Benutzer:Klara von Limbach/Spielwiese

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Rudolf Johann Niedermayer war Komponist, Musikpädagoge, Organist, Chorleiter und Musiker, geb. 30.10.1891 in Schönbach / Egerland, gest. 4.10.1970 in Eberbach / Baden. Besuch des Konservatorium in Prag 1908 bis 1911. Dann Organist in Semlin / Zemun, dann Musikprofessor an den Lehrerbildungsanstalten in Essegg / Osiek (1941 bis 1944) und Mies/Stříbro. (1945). Flucht und Vertreibung aus Jugoslawien und der Tschechoslowakei. Danach Lauingen / Donau und Mosbach / Baden. Somit hatte er ohne wesentliches eigenes Zutun 5 Staatsangehörigkeiten bzw. -zugehörigkeiten: Osterreich-Ungarn, Jugoslawien, Tschechoslowakei, Kroatien und die Bundesrepublik Deutschland.

Niedermayers Vorfahren waren Geigenbauer. Geige zu spielen lernte er bei seinem Großvater Josef Müller, später besuchte er die Schönbacher Musikschule Das Prager Konservatorium, Abteilung Orgel und Komposition, absolvierte er von 1908-1911. Seine Instrumente in Schönbach und in Prag waren Orgel, Klavier und Violine, aber auch Viola, Kontrabass, Tuba, Timpano (Kesseltrommel), Flöte und Fagott. Von 1912 bis 1941 war der Katholik Organist in der Dekanatskirche in Semlin/Zemun. Nebenberuflich spielte er in der Pfarrkirche in Franztal bei Semlin. Im Ergebnis des ersten Weltkrieges wurde Semlin jugoslawisch und Schönbach eine Stadt in der Tschechoslowakei. Die Umgebung Niedermayers war immer multikulturell.

Er war Komponist, Organist, Kantor, Chorleiter, Musikpädagoge, Regisseur von Operetten und Konzerten und in Zusammenarbeit mit seiner Frau Emilie Niedermayer geb. Schneider Manager kultureller Veranstaltungen. 1938 gründete und leitete er die Semliner Kantorenschule.

1941 wurde Niedermayer zum Musikprofessor an der Lehrerbildungsanstalt in Essegg/Osijek in Kroatien ernannt, damals ein nach dem Überfall Hitlers auf Jugoslawien gegründeter Vasallenstaat von Nazi-Deutschland. Deutsche in Esseg wurden 1944 evakuiert. Die Flucht führte über Schönbach mit der Anstellung an der Lehrerbildungsanstalt in Mies/Stříbro und Abensberg bei Regensburg nach Lauingen / Donau. Dort arbeitete er an der Lehrerbildungsanstalt in Lauingen. Er verlor die Auseinandersetzung um seine Stelle. Die Behörden bezweifelten seine Qualifikation, er selbst fühlte sich als Flüchtling gemobbt.

Er arbeitete weiter als Komponist, Kirchenmusiker, Gesangslehrer und Musikpädagoge und präsentierte seine Musik bei zahlreichen Veranstaltungen, vor allem im Kontext mit Vertriebenenorganisationen.

1957 bis zu seinem Tod 1970 lebte er in Mosbach / Baden.

Niedermayer glaubte an die Kraft der von Gott den Menschen geschenkten Musik. Gott und Volk, Heimatverbundenheit und Natur bestimmten sein Weltbild. Er wirkte auch in evangelischen Kirchen und im Tempel (Synagoge).

Die Noten seiner Kompositionen befinden sich im Musikarchiv der Künstlergilde Regensburg, verwaltet vom Sudetendeutschen Musikinstitut. Die meisten seiner frühen Kompositionen sind allerdings auf der Flucht verloren gegangen. Niedermayer schuf Märsche, Serenaden, Kammermusik, Kirchenmusik, Operetten und Chorwerke. Er komponierte für unterschiedliche Instrumente: Klavier, auch vierhändig, Cembalo, Posaune und Orgel. An die 2.000 Stücke werden es sein, die er geschaffen hat. Vor allem vertonte er Texte, darunter große Dichter, aber auch zahlreiche Heimatdichter aus den Gegenden, in denen er lebte. Stoff fand er auch im gesellschaftlichen Leben, in sportlichen und kulturellen Ereignissen, in der internationalen Politik und in kirchlichen und weltlichen Feiertagen und volkstümlichen Festen. Damit brachte er sich intensiv in das Kulturleben und das kirchliche Gemeindeleben von Städten und Gemeinden ein.

Ein Höhepunkt war ein Konzert des Großen Wiener Rundfunkorchesters im November 1959. Neben Schubert, Dvorschak, Johann Strauß und Lehar wurden auch Stücke von Niedermayer gespielt. Das wohl breiteste Publikum - ca. 20.000 Menschen - fand seine Vertonung des "Banater Schwabenlied" von Adam Müller-Guttenbrunn, das der Opernsänger Hans Jakob Kolling am 1. August 1954 beim "Tag der deutschen Heimat" auf der Waldbühne in Berlin vortrug. Einer seiner bedeutendsten Auftritte war bei einer Feier anlässlich des Eucharistischen Weltkongresses 1960 in Wien. Das Melodram "Treu der Kirche" und die "St. Gerhards Hymne" wurden zur Aufführung gebracht.

Niedermayer war bedeutender Volkskünstler. Er wollte Musik, musikalisches Erleben und das Empfinden breitester Bevölkerungsschichten zusammenbringen, die Verbindung der Menschen zu ihrer Heimat und zu ihrem Gemeinwesen stärken und ihre kulturelle Identität stärken. Dass ihm dies gelungen ist, belegen zahllose Dankschreiben, die in seinem Nachlass zu finden sind.

Werke (kleine Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

"Freuet euch", gesungen vom Brasilianischen Chor Coral do Carmo aus Mogi das Cruzes

Bernhardus-Messe, Uraufführung mit dem St. Josef Kirchenchor in Mosbach 1952

Ave Regina coelorum, für drei Frauenstimmen und Orgel

Ecce Sacerdos, für gemischten Chor a capella.

Die Ulmer Schachtel, Worte von Irmgard Schäfer-Niedermayer

A Fürschta haut sechs Dackl g'hatt, Worte von Josef Weitzer

Banater Schwabenlied, für eine Tenorstimme und Klavier, Text von Adam Müller-Guttenbrunn

Mei Moddersproch, für Solostimme und Klavier, Worte von Jörg von der Schwalm

Von Palanka ein Mädchen, für Singstimme und Klavier, Worte von Josef Werneth

Egerländer Nationalhymne, Worte von Georg Peter

Im Odenwald dahinten, für gemischten Chor, Worte von Wilhelm Trunk

An Olympia, für Singstimme und Klavier, Dichter unbekannt.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Musikarchiv Regensburg der Künstlergilde Esslingen e.V., verwaltet vom Sudetendeutschen Musikinstitu in Regensburg. Noten und Biografisches
  • Lexikon zur deutschen Musikkultur. Böhmen, Mähren, Sudetenschlesien, Band 2, Spalten 1138-1215
  • Lexikon sudetendeutscher Orgelmusik von Andreas Willscher im Selbstverlag.
  • Margret Beck: Rudolf Niedermayer, in: Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Historisch Ostdeutsche Gedenktage 2021, Bonn 2021, S. 148-151, ISBN 978-3-88557-250-3
  • Alfred Elbert: Schönbach in Böhmen - Stadt der Geigenmacher. Helmut Preußler Verlag, Nürnberg 2007, ISBN 978-3-934679-27-6
  • Nikolaus Hefner, Franz Egger, Josef Braschel (1984): Die donauschwäbische Ortsgemeinschaft Franztal-Semlin, Verein der Franztaler Ortsgemeinschaft, Salzburg
  • Robert Rohr (1988): Unser klingendes Erbe. Beiträge zur Musikgeschichte der Deutschen und ihrer Nachbarn in und aus Südosteuropa . Von den Anfängen bis 1918. Verlag Passavia, Passau, ISBN3-87616-134-7
  • Robert Rohr (1994): Unser klingendes Erbe. Aus dem Musikleben der Donauschwaben von 1918 bis zur Gegenwart, Verlag der Donauschwäbischen Kulturstiftung, München, ISBN 3-926276-20-7
  • Singendes Egerland. Ein- und zweistimmige Egerländer Lieder, Egerland-Verlag Helmut Preußler, Nürnberg 1976, S. 43, 122, 182.

Referenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]