Mūsā al-Aschʿarī[3], als dessen Schüler er manchmal bezeichnet wird.[4] Ebenso soll ad-Duʾalī bei Abū n-Nudschaid ʿImrān ibn al-Husain al-Chuzāʿī gelernt haben[5], Schiiten nennen auch ʿAlī ibn Abī Tālib als ad-Duʾalīs Grammatik-Lehrer.[1]

Durch Kontakte zwischen Arabern und Nichtarabern sollen im 7. Jahrhundert mehr und mehr grammatikalische Fehler, auch unter Arabern, aufgetreten sein. ad-Duʾalī sah darin eine Veranlassung eine Grammatik zu verfassen, um den korrekten Gebrauch der Sprache festzulegen – dies betraf nicht zuletzt auch den Koran. Diese neue Wissenschaft wurde zu Beginn bloß ‏العربية‎ / al-ʿarabīya / ‚Arabisch‘ genannt, später ‏النحو‎ / an-naḥw / ‚Methode, Grammatik‘.[6] Hauptsorgen ad-Duʾalīs waren dabei die fehlende Unterscheidbarkeit einiger Zeichen (rasm) und das Fehlen von Zeichen zur Vokalisierung in der arabischen Orthographie jener Zeit und außerdem die Kasusendungen.[7] John A. Haywood erkennt in ad-Duʾalīs Werk sowohl eine religiöse Notwendigkeit als auch eine für die Herrschaft.[8] Manche Autoren sehen in ad-Duʾalī den Entwickler der Vokalpunkte.[9]

Er war Lehrer des Yahyā ibn Yaʿmar[10] und Nasr ibn ʿĀsim al-Laithī, die beide ad-Duʾalīs Grammatik und Punktierungsmethode übernahmen und weiterführten. Nasr wurde bisweilen sogar selbst ad-Duʾalī genannt.[11]

Abseits der Wissenschaft[Bearbeiten]

ad-Duʾalī soll bei der Schlacht von Siffin an der Seite ʿAlī ibn Abī Tālibs gekämpft haben[1], als dessen enger Gefolgsmann er gilt. Das arabische Sprichwort ‏الجار قبل الدار‎ / al-ǧāru qabla d-dār / ‚der Nachbar vor dem Haus‘ soll von ad-Duʾalī stammen, der in Streit mit einem Nachbarn war und schließlich sein Haus verkaufte.[12]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d John A. Haywood: Arabic lexicography: its history, and its place in the general history of lexicography. Brill Archive, 1960. S. 11
  2. Sebastian Eissenhauer: Relativsätze im Vergleich: Deutsch - Arabisch. Mehrsprachigkeit, Band 6. Waxmann Verlag, 1999. ISBN 3-89325-710-1; S. 23
  3. Omar Hamdan: Studien zur Kanonisierung des Korantextes: al-Ḥasan al-Baṣrīs Beiträge zur Geschichte des Korans. Diskurse der Arabistik, Band 10. Otto Harrassowitz Verlag, 2006. ISBN 3-447-05349-6; S. 199
  4. Omar Hamdan: Studien zur Kanonisierung des Korantextes: al-Ḥasan al-Baṣrīs Beiträge zur Geschichte des Korans. Diskurse der Arabistik, Band 10. Otto Harrassowitz Verlag, 2006. ISBN 3-447-05349-6; S. 12
  5. Omar Hamdan: Studien zur Kanonisierung des Korantextes: al-Ḥasan al-Baṣrīs Beiträge zur Geschichte des Korans. Diskurse der Arabistik, Band 10. Otto Harrassowitz Verlag, 2006. ISBN 3-447-05349-6; S. 15
  6. Mahdi Alosh: Using Arabic: a guide to contemporary usage. Cambridge University Press, 2005. ISBN 0-521-64832-7; S. 13
  7. C. H. M. Versteegh: Greek elements in Arabic linguistic thinking. Studies in Semitic languages and linguistics, Band 7. BRILL, 1977. ISBN 90-04-04855-3; S. 6
  8. John A. Haywood: Arabic lexicography: its history, and its place in the general history of lexicography. Brill Archive, 1960. S. 16
  9. Thomas Patrick Hughes: A Dictionary of Islam: Being a Cyclopædia of the Doctrines, Rites, Ceremonies, and Customs, Together With the Technical and Theological Terms, of the Muhammadan Religion. Allen, 1885
  10. Fuat Sezgin: Geschichte Des Arabischen Schrifttums, Band 1. BRILL, 1997. ISBN 90-04-02007-1; S. 5
  11. Omar Hamdan: Studien zur Kanonisierung des Korantextes: al-Ḥasan al-Baṣrīs Beiträge zur Geschichte des Korans. Diskurse der Arabistik, Band 10. Otto Harrassowitz Verlag, 2006. ISBN 3-447-05349-6; S. 143f
  12. John A. Haywood: Arabic lexicography: its history, and its place in the general history of lexicography. Brill Archive, 1960. S. 15f