Arthur Goldschmidt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Arthur Goldschmidt (* 30. April 1873 in Berlin; † 9. Februar 1947 in Reinbek) war ein deutscher Jurist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arthur Goldschmidt wuchs in einer assimilierten jüdischen Familie auf und wurde 1889 evangelisch getauft. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und der Promotion erlangte Goldschmidt eine Richterstelle im Hamburger Staatsdienst und stieg bis zum Oberlandesgerichtsrat in Hamburg auf. Während der Weimarer Republik lehnte Goldschmidt zweimal eine Berufung an das Reichsgericht in Leipzig ab, die Familie wollte in Reinbek bleiben. Dort saß er außerdem als Vertreter der nationalliberalen Deutschen Volkspartei im Gemeinderat.

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 erfolgte die Entlassung Goldschmidts aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. In den folgenden Jahren arbeitete er als Kunstmaler, bis dahin war die Malerei sein Hobby gewesen.

Die Verfolgungspolitik der Nationalsozialisten schätzte Goldschmidt bald realistisch ein. Seine beiden Söhne Jürgen-Arthur und Erich schickte er 1938 ins Ausland, die Söhne sahen ihre Eltern nie wieder. Einen Monat nach dem Tod seiner Frau Toni Katharina-Maria Jeanette, genannt Kitty, geborene Horschitz, im Juni 1942, wurde Arthur Goldschmidt in das Ghetto Theresienstadt deportiert.

Aus einem Andachtskreis Hamburger Deportierter um Goldschmidt herum entstand nach und nach eine evangelische Gemeinde im KZ Theresienstadt. Trotz hoher Sterblichkeit und ständiger Transporte nach Auschwitz wuchs die Gemeinde auf einen Kern von etwa 800 eingeschriebenen Mitgliedern. Die Gottesdienste wurden an Feiertagen von mehreren hundert Menschen besucht.

Nach dem Krieg und der Befreiung kehrte Goldschmidt nach Reinbek zurück. Er wurde 1945 für die CDU Gemeindevertreter und stellvertretender Bürgermeister in Reinbek und einer der Mitbegründer der Volkshochschule Sachsenwald, bei deren Eröffnungsrede er verstarb.[1]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Goldschmidt porträtierter Mitgefangener Philipp Manes, etwa zwei Monate vor dessen Ermordung (Theresienstadt 1944)
  • Geschichte der evangelischen Gemeinde Theresienstadt. Furche-Verlag, Tübingen 1948.
  • Zahlreiche Zeichnungen erhalten, die er in Reinbek und Theresienstadt anfertigte, und die sich heute im Centre d'Histoire de la Résistance ee de la Déporation in Lyon befinden (Vermächtnis Georges-Arthur Goldschmidt).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933–1945. Die Ausstellung im Landtag 2005. Präsident des Schleswig-Holsteinischen Landtages, Kiel 2006 (Schriftenreihe des Schleswig-Holsteinischen Landtages 7, ZDB-ID 2151694-7).
  • Detlev Landgrebe / Arthur Goldschmidt: Kückallee 37 - Eine Kindheit am Rande des Holocaust. Geschichte der evangelischen Gemeinde Theresienstadt 1942-1945, Herausgegeben von Thomas Hübner, cmz Verlag, Rheinbach 2009, ISBN 978-3-87062-104-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hamburger Abendblatt: Ehre für einen großen Reinbeker