Akebu (Volk)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Akebou)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Akebu (auch Akebou oder Kebu genannt) sind ein Volk im Gebirge des südlicheren Mitteltogo. Sie gehören, wie die Akposso, die Adele und andere zu den sogenannten Togo-Restvölkern.

Die Akebu halten sich selbst für Autochthone und nennen sich Egbetebe. Ihr Urdorf heißt Kesengbe unweit von Kougnohou (Hauptort des Cantons Akebou in Togo). Dort steht ein sehr altes Lehmhaus, das als erstes Haus der Vorfahren erhalten wird. Diese sollen an einem Seil vom Himmel herabgestiegen sein, sagen die Akebu.

Rund um das „Urhaus“ in Kesengbe wurden im Jahre 1988 polierte kleine Steinbeile am Boden liegend beobachtet. Das Haus schien bei einem Besuch 2014 in der alten Form nicht mehr zu existieren. In der Nähe stehen noch einige kleine Häuser, die aus kultischen Gründen nur mit einer Pagne, einem traditionellen afrikanischen Gewand bekleidet (und barfuß) betreten werden dürfen. Das dazugehörige Dorf Kesengbe 1988 noch gleich nebenan gelegen ist heute ein Stück weiter neu gebaut worden.

Die meisten Akebu dürften ihrer ursprünglichen afrikanischen Religion angehören. Es gibt Götter („Fetische“) und männliche und weibliche Priester. Diese werden von den Göttern berufen. Einige Akebu sind Protestanten, manche auch Katholiken; erste Missionierungssbemühungen fanden in der deutschen Kolonialzeit statt. Neuerdings versuchen Sekten, auch Evangelikale, sie zu christianisieren.

Siedlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Akebu bauten früher meist runde Häuser mit Holzständern und Lehmwänden. Dazwischen errichten sie kleine Speicherbauten. Die runde Bauweise der meisten Häuser unterscheidet sich deutlich von der eckigen Bauweise z. B. der Ewe in Togo. Heute wird immer mehr der rechteckige Hausbau übernommen.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Akebu sind überwiegend Bauern und bauen Mais, Yams, Maniok, Taro, Fonio (eine Hirseart), Bananen, Bohnen, Auberginen, Paprika, Erdnüsse und vieles andere an. Sie züchten Ziegen, Schafe, Hühner und Schweine. Rinder lassen sie von den Peul, einem nomadisch lebenden Hirtenvolk, züchten und hüten. Die Akebu vertragen keine Milch und essen auch keinen Käse oder andere Milchprodukte.

Im Gebiet um Dzakpodzi (Djakpedji), eine Wegstunde zu Fuß von Kesengbe entfernt, und Kesengbe sind überall Schlackehaufen zu beobachten, die wohl von früherer Verhüttungstätigkeit zeugen.

Gesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Akebu finden sich Spuren matrilinearer Organisation. Heute überwiegen patrilineare Züge.

Früher heiratete ein Mädchen immer in eine andere Akebu-Sippe ein, und diese sandte dann bei passender Gelegenheit ein Mädchen als Braut zurück in die erste Sippe. Der Brauch wird heute oft nicht mehr beachtet. Es gibt auch Mischehen mit Angehörigen anderer Völker Togos.

In Dzakpodzi sind Kpelle eingewandert, die mit den Ewe verwandt sein sollen. Diese hatten die Akebu um Land und um die Erlaubnis gebeten, sich niederzulassen, die ihnen gewährt wurde. Im Jahre 2017 haben diese gewaltsam mehr Land beansprucht, kurzerhand einen ihrer Toten auf Akebuland beerdigt und protestierende Akebu bedroht.

Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Akebu (die Akebu nennen die Sprache Kögbörikö) ist noch keine Schriftsprache. Neuerdings wollen Evangelikale ein an die Akebu-Sprache angepasstes lateinisches Schriftsystem einführen. Ein Wörterbuch Deutsch/Akebu ist zu Beginn der 1980er-Jahre an der Universität Saarbrücken im Rahmen einer Examensarbeit von Yao Koffi erstellt worden. Es wurde nicht veröffentlicht. Eine Art Glossar wurde von einem Deutschen namens Wolf während der deutschen Kolonialzeit erstellt. Die Zugehörigkeit des Akebu zu einer Sprachfamilie ist nicht abschließend geklärt.

Quellen / Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Angehörige des Akebou-Volks, insb. Simon (Kodzo Kpegbadza) Abbey, geb. 1952 in Badou/Togo
  • Franz Wolf: Grammatik des Kögbörikö (Togo). In: Anthropos. Band 2, Nr. 3, 1907, S. 422–437, 795 ff., doi:10.2307/40442207.
  • Kebu. In: Heinrich Schnee (Hrsg.): Deutsches Kolonial-Lexikon. Band II. Quelle & Meyer, Leipzig 1920, S. 258 (uni-frankfurt.de).
  • Robert Cornevin, Le Canton de l'Akebou, Etudes Dahoméens, VI, 81-132
  • Hans W. Debrunner, Gottheit und Urmensch bei den Togo Restvölkern, Anthropos 63,64, 1968/69, 552, 556
  • Bernd Heine, Die Verbreitung und Gliederung der Togorestsprachen, 1968
  • Curt von Francois, Ohne Schuß durch dick und dünn, Hrsg. Götz von Francois, Idstein 1972, 65-69
  • Komla-Obuibé Bassa, Genèse et transformation d'une institution politique colonial, Journal des anthropologues 104-105, 2006, 109ff.
  • Edinam Kola, Enclavement et marginalité du pays Akébou dans l'ouest de la région des Plateaux aux Togo, Revue de Géographie Tropical et d'Environnement 2, 2010
  • Nicoué Gayibor (Hrsg.), Histoire des Togolais. Des origines aux années 60. Tome 1. De l' histoire de l'origine à l'histoire du peuplement (2011) 248ff.