Benutzer:Brykina/Werkstatt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

DIESER TEXT IST IN BEARBEITUNG UND NOCH NICHT ZUR VERÖFFENTLICHUNG AUF WIKIPEDIA BESTIMMT!

Der 1931 in der kirgisischen Stadt Karakol geborene russische Künstler Marlen Spindler ist ein ausserordentlicher Vertreter des Sowjetischen Undergrounds. Er zählt zu den russischen Nonkonformisten der 60er Jahre/der Zweiten Russischen Avantgarde.

SEIN LEBEN Kurz vor dem Krieg zog seine Familie in die Nähe von Moskau.


INSPIRATION Die Quellen seiner Inspiration waren die altrussische Kunst, die orthodoxen Heiligtümer und die von der Zivilisation unverdorbene Provinz. Bei Besuchen in verlassenen Klöstern und Kirchen, bei der Betrachtung von Meisterwerken der Ikonenmalerei und von unikalen Fresken drang er in die Geheimnisse der alten russischen Meister ein. Die ergreifende Schönheit der russischen Natur, die Aufrichtigkeit und Güte der Menschen und deren echte russische Seele erfüllten Marlen Spindler mit unerschöpflicher kreativer Energie und verliehen seinen Arbeiten eine ganz originelle Ausstrahlung.

Inspiriert von der altrussischen Kunst studierte und analysierte der Maler aufmerksam alte Ikonen und Fresken. Dabei erlernte er von den grossen Meistern der Ikonenmalerei den kompositorischen Aufbau und die Kunst der Farbgebung. Die zu Beginn der 60er Jahre parallel ausgearbeiteten Zeichen und Symbole wurden zu einer Basis und Wurzel seines Schaffens.

Erinnerungen aus der Kindheit an Mittelasien, seine tiefe Liebe zu Russland, dessen Natur, der orthodoxen Ikonenmalerei und den Fresken waren stets die Quelle seiner Kunst.


IN GEFANGENSCHAFT

Мarlen büsst seinen Drang nach Freiheit und Kompromisslosigkeit mit 15 Jahren Gefängnis und Exil. Durch den Verlust seiner Freiheit verschwindet die Abstraktion aus seinem Schaffen beinahe vollständig,

Die im Gefängnis kreierten Werke des Malers unterscheiden sich wesentlich von seiner Malerei, die in der Freiheit entstand. Ganz eigenartig sind Geist, Stil und Manier der malerischen Methoden sowie auch die Auswahl der Sujets.

Leider wurden viele seiner Meisterwerke in Gefangnisofen verbrannt, und nur ein Teil der Arbeiten konnte heimlich in die Freiheit gerettet werden.

Sowjetische Gefangnisse und Verbannung raubten ihm insgesamt 15 Jahre seines Lebens, doch sein authentisches Talent, seine originellen Ideen, die schöpferische Energie und ungestume Liebe zur Malerei gingen nicht verloren, sondern wurden in grosse Arbeiten umgesetzt.

So verbrachte Marlen Spindler wegen seiner Kompromisslosigkeit und seiner freien Haltung insgesamt 15 Jahre im Gefängnis und Exil.

In der Haft malte er Landschaften aus dem Gedächtnis. Später, alser sich als Freigänger in Wologda jeden Tag bei der örtlichen Polizei melden musste, erhielt der Maler die Möglichkeit, auf Ausflügen Skizzen zumachen. Er war oft in Kirillow und im Ferapont-Kloster, wo er viel Zeit vor Dionissijs Werken in der Mariä-Geburt-Kathedrale verbrachte.

Das Gefängnis engt die Sicht ein. Die Abstraktion verschwindet fast ganz aus seinen Arbeiten, weil zum Schaffen gegenstandsloser Darstellungen die uneingeschränkte seelische und körperliche Freiheit notwendig ist. Das klare Licht verschwindet, es hat in dieser feuchten Dämmerung keinen Platz. Die weite Welt schrumpft in der Gefängniszelle auf einen Papierfetzen zusammen, auf dem primitive Alltagsgegenstände dargestellt sind, die ebenfalls zu vereinfachten Elementen reduziert werden. In diesen Arbeiten zeigt sich das trostlose Leben der Häftlinge, die ihre Zeit mit Domino- und Schachspiel totschlagen...

STIL Die kühnen Ideen des Malers, sein ungezügeltes Temperament, seine seelische und körperliche Unabhängigkeit verliehen seinen künstlerischen Phantasien immense Kraft.

Besondere Beachtung verdienen die unikalen, ungewöhnlich machtvollen Fresken, die mit nach traditionellen Rezepten hergestellten Farben auf Sackleinen gemalt wurden, sowie die dynamischen, durch ihre Farbkombinationen verblüffenden Kompositionen

Seiner Kreativität sind einzigartige Strukturen und Zeichen, fantastische Gestalten und mysteriöse Figuren entsprungen, mit denen er Vorgänge in seiner Seele wiedergibt. Sein ganzes Schaffen ist von menschlichen Symbolen durchdrungen: Kreuz und Kreis.

Seine starke Emotionalität prägt den Stil seiner kraftvollen Gemälde, gestaltet deren Form, und gibt deren Rhythmus an.


Nach der politischen Wende in den 90er Jahren konnten die Werke der Nonkonformisten der Öffentlichkeit gezeigt werden. Einige Ausstellungen haben in der Tretjakov Galerie, einem der bedeutendsten Museen des Landes, stattgefunden.

LANDSCHAFTEN/KATHEDRALEN

Marlen reiste oft in alte russische Städte, um Skizzen anzufertigen. Er war entzückt von der Schönheit der heimatlichen Natur, der Langsamkeit des Provinzlebens und den wunderbaren, alten Baudenkmälern. Sooft sich die Möglichkeit bot, fuhr er nach Wladimir, besuchte die Uspenskij-Kathedrale.

Die Uspenskij-Kathedrale wurde zu einem häufigen Sujet des Malers auf seinen Reisen durch Russland.

Marlen suchte die fesselnden Werke der altrussischen Kunst und fand diese nicht nur in Wladimir, sondern auch in der Mariä-Geburt-Kathedrale des Ferapont-Klosters, das unweit der Stadt Kirillow im Gebiet Wologda liegt, sowie in den Kirchen Nowgorods, wohin er in den 1960-er Jahren besonders häufig reiste.

Stark beeindruckt von den alten Ikonenmalern, befuhr und durchwanderte Marlen die Gebiete Wladimir und Nowgorod.


Marlen Spindlers Landschaftsbilder sind sowohl dem breiten Publikum wie auch Spezialisten bis heute fast unbekannt. Der Grund dafür ist, dass seine Arbeiten erstmals gegen Ende der Perestroika auf relativ wichtigen Ausstellungen auftauchten, als sich alle für möglichst ausdrucksvolle, teils skandalöse Erscheinungen des sowjetischen Undergrounds interessierten. Auch der abstrakte Expressionismus war plötzlich gefragt und viele Werke Marlen Spindlers wurden ausgestellt. Der Name des Malers wurde ausschliesslich mit dieser Richtung assoziiert, seine Landschaften blieben aber abseits, ausserhalb des Sichtfeldsvon Kunsthistorikern und Malereiliebhabern. Doch ohne die Landschaftsmalerei und die Reisen in die Provinz hätten seine besten abstrakten Arbeiten nicht entstehen können. Dort, im Dickicht der russischen Provinz, schöpfte er Inspiration, malte erstaunliche Bilder und fertigte Entwürfe für viele spätere Werke an. Entgegen der gängigen Meinung nahm die Landschaft also im Werk Marlen Spindlers während seines ganzen Lebens einen bedeutenden Platz ein. Es ist zu erwarten, dass die Landschaftsmalerei des Maler seinen würdigen Platz in Museen und Privatsammlungen, auf Ausstellungen und in noblen Alben erhält.


Und obwohl die entscheidenden Schläge mit dem Pinsel im Moment der Vollendung einer Arbeitausgeführt wurden, erschienen sie als führendes Organisationsprinzip, um welches alles Übrige «tanzte». «Der Rhythmus muss im gemalten Bewegungsverlauf veränderlich sein», – und er unterstrich: – «Man darf nicht die Landschaft selbst malen, man muss ihren Rhythmus malen». Er liebte es, schwarze undweisse «Schläge» auf Birken zu «rhythmisieren», und glaubte, dies sei «russisch, dem System des Schachspiels ähnlich, nur chaotisch.



Gorbatschows Perestroika kam langsam in Schwung und 1987, als sich der Maler noch in Haft befand, wurden seine Arbeiten auf der Ausstellung «Moskauer Grafik» im Zentralen Künstlerhaus gezeigt. Grosses Interesse fanden politisch gefärbte Werke, die offenen Protest gegen die offizielle Ideologie enthielten. Auf der Welle der stürmischen politischen Veränderungen, welche die Sowjetunion erfasst hatte, wurden jene Kunstwerke am meisten beachtet, die den Nonkonformismus verkündeten, der möglichst weit vom Realismus der Formen entfernt war. Nachdem die Bevölkerung den frischen Wind der Veränderungen verspürt hatte, entdeckte sie die neue, zuvor verschmähte Kunst, und auf Ausstellungen wurden vor allem solche Arbeiten präsentiert, auf denen die von der offiziellen Ideologie verbotenen Tendenzen mit blossem Auge sichtbar waren.


Doch erst im Sommer 1989 kam Marlen Spindler dank der politischen Entwicklungen und der Lockerung der ideologischen Schraubzwingen frei und erhielt das Recht, mit seiner Familie in Moskau zu wohnen.

Nachdem Marlen Spindler aus dem Gefängnis freikam, erhielten seine Bilder auf vielen bedeutenden Ausstellungen einen angemessenen Platz und eroberten die Betrachter durchihre energetische Macht und Originalität. Sie erlebten riesigen Erfolg auf den Ausstellungen «Die andere Kunst» (Tretjakow-Galerie, 1990),,«Postmoderne und nationale Traditionen» (Tretjakow-Galerie, 1993).

Marlen war unsagbar froh über die Freiheit. Er konnte wieder in seinem Kraskower Atelier arbeiten, Ausstellungen besuchen, leckere Bratente mit Buchweizenbrei essen, im grellen Seidenhemd und Samtjackettunter Leute gehen, und alle mit seinem prächtigen Haarschopf bezaubern.

Sein stürmischer Charakter, die schweren Lebensbedingungen, die Erschöpfung des Nervensystems, das ständigen emotionalen Wechselbädern ausgesetzt war, denen alkoholische «Entladungen» folgten, — das alles wirkte sich negativ auf das Wohlbefinden aus und verschlechterte die ohnehin vom Gefängnis geschädigte Gesundheit.

1956 heiratete Marlen die Malerin Valentina Lapschina. Zwei Jahre später wurde ihr Sohn Nikolaj geboren und die finanzielle Frage verschärfte sich. Um die Familie zu versorgen, begann er, bei einem der bekanntesten Unternehmen des Landes zu arbeiten, im «Kombinat für grafische Kunst», das unter Künstlern «Promgrafik» (Industriegrafik) genannt wurde. Das war 1960, auf dem Höhepunkt einer Kampagne zur Förderung der Industriegrafik, als in diesem Bereich verstärkt junge Künstler eingestellt wurden.