Aus dem Nichts

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Filmdaten
Originaltitel Aus dem Nichts
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2017
Länge 106 Minuten
Stab
Regie Fatih Akin
Drehbuch Fatih Akin,
Hark Bohm
Produktion Nurhan Sekerci, Fatih Akin, Herman Weigel
Musik Josh Homme
Kamera Rainer Klausmann
Schnitt Andrew Bird
Besetzung

Aus dem Nichts ist ein deutscher Thriller von Fatih Akin, der am 26. Mai 2017 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Cannes seine Weltpremiere feierte und im internationalen Wettbewerb um die Goldene Palme konkurrierte.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katja ist mit dem Kurden Nuri Sekerci verheiratet, mit dem sie gemeinsam einen 5-jährigen Sohn hat. Sie leben in Hamburg. Sie hatte Nuri kennengelernt, als sie in ihrer Studentenzeit bei ihm Haschisch gekauft hat. Geheiratet hat sie ihn, als er noch in Haft war, obwohl sowohl seine als auch ihre Eltern gegen die Ehe waren. Ihre Eheringe ließen sich beide auf die Ringfinger tätowieren. Seit ihr Sohn Rocco auf der Welt ist, arbeitet Nuri nicht mehr als Drogenhändler, denn im Gefängnis hat er BWL studiert und betreibt nun in Hamburg ein Übersetzungs- und Steuerbüro.

Nachdem Katja ihren Sohn nachmittags in das Büro ihres Mannes gebracht hat und abends wieder zurückkommt, ist die Straße abgesperrt. Ein Polizist sagt ihr, dass bei einem Anschlag mit einer Nagelbombe ein Mann und ein Kind getötet worden sind. Kurz vor dem Anschlag hatte Katja am Tatort noch eine blonde junge Frau gesehen, die ihr Fahrrad nicht abschließen wollte, obwohl es nagelneu war, und in ihrem Fahrradkorb lag ein schwarzer Behälter. Trotz dieses Hinweises ermittelt die Polizei erst einmal in eine andere Richtung. Sie geht von einem Racheakt unter Drogenhändlern aus, und der zuständige Kommissar fragt Katja zuallererst nach dem Anschlag, ob Nuri Moslem gewesen sei. Nach einer DNA-Analyse, mittels Zahnbürsten, bestätigt sich, dass es ihr Mann und ihr Sohn waren, die bei dem Anschlag ihr Leben verloren.

Die Polizei beginnt ihre Ermittlungen mit der Durchsuchung von Katjas Wohnung und leuchtet Nuris Kontakte aus, weil sie den Verdacht hat, sein kurdischer Hintergrund könnte etwas mit der Tat zu tun haben, und geht von einer Auseinandersetzung verfeindeter ausländischer Organisationen oder von einer persönlichen Rachegeschichte aus. Nachdem sich dieser Ermittlungsansatz als falsch erweist, fasst die Polizei zwei Verdächtige, André und Edda Möller, ein junges Neo-Nazi-Paar mit internationalen Verbindungen, und die Staatsanwaltschaft erhebt gegen die beiden Hauptverdächtigten, aufgrund einer vermeintlich wasserdichten Beweislage, Anklage wegen heimtückischen Mordes.

Bei der späteren Gerichtsverhandlung schildert eine Gutachterin mit wissenschaftlicher Professionalität alle grausamen Details des Bombenanschlags. Katjas Anwalt ist Danilo Fava. Sie trifft bei der Verhandlung auch André Möllers Vater, der an der Tat seines Sohns nicht verzweifelt und sie zu Kaffee und Kuchen einlädt. Die Zeichnungen ihres eigenen Sohnes und der kleine Plastikanker seines Piratenschiffes in der Badewanne erinnern Katja immer wieder an Rocco und Nuri, sie sieht fast keinen Grund zum Weiterleben.

Die Neonazis werden freigesprochen. Katja ermittelt auf eigene Faust weiter, findet die Täter in Griechenland und nimmt Rache, indem sie einen Selbstmordanschlag auf die Täter verübt.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stab und Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regie führte Fatih Akin, der gemeinsam mit Hark Bohm auch das Drehbuch zum Film schrieb. Der Film wurde von bombero international in Koproduktion mit Warner Bros. Film Productions Germany, Macassar Productions, corazón international und Pathé produziert.[1] Für die Recherchen zu Aus dem Nichts hatte Akin mehrere Gerichtsverhandlungen im NSU-Prozess beobachtet.[2] So fuhr Akin zur Vorbereitung dreimal nach München, um am Oberlandesgericht den Prozess gegen Beate Zschäpe mitzuverfolgen.[3] Der Umgang mit den Opfern der rechtsextremen Terrorgruppe bei den Prozessen war für ihn der Auslöser, den Film zu machen[2], und Akin hatte auch die Dialoge im Gericht, das Schweigen des Staatsanwalts und die unbeteiligte Kälte der Angeklagten übernommen.[3] Akin sagt: „Der Skandal bestand nicht darin, dass deutsche Neonazis zehn Menschen getötet hatten. Der eigentliche Skandal bestand darin, dass die deutsche Polizei, Gesellschaft und Medien alle überzeugt waren, dass die Täter Türken oder Kurden sein müssten, dass da irgendeine Mafia hintersteckte.“ Zum inneren Konflikt seiner Protagonistin Katja sagt Akin: „Es gibt die staatliche Justiz und es gibt ein individuelles Gerechtigkeitsgefühl. Und manchmal stoßen die beiden aufeinander. Der Film handelt auch von diesem Clash.“[2]

Akin unterteilte den Film formal in drei Kapitel. Die Familie zu Beginn des Films ist das emotionale Drama von Verlust und Trauer, Gerechtigkeit zeigt den Prozess, und der letzte Teil heißt Das Meer.[3]

Der Film erhielt von der deutschen Bundesregierung[4] und von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein eine Produktionsförderung in Höhe von jeweils 500.000 Euro[5] und von der Film- und Medienstiftung NRW in Höhe von 250.000 Euro.[6]

Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hauptrolle in dem Thriller spielt Diane Kruger[7][8], die Akin 2012 nach der Premiere seines Films Müll im Garten Eden kennenlernte und ihr direkt sagte, mit ihr arbeiten zu wollen.[2] Kruger, die mit Aus dem Nichts erstmals in ihrer Karriere einen Film ausschließlich in deutscher Sprache drehte, sagt über ihre Rolle: „Ich hatte Angst, diese Rolle zu spielen. Wir leben in einer Zeit, in der es immer wieder Terroranschläge gibt. Wir hören die Opferzahlen, aber wir kennen nicht die Geschichte der Hinterbliebenen.“[2] Numan Acar übernahm im Film die Rolle von Katjas Ehemann Nuri Sekerci. Der türkische Name Sekerci bedeutet auf Deutsch „Süßwarenverkäufer“.[9] Ulrich Friederich Brandhoff und Hanna Hilsdorf übernahmen die Rollen der Neonazi-Eheleute André und Edda Möller. Ulrich Tukur spielt Andrés Vater Jürgen Möller, und Denis Moschitto spielt Katjas Anwalt Danilo Fava.

Dreharbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2016 dreht man im Hamburger Polizeipräsidium am Bruno-Georges-Platz in Alsterdorf

Wie bereits die Filme Gegen die Wand und Soul Kitchen drehte Fatih Akin Aus dem Nichts mit seinem Kameramann Rainer Klausmann fast ausschließlich in seiner Heimatstadt Hamburg. Die Dreharbeiten hatten am 20. Oktober 2016 begonnen[10] und wurden am 21. November 2016 beendet.[11] Unter anderem drehte man bis Ende Oktober 2016 auf St. Pauli und im Hamburger Polizeipräsidium am Bruno-Georges-Platz in Alsterdorf (in den Büros der Pressestelle im fünften Stock).[12][13] Weitere Drehorte befanden sich in Griechenland. Der Film endet, wie viele Filme von Akin, der Sohn eines türkischen Fischers ist, am Meer.[2]

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

The Match Factory wird den Film weltweit vertreiben, in Deutschland übernahm den Vertrieb Warner Bros. Pictures Germany. Bereits im Vorfeld seiner Premiere konnte The Match Factory den Film in einer Reihe von Ländern verkaufen. So sicherte sich Curzon Artificial Eye die Rechte für das Vereinigte Königreich und Irland, Bitters End für Japan, BIM für Italien, Cineart für die Niederlande, Golem für Spanien und Fabula für die Türkei.[14] Der Film feierte am 26. Mai 2017 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Cannes seine Weltpremiere[15], und damit vier Tage nach dem Anschlag auf das Konzert in Manchester.[16][3] Im Juni 2017 wurde der Film beim Sydney Film Festival gezeigt. Ab 2. Juli 2017 wurde er beim Filmfestival Karlovy Vary vorgestellt.[17] Am 23. November 2017 soll der Film in die deutschen Kinos kommen.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diane Kruger bei den Filmfestspielen in Cannes

Zum eigentlichen Tathergang im Film sagt Hanns-Georg Rodek von Welt Online: „Es ist genau die Konstellation vom 9. Juni 2004, als in der Kölner Keupstraße vor einem türkischen Friseursalon eine Nagelbombe des Nationalsozialistischen Untergrunds explodierte.“ Rodek erklärt weiter, in Hollywood würde man solch einen Film einen Rachethriller nennen. Aus dem Nichts sei ein Film, der sich über lange Strecken an erwartbaren Linien entlang bewege, im übertragenen Sinn aber sehr viel mit unserer gesellschaftlichen Reaktion auf den Terrorismus aller Arten zu tun habe, so Rodek.[9]

Barbara Schweizerhof von epd Film meint, Fatih Akin sei mit Aus dem Nichts zur packend-emotionalen Filmsprache seiner frühen Werke wie Gegen die Wand zurückgekehrt und setze die Gefühle seiner Hauptfigur über die Details der Ermittlungs- und Gerichtsprozedur: „Was er an trockenem Realismus dadurch einbüßt, macht Krüger mit einem konzentrierten und uneitlen Auftritt wett.“[18]

Rüdiger Suchsland schreibt: „Die Frage der Selbstjustiz, der Kohlhaas-Konflikt zwischen Gerechtigkeit und Gewalt, Recht und Terror, wird nicht wirklich ausgetragen.“ (...) „Insgesamt ist mir der Film zu vage. Dem Zuschauer eine Geschichte vorzusetzen und dann zu sagen, man solle wählen, wie sie moralisch zu beurteilen sei, nervt. Das ist keine Offenheit, sondern Feigheit. Und wenn man die Geschichte einer moralischen Selbstmordattentäterin erzählt, muss man sich ein bisschen positionieren.“[19]

Hannah Pilarczyk von Spiegel Online titelt über den Film: „Wie ein mittelprächtiger Tatort und wird dann konkreter: „Aus dem Nichts sieht wie ein mittelprächtiger Tatort aus und erzählt den anschließenden Prozess um den Anschlag ähnlich uninspiriert wie ein TV-Krimi“.[20]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Internationale Filmfestspiele von Cannes 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Aus dem Nichts – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aus dem Nichts. Besuch am Set In: ffhsh.de, 22. November 2016.
  2. a b c d e f Ulrike Koltermann: 'Aus dem Nichts': Fatih Akin stellt Neonazi-Thriller in Cannes vor In: heute.de, 26. Mai 2017.
  3. a b c d Wenke Husmann: Filmfestspiele von Cannes: Naziterror als Thriller In: Zeit Online, 27. Mai 2017.
  4. http://www.zeit.de/news/2016-10/10/film-fatih-akin-dreht-mit-diane-kruger-10141402
  5. Heißer Herbst! Förderentscheidungen Gremium 1 In: ffhsh.de, 27. Juni 2016.
  6. Film- und Medienstiftung NRW fördert 26 Projekte mit 3,1 Mio. Euro In: filmstiftung.de, 5. Oktober 2016.
  7. http://variety.com/2016/film/news/diane-kruger-german-movie-aus-dem-nichts-1201774217/
  8. Björn Becher: "Aus dem Nichts": Diane Kruger im neuen Film von Fatih Akin In: filmstarts.de, 14. Mai 2016.
  9. a b Hanns-Georg Rodek: Fatih Akin macht Diane Kruger besser als je zuvor In: welt.de, 27. Mai 2017.
  10. Fatih Akin dreht wieder in Hamburg In: ndr.de, 20. Oktober 2016.
  11. Aus dem Nichts. Besuch am Set In: ffhsh.de, 22. November 2016.
  12. http://www.abendblatt.de/hamburg/article208612023/Diane-Kruger-dreht-im-Hamburger-Polizeipraesidium.html
  13. http://www.focus.de/regional/hamburg/hollywoodstar-in-hamburg-diane-kruger-dreht-auf-dem-polizeipraesidium_id_6134526.html
  14. Elsa Keslassy: Cannes: Fatih Akin’s Drama ‘In the Fade’ Sold Worldwide by The Match Factory In: Variety, 25. Mai 2017.
  15. Fatih Akin stellt neuen Film vor In: deutschlandfunk.de, 14. April 2017.
  16. Manchester horror looms over Kruger movie at Cannes In: thelocal.de, 27. Mai 2017.
  17. Aus dem Nichts In: kviff.com. Abgerufen am 20. Juni 2017.
  18. Barbara Schweizerhof: Cannes 2017: Gemischte Gefühle In: epd Film, 26. Mai 2017.
  19. Rüdiger Suchsland: 70. Filmfestspiele Cannes. The winner takes it all... In: artechock.de. Abgerufen am 30. Mai 2017.
  20. Hannah Pilarczyk: Neuer Film von Fatih Akin: Wie ein mittelprächtiger 'Tatort' In: Spiegel Online, 26. Mai 2017.