Aktion Regen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Aktion Regen ist ein gemeinnütziger, parteipolitisch unabhängiger und überkonfessioneller Verein für Entwicklungszusammenarbeit. Er wurde 1989 von der Wiener Frauenärztin und Entwicklungshelferin Maria Hengstberger gegründet. Der Verein finanziert sich zum größten Teil durch Spenden und trägt das Österreichische Spendengütesiegel.

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigsten Ziele sind die Reduktion der Mütter- und Kindersterblichkeit, die Reduktion von Armut sowie die Förderung von Frauenempowerment in Entwicklungsländern. Diese Ziele möchte Aktion Regen durch Aufklärungstätigkeit in den Bereichen Familienplanung, reproduktive Gesundheit, Mutter-Kind-Gesundheit, FGM (weibliche Genitalverstümmelung) und HIV/AIDS-Prävention erreichen. Dafür entwickelt Aktion Regen wirtschaftlich und kulturell angepasste Methoden zu Familienplanung und HIV/Aids-Prävention auch für Menschen mit weniger Chancen auf Bildung und geringen finanziellen Mitteln oder eingeschränktem Zugang zu Verhütungsmitteln.

Rain Worker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter der fachärztlichen Leitung von Maria Hengstberger bildet der Verein in mehreren Entwicklungsländern unter dem Motto „Education – Motivation – Innovation“ lokale Multiplikatoren zu sogenannten „Rain Workern“ aus. Dabei handelt es sich vorwiegend um lokale Mitarbeiter von NGOs, die bereits im sozialen Bereich tätig sind. Sie haben Zugang zu den Menschen in ihrem Land und fungieren als kulturelle Brückenbauer. Mit Hilfe von neu entwickelten Aufklärungstools der Aktion Regen geben sie ihr erworbenes Wissen an die Leute, mit denen sie täglich in ihren Sozialberufen zu tun haben, weiter.

Die zweistufigen Ausbildungsworkshops zum Rain Worker werden ehrenamtlich von österreichischen Ärzten und Pädagogen abgehalten. Der Inhalt dieser Workshops ist in der Mappe Knowledge as a Chance in englischer Sprache zusammengefasst. Aktion Regen vermittelt, wie man aufklärt, motiviert und neue Methoden der Familienplanung praxisgerecht einsetzt und Erkrankungen und Komplikationen in Verbindung mit Schwangerschaft und Geburt vorbeugen kann.

Themen der Ausbildung:

  • Einführung ins Thema, Wichtigkeit und Aktualität (ökonomische Situation, Bevölkerungsentwicklung, UN-Millenniums-Entwicklungsziele)
  • Was ist Familienplanung und warum ist sie wichtig? Was heißt Verantwortung für ein Kind?
  • Körper, Fruchtbarkeit und Bewusstseinsbildung darüber
  • Schwangerschaft, frühe und/oder ungewollte Schwangerschaft, Mutter-Kind-Gesundheit
  • Gefahren unsicherer Abtreibungen
  • Alle Arten der Verhütung – natürlich, hormonell, nicht hormonell
  • Sexuell übertragbare Krankheiten und HIV/Aids-Prävention
  • FGM (Weibliche Genitalverstümmelung), sexuelle Gewalt, sexueller Missbrauch
  • Zusammenhang von Körper und Geist, psychische Gesundheit

In den Workshops erlernen die zukünftigen „Rain Worker“ neben dem Wissen zu diesen Themen auch Fähigkeiten, um die Informationen anschaulich weiterzugeben. Aktion Regen legt besonderen Wert darauf, die Rain Worker dazu zu befähigen, die Diskussion mit der Bevölkerung zu führen und die Menschen zu verantwortungsbewusstem, selbstständigem Handeln zu motivieren.

Aufklärungstools[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Neuentwicklung leicht verständlicher Lehrbehelfe, der Aufklärungstools, bringt Aktion Regen Wissen in Form, wodurch es leichter an die Menschen zu vermitteln ist.

Babykette[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geburtenkontrollkette

Die Babykette ist ein einfacher Zykluskalender in der Form einer Halskette und dient vor allem der Basisaufklärung von Menschen mit wenig Zugang zu Bildung. Als einfachen Unterrichtsbehelf gibt es dazu das „Babyposter“ mit einem Text zum Vorlesen, der die Kette erklärt. Maria Hengstberger entwickelte die Kette unter dem Namen „Geburtenkontrollkette“ 1989 in Äthiopien gemeinsam mit dort lebenden Frauen und passte sie an deren Wünsche und Bedürfnisse an. 1995 gelangte die Kette über Vermittlung der „Pastoral des Kindes“ in Brasilien zur Georgetown University in den USA, die auf dieser Basis die wissenschaftlich fundierte „Standard Days Method“ entwickelte und die modifizierte Kette seit Mitte 2002 marken- und patentgeschützt als „CycleBeads“ verbreitet. Aktion Regen gestaltet aktuell die Perlen für die fruchtbaren Tage in einer an Babys erinnernden Form, um die Verständlichkeit zu fördern. Daher der neue Name „Babykette“.

Little Mom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieses Gebärmuttermodell aus Stoff mit einem Püppchen erleichtert die Aufklärungsarbeit. Das Modell zeigt die inneren Geschlechtsorgane der Frau. Schwangerschaftsverhütende Methoden wie Durchführung einer Sterilisation, Einsetzen eines Diaphragmas oder das Einlegen einer Spirale in die Gebärmutterhöhle sind damit leicht zu erklären.

Die Mutterschutzuhr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Voraussetzung einer gesunden Mutterschaft ist die Kenntnis über eine medizinisch dringend notwendige Erholungsphase zwischen den Geburten. Aus gesundheitlichen Gründen sollte zwischen der Geburt eines Kindes und der Empfängnis eines weiteren Kindes ein Abstand von mindestens 18 Monaten, besser mehr, unbedingt eingehalten werden. Die Mutterschutzuhr zeigt leicht verständlich die Phasen einer gesunden Mutterschaft auf: Schwangerschaft, Geburt, Stillphase mit Empfängnisschutz und Phase ohne sicheren Schutz vor einer nächsten Schwangerschaft. Die Frau selbst hat die Möglichkeit, die Mutterschutzuhr als Kalender zu verwenden, in dem sie monatlich das Gummiband der Karte um eine Kerbe weiterzieht. Ist der symbolische Vollmond auf der Karte blau (wie die Farbe der fruchtbaren Tage auf der Babykette), so ist eine Empfängnis bereits wieder möglich, sollte aber unbedingt noch vermieden werden.

Girl’s Diary[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Girl’s Diary bietet jungen Mädchen die Möglichkeit, den eigenen Zyklus einer Vorlage entsprechend zu beobachten, zu vergleichen und sich drei Monate lang gewohnheitsmäßig damit zu beschäftigen. Die erste Broschüre dieser Art in deutscher Sprache mit dem Namen 28 Days wurde in Zusammenarbeit mit den österreichischen Schulärzten im März 2013 veröffentlicht und wurde aufgrund des großen Interesses zwei Mal nachgedruckt.[1]

Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein engagiert sich in mehreren Entwicklungsländern. Seit ihrer Entstehung führte Aktion Regen fünf Projekte zum Bau von Gesundheitsstationen durch: in Ruanda im Dorf Rurenge, in Äthiopien in der Awash-Region in Kooperation mit CARE Österreich, in Mexiko in Chimalhucán im Rahmen des Sozialprojekts „Centro Comunitario San Martin de Porres“, in Nicaragua in Managua sowie in Nordindien in Shidbari gemeinsam mit der Partnerorganisation Nishtha.

Neben Projekten wie der Aktion „Wärme für Sibirien“ spezialisierte sich der Verein mehr und mehr auf die Aus- und Weiterbildung im medizinischen Bereich. Schwerpunkt liegt mittlerweile auf der Ausbildung von „Rain Workern“. Projekte dazu laufen in Zusammenarbeit mit mehreren Partnerorganisationen in Kenia, Äthiopien, Tansania sowie Ruanda.

Spenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um finanzielle Mittel zu gewinnen, hält Maria Hengstberger österreichweit gynäkologische Vorträge für Laien und bietet in der halbjährlich erscheinenden Spenderzeitung Initiative[2] praxisgerechte medizinische Informationen nach dem Motto „Biete Wissen gegen Spende“. Seit dem 27. Oktober 2011 sind Spenden an Aktion Regen steuerlich absetzbar. Der Verein trägt das Österreichische Spendengütesiegel, das den ordnungsgemäßen Umgang mit Spenden garantiert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Maria Hengstberger: Wasser an die Wurzeln. Tagebuch. Als Ärztin in Äthiopien. Verein f. Entwicklungshilfe „Aktion Regen“, Wien 1990, ISBN 3-901145-00-1.
  • Maria Hengstberger: Mein Weg durch Indien: Reisetagebuch. Familienplanung für die Dritte Welt. Verein für Entwicklungshilfe „Aktion Regen“, Wien 1993, IDN 955005175.
  • Maria Hengstberger: Gynäkologie von Frau zu Frau. Fragen, Antworten und Ratschläge. 2., überarb. Aufl., Springer, Wien, New York 2007, ISBN 978-3-211-70832-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Broschüre 28 Days
  2. Zeitschrift Initiative