Alla turca

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Alla turca (italienisch „auf türkische Art“) ist ein Kompositionsstil und eine musikalische Vortragsbezeichnung, die in der Regel als Titelergänzung gebraucht wird und fordert, dass ein Musikstück nach dem Vorbild der türkischen Janitscharenmusik gespielt werden soll. Die Janitscharenmusik ist ein im 14. Jahrhundert im Osmanischen Reich eingeführter Militärmusikstil, der in den folgenden Jahrhunderten durch die Türkenkriege und durch den Aufenthalt französischer und türkischer Diplomaten in den jeweiligen Gastländern ab den 1540er Jahren auch in Mittel- und Westeuropa bekannt wurde.

Ein bekanntes Beispiel ist Mozarts Rondo alla turca aus der Klaviersonate Nr. 11 KV331. Weitere Alla-turca-Kompositionen finden sich in Glucks Iphigénie en Tauride, Mozarts Die Entführung aus dem Serail, Haydns Militärsymphonie, Beethovens Wellingtons Sieg sowie bei Wenzel Matiegka (in dessen Opus 3), Louis Berger (Alla Turca per il Piano-Forte op. 8), Frederik Foersom (1805–1854; Rondo à la turca) und Andreas Romberg (Sinfonia alla turca op. 51).

In der türkischen Kunstmusik stehen alafranga und alaturca für ein Gegensatzpaar, mit dem bis Anfang des 20. Jahrhunderts die Musik nach ihrer Herkunft klassifiziert wurde. Alafranga (von italienisch alla franca, „nach Art der Europäer“) bezeichnet die auf der abendländischen Musik basierenden Spielweisen und alaturca die Stile der türkischen Volksmusik.[1]

In Ungarn hat sich die Vorliebe für als „türkisch“ verstandene Musik im alten Volkstanz törökös (ungarisch für alla turca) erhalten. Törökös ist ein Maskentanz, der auf Rhythmen und Melodien von Kompositionen aus dem 18. Jahrhundert basiert. Die älteste bekannte Notenschrift eines törökos-Stücks stammt aus dem Jahr 1786 und trägt den Titel Turcie.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Gradenwitz: Musik zwischen Orient und Okzident. Eine Kulturgeschichte der Wechselbeziehungen. Heinrichhofen’s Verlag, Wilhelmshaven 1977, S. 177–242
  • Wilibald Gurlitt, Hans Heinrich Eggebrecht (Hrsg.): Riemann Musiklexikon. Sachteil. 12. Auflage. B.Schott’s Söhne, Mainz 1967, S. 26.
  • Jürgen Libbert: Ein unbekanntes Werk des böhmischen Gitarristen Wenzel Matiegka. Mit einem historisch-biographischen Abriß und einem Werkverzeichnis. In: Gitarre & Laute 1 (1979), 5, ISSN 0172-9683, S. 14–24; hier: S. 22 f.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Svanibor Pettan: The alaturka-alafranga Continuum in the Balkans: Ethnomusicological Perspectives. In: Božidar Jezernik: Imagining ‘the Turk’. Cambridge Scholars, Newcastle upon Tyne 2010, S. 179–194, ISBN 978-1-443-81663-2
  2. Peter Gradenwitz, 1977, S. 233