Bena Riamba

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Die Bena Riamba, auch Bene Diamba, waren Anhänger eines Kultes in der Provinz Westkasai der Demokratischen Republik Kongo, zu dem sich selbständige Clans von Bantu-Volksgruppen zusammengeschlossen hatten. Bena Riamba oder Bena Moyo bedeutet „die, die das Leben haben“ oder „Söhne des Hanf“, denn Riamba oder Hemba meint „Hanf“. Diese Clans stellten noch bis in das 20. Jahrhundert Marihuana (Cannabis), das in Pfeifen geraucht wurde, in den Mittelpunkt eines die Gemeinschaft verbindenden Rituals.

Europäischen Forschungsreisenden im ausgehenden 19. Jahrhundert zufolge wurde der Hanf von arabischen Händlern an der afrikanischen Ostküste eingeführt. Hanf wurde als Tauschprodukt von den Karawanen mitgenommen und von den Trägern geraucht. Das Rauchen von Marihuana breitete sich dadurch auch unter der lokalen Bevölkerung bis an den Unterlauf des Kongo aus. Eine deutsche Ostafrika-Expedition kommentierte in einem Bericht Marihuana rauchende Nyamwezi (Siedlungsschwerpunkt um die an den damaligen Handelsrouten gelegene tansanische Stadt Tabora) abschätzig:

„Der Rauch wird durch die Lungen eingesogen, welche Gewohnheit bei dem ebenfalls üblichen Rauchen von Hanf einen heftigen Husten hervorruft, der von dem in Rausch gerathenden Raucher mit thierischem Gebrüll und Schreien in der Fistel begleitet wird.[1]

Um das Jahr 1870 entwickelte sich über mehrere Clans der Baschilange hinweg, die miteinander im Tauschhandel standen, der Riambakult in der kongolesischen Provinz Kasai als eine Art Gruppenzwang. Baschilange (oder Tusselange) ist die historische Bezeichnung für eine verwandte Gruppe oder eine Untergruppe der Baluba. Es war die Sonderform eines Ahnenkultes, die Ahnen (bajangi) sollten durch die Einnahme von Marihuana angerufen und zu positivem Verhalten beeinflusst werden können. Der Genuss von Marihuana war in diesem Gebiet zuvor nicht üblich.

Den ersten Bericht des Haschischkultes lieferte Otto H. Schütt, der als Leiter einer deutschen Expedition 1878 von der Westküste aufbrach, um in Gebiete im Innern Afrikas vorzudringen, in denen sich die Bevölkerung zuvor dem Durchmarsch anderer deutscher Expeditionen widersetzt hatte. Er fasste eine Schilderung zusammen, die er vom Kult beim Volk der Baschilenge mit ihrem Häuptling Mukenge erhalten hatte, wobei er „Diamba“ verniedlichend als „eine Sorte Tabak“ bezeichnete. Teile der Zwischenberichte seiner Reise stellten sich als gefälscht heraus.[2]

Die zweite Schilderung des Riamba-Festes stammt von Hermann von Wissmann. Er brach 1883 von Hamburg zu einer Expedition in die Region Kasai auf. Im Land der Baluba trafen die Expeditionsteilnehmer vermehrt auf Zeichen des Haschischkultes. Ziel des Vormarsches war, Häuptling Mukenge als Agenten für die Kolonisierung zu gewinnen, wie es im Vertrag Wissmanns mit dem belgischen König Leopold II. geregelt war. Im November 1886 startete Wissmann von Kasai zu einer zweiten Durchquerung des afrikanischen Kontinents. Seine Expedition bestand anfangs aus 1000 Menschen, darunter 600 Bena Riamba. Nachdem die Truppe durch Pocken und Angriffe der Araber dezimiert war, schickte Wissmann die Bena Riamba zurück und erreichte nur mit einem kleinen Kern die ostafrikanische Küste und Sansibar.[3]

Durch Wissmann wurden die Bena Riamba im Westen bekannt gemacht. Aus seiner Beschreibung:

„Die Meister erschienen mit einer mächtigen Pfeife, einem ausgehöhlten Kürbis, in den seitwärts ein thönender Cylinder als Pfeifenkopf eingesetzt und am oberen Ende ein Mundstück eingeschnitten war. Rings im Kreise um Tschingenge, der wieder gravitätisch die beiden Fliegenwedel schwang, ließen sich die kahlköpfigen tätowirten, langen, mageren Burschen nieder und begannen, ihre Pfeifen anzuzünden. Bald hüllte grauer, süßlich übelriechender Qualm die wunderliche Gruppe ein, aus der krampfhaftes Husten und Prusten...[kam].[4]

Der Cannabis-Konsum in der Region Lubuku wurde ein zu vielen Zwecken eingesetztes Ritual, so sollte stundenlanges Hanfrauchen der Wahrheitsfindung dienen. Die Mitglieder des Bena-Riamba-Kultes unterwarfen sich der rigiden Herrschaft eines Anführers mit dem Titel Kalamba, der das Praktizieren aller bisherigen Kulte, die Verwendung der traditionellen Ritualgegenstände und den zuvor üblichen Genuss von Palmwein verbot. Die alten Kultfiguren wurden aufgespürt und verbrannt.[5] Der Kult nahm Männer und Frauen auf und praktizierte ein Aufnahmeritual. Zu den Verehrungsobjekten des Kultes und zu den Insignien der Macht des Kalamba gehörten neben der Hanfpfeife, die aus einer großen Kalebasse bestand, eine Anzahl Gewehre und ein weißes, pemba genanntes Kreidepulver. Die Pfeife war angeblich so groß, dass sie von zwei Männern getragen werden musste.[6] Clans, die sich nicht an den Hanf-Zeremonien beteiligen wollten, wurden zu Gegnern.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Fabian: Im Tropenfieber. Wissenschaft und Wahn in der Erforschung Zentralafrikas. Verlag C. H. Beck, München 2001. Kapitel: Charisma, Cannabis und Karawanen. Afrikaforscher im Lande der Freundschaft. S. 205–241
  • Brian M. du Toit: Man and Cannabis in Africa: A Study of Diffusion. In: African Economic History, No. 1. African Studies Program, University of Wisconsin-Madison, Frühjahr 1976, S. 17–35
  • Hermann von Wissmann: Meine zweite Durchquerung Äquatorial-Afrikas vom Congo zum Zambesi während der Jahre 1886 und 1887. Verlag der Königlichen Hofbuchdruckerei Trowitzsch & Sohn, Frankfurt/Oder 1891
  • Kjell Zetterstrom: Bena Riamba, Brothers of the Hemp. In: Studia Ethnographica Upsaliensia, 26, 1966, S. 151–65.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mittheilungen der Afrikanischen Gesellschaft in Deutschland. Bd. 3, Nr. 1, Berlin 1881, S. 11. Zit. nach Fabian 2001, S. 218.
  2. Otto H. Schütt: Reisen im südwestlichen Becken des Congo. Nach den Tagebüchern und Aufzeichnungen des Reisenden bearb. u. hrsg. v. Paul Lindenberg. Dietrich Reimer, Berlin 1881, S. 146. Zit. nach Fabian 2001, S. 211.
  3. Fabian 2001, S. 236–240.
  4. Zitiert nach: Kathrin Langenohl: 'Repeat when necessary.' Zum Verhältnis von Tradition und Moderne im malerischen Werk Tshelantendes (Djilatendo), Belgisch-Kongo. Lit-Verlag, Münster 2003, S. 31; ebenso in: Carl Falkenhorst: Schwarze Fürsten. Bilder aus der Geschichte des dunklen Weltteils. Zweiter Teil: Herrscher in Ostafrika. Ferdinand Hirt & Sohn, Leipzig 1892, S. 234 (bei Internet Archive)
  5. Albert Maesen: Enciclopedia universale dell'arte. Vol. 2. G. Sanson, Florenz 1958; zitiert in: Herta Haselberger: Method of Studying Ethnological Art. In: Current Anthropology Vol. 2, No. 4, Oktober 1961, S. 341–384, hier S. 352
  6. F. W. Butt-Thompson: West African Secret Societies. Kessinger Publishing, Whitefish (Montana, USA) 2003, S. 266 f.