Xenonym

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Autonym)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Xenonym („Fremdname“, von griechisch xenos „fremd“ und onoma „Name“) ist ein Fachwort der Linguistik zur Bezeichnung von Namen oder in weiterer Bedeutung auch anderen Wörtern, die sich in Bezug auf einen gegebenen Kontext „fremd“ verhalten. Welcher Art dieser Kontext ist und nach welchem Kriterium die Fremdheit bestimmt wird, richtet sich hierbei nach dem fachlichen Verwendungszusammenhang.

Onomastik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Namenforschung (Onomastik), insbesondere in der Forschung zu Personennamen, bezeichnet man als Xenonym einen Namen, der aus einer fremden Sprache (Gebersprache, Quellsprache) in eine einheimische Sprache (Nehmersprache, Zielsprache) entlehnt wurde.[1] Der Kontext, in Bezug auf den die Fremdheit bestimmt wird, ist damit das Sprach- und Namenssystem der Zielsprache.

Kriterium für die Beurteilung der Fremdheit sind in erster Linie die etymologische Herkunft und in zweiter Linie die phonematischen und graphematischen Eigenschaften des Namens. Anhand solcher Eigenschaften kann einerseits der Grad der sprachlichen Integration in die Zielsprache gemessen werden, andererseits können sie aber auch für die Identifizierung von Rückentlehnungen herangezogen werden, wenn ein einheimischer Name zuerst in eine fremde Sprache entlehnt und später mit deren phonematisch/graphematischer Prägung wieder zurückentlehnt wurde.

Ethnolinguistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Ethnolinguistik und Ethnonomastik wird der Begriff Xenonym zumeist in einem abweichenden, besonders in der englischsprachigen Forschung etablierten Verständnis gebraucht, nämlich für den Namen einer Ethnie (Ethnonym) oder ihrer Sprache (Glossonym), der ihr in einer fremden Ethnie und Sprache gegeben wird. Der Gegenbegriff hierzu ist Autonym und bezeichnet folglich einen Namen, mit dem eine Ethnie bzw. Sprachgemeinschaft sich selbst oder ihre Sprache (Autoglossonym) in dieser Sprache bezeichnet. Deutschsprachige Äquivalente sind „Fremdbezeichnung“ und „Eigenbezeichnung“ bzw. „Selbstbezeichnung“, die auch in der Forschung zu gesellschaftlichen Minderheiten und Minderheitensprachen etabliert sind.

Anders als sonst in der Onomastik gehören Xenonyme hierbei nicht per definitionem der Klasse der Entlehnungen an; es ist also keine notwendige Bedingung für das Vorliegen eines Xenonyms, dass dieses in die eigene Sprache entlehnt wurde. Im Fall seiner Entlehnung hängt es vom methodisch-terminologischen Standort der Untersuchung ab, ob der Name nach dem Kriterium seiner externen Herkunft noch als Xenonym, oder nach dem Kriterium seines internen Gebrauchs bereits als Autonym bewertet wird.

Spezifisch zur Unterscheidung von lokalen Bezeichnungen beispielsweise für Orte, Sprachen, Personen und Personengruppen von Bezeichnungen, die in anderen Sprachen dafür verwendet werden, werden in der Ethnolinguistik die Begriffe Exonym und Endonym verwendet.

Semantik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Semantik wird der Begriff Xenonym seit Alan Cruse (1986) zuweilen für ein Wort oder einen lexikalischer Ausdruck gebraucht, der innerhalb einer gegebenen (oder zum Zweck der Untersuchung eigens gebildeten) Verknüpfung von Wörtern (Syntagma) in einer Beziehung semantischer Abstoßung zu seiner sprachlichen Umgebung steht. Maßgeblicher Kontext für die Bestimmung der Fremdheit ist damit der syntagmatische Zusammenhang, und die Kriterien für die Messung der Fremdheit sind rein semantische.

Merkmale und Unterarten solcher semantisch definierten Xenonymie sind Unangemessenheit (z. B. „die Zierpflanze gibt den Löffel ab“ statt „stirbt“), Widersprüchlichkeit („männliche Tante“) und Unvereinbarkeit („tropfende Theorie“). Gegenbegriffe sind Philonymie (normale, harmonische Beziehung) und Tautonymie (pleonastische Beziehung).[2]

Phonologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Phonologie wurde der Begriff Xenonym 1999 von James W. Harris eingeführt zur Bezeichnung einer Klasse von Wörtern, bestehend hauptsächlich aus Lehnwörtern und Onomatopoetika, die sich durch starke Varianz von Sprecher zu Sprecher, fehlende oder unvollständige Integration in das morphophonologische System und kurzlebige, von TV und Populärkultur getragene Konjunkturen des Gebrauchs auszeichnen.[3] Maßgeblicher Kontext für die Bestimmung der Fremdheit ist hierbei in erster Linie das morphophonologische System der (Ziel-)Sprache.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Viktoria Eschbach-Szabo: Personen und Namen im Japanischen. Veränderungen in der Modernisierung und in der Globalisierung (= Bunka Wenhua. Tübinger ostasiatische Forschungen. Bd. 12). LIT-Verlag, Berlin u. a. 2009, ISBN 978-3-8258-8758-2, S. 299.
  2. David A. Cruse: Lexical Semantics. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1986, ISBN 0-521-25678-X, S. 106 f.
  3. James W. Harris: Nasal depalatalization no, morphological wellformedness : The Structure of Spanish word classes. In: MIT Working Papers in Linguistics. H. 33, 1999, ISSN 1049-1058, S. 47–82, hier S. 57.