Basler Zeit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Sonnenuhr als Basler Uhr am Basler Münster (Süd-Ost). Der prinzipiell senkrechte Mittagsschatten fällt auf eine 1, nicht wie üblich auf eine 12.

Als Basler Zeit oder Basler Uhr war eine Besonderheit bei der Zählung der 24 Stunden des Tages und der mit ihnen angegebenen Tageszeit. Angegeben wurde nicht die abgelaufene, sondern die zuletzt begonnene, noch laufende Stunde. Die Basler Uhr war eine Anlehnung an die mittelalterlichen Horen (Stundengebete), deren Bezeichnungen mit Ziffern auch die jeweils beginnende Stunde betraf.[1] Die Basler zählten z. B. Mittag und Mitternacht nicht als die zwölfte (abgelaufene Stunde), sondern als die erste (oder 13te, anbrechende Stunde).[2] In Basel schlug z. B. die Kirchenuhr am Mittag nicht zwölf (abgelaufene Stunde/n), sondern Eins (oder Dreizehn, beginnende Stunde).

Die Basler Uhr wurde über 400 Jahre lang gebraucht und gab im Vergleich zum umliegenden Land eine um Eins höhere Stundenzahl an.

Legenden über die Entstehung der Basler Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt zwei verbreitete Legenden:[3]

Die Stadt Basel wurde von Feinden eingeschlossen und belagert, und einige Unzufriedene der Stadt wollten eine Eroberung unterstützen. Daher wurde ein Plan geschmiedet, die Stadt mit einer Überrumpelung in finsterer Nacht einzunehmen, welche durch den Mitternachtsschlag der Uhr ausgelöst werden sollte. Als der Turmwärter kurz vor Mitternacht davon erfuhr, und die Zeit zu knapp war, die Wache still zu alarmieren, stellte er die Uhr um eine Stunde vor und verhinderte so das Angriffszeichen. Die Verschwörer wurden verunsichert, und jeder glaubte, die verabredete Stunde versäumt zu haben. In der Zwischenzeit gelang es dem Turmwärter, den Stadtkommandanten zu warnen und Verstärkung herbeizurufen. Nun blieb den Verrätern nichts mehr übrig als in ihre Häuser zurückzuschleichen, und die Belagerer liessen von ihrem Vorhaben ab.

In der Zeit des Konzils von Basel (1431 bis 1449) stellten die Konzilsteilnehmer die Uhr am Münster um eine Stunde vor, um die langen Sitzungen abzukürzen und schneller zum Mittagessen zu kommen.

Abschaffung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uhren am Basler Münster (Süd-West); Anzeigevergleich (Anfang November): Der Stabschatten der Sonnenuhr mit Basler Zeit befindet sich bei etwas mehr als ½ 2 Uhr, der Stundenzeiger der mechanischen Uhr zeigte nach Abschaffung der Basler Uhr wegen der beachteten Zeitgleichung etwas weniger als ½ 1 Uhr. Die heutige Anzeige ist MEZ.

Für über 400 Jahre galt in der Stadt diese spezielle Stundenzählung. 1779 beschloss der Stadtrat, Basel an die übliche Stundenzählung anzugleichen, und erliess einen Erlass. Der überwiegende Teil der Bevölkerung aber hielt sich nicht an diesen, und es herrschte eine grosse Konfusion. Nach nur drei Wochen wurde der Versuch aufgegeben.

Erst 1798 mit dem Ende der Alten Eidgenossenschaft und mit der Errichtung der Helvetischen Republik schlug die letzte Stunde der Basler Zeit. Diese wurde am 1. Februar 1798 abgeschafft. Der Übergang erfolgte sanft, indem man in den letzten Januartagen die Zeiger über nicht veränderten Zifferblättern täglich um zehn Minuten zurückstellte.

Die Sonnenuhr am Münster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sonnenuhr am Basler Münster zeigt noch die alte Basler Stunde. Da gleich darunter eine mechanische Uhr die MEZ angibt, können die beiden Stundenzählungen direkt verglichen werden.

In Basler Museen sind noch weitere Sonnenuhren und Uhren und mit der 1 an der heutigen Stelle der 12 vorhanden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Jakob Messerli: Gleichmässig, pünktlich schnell, s. Lit., S. 34.
  2. Die Basler Uhr wurde in der Basler Umgebung als abartig empfunden, das ihr zu Grunde liegende Prinzip bei der Zählung der Tage zur Datumsangabe aber als Selbstverständlichkeit hingenommen. Letzteres sind wir auch heute gewöhnt. Würden wir unsere Datumsangabe unserem System der Stundenangabe anpassen, so würde z. B. aus dem 13. Oktober der 12. Oktober werden, denn unser 13. Oktober ist erst bei Beginn unseres 14. Oktobers abgelaufen. Zwischendrinn hiesse es 12. Oktober und z. B. ein halber Tag, was uns aber nur bei der Uhrzeit mit z. B. 12 Uhr und ½ Stunde geläufig ist.
  3. Vgl. Jakob Messerli: Gleichmässig, pünktlich, schnell, s. Lit., S. 33