Biberacher Schützenfest

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Tanz durch die Jahrhunderte

Das Biberacher Schützenfest ist ein traditionelles Kinder- und Heimatfest in Biberach an der Riß. Es findet jährlich im Juli, seit 2006 vor den Sommerferien, statt und wurde erstmals 1668 in einem Ratsprotokoll erwähnt. Während seiner neuntägigen Dauer präsentiert sich das Biberacher Schützenfest mit Darbietungen mit historischen Großveranstaltungen, mit Lustbarkeiten und Spielen für die Kinder sowie auch mit Angeboten von Volksfestcharakter. Die angestammten wie die zugezogenen Biber lieben ihre Schützen als den Höhepunkt eines jeden Jahres.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprung und Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz der Namensgleichheit hat das Biberacher Schützenfest nichts mit den in West- und Norddeutschland üblichen Schützenfesten zu tun. Der genaue Ursprung des Schützenfestes und seiner Bedeutung ist nicht bekannt. Es wird vermutet, dass es sich ursprünglich um ein Schulfest mit Genehmigung der geistlichen Aufsicht und der weltlichen Behörde, des Scholarchats, gehandelt hatte. Den Namen Schützenfest erhielt die Veranstaltung vermutlich aufgrund des Standorts, dem Schützenberg. So wurde der äußere untere Teil des Gigelbergs samt Keller und Schützenhaus genannt.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historischer Umzug
Der "Baltringer Haufen" beim Historischen Umzug

Nach dem Dreißigjährigen Krieg erhielt die Reichsstadt eine paritätische Verfassung. Aus diesem Grund wurde das Schützenfest lange Zeit konfessionell getrennt gefeiert. Ein evangelisches Fest wird erstmals 1668 im Ratsprotokoll erwähnt. Die moderne Entwicklung des Schützenfestes fällt mit dem Ende der reichsstädtischen Selbstständigkeit zusammen. Im Jahr 1802 erklang erstmals der Choral Rund um mich her ist alles Freude, der sich bald als Festhymne durchsetzte. Seit 1810 gibt es für die Kinder eine Lotterie ohne Einsatz, die sogenannte Ziehung, bei der jedes Los gewinnt. Der Festzug war anfangs eine Art Blumen- und Fahnenkorso. Trommler kamen erst 1816 hinzu. Die heutige Kleine Schützenmusik ging aus der 1821 gegründeten Knabenkapelle hervor. Das Schützentheater wurde 1819 in die Tradition mit aufgenommen. 1824 wurde das Schützen zur gemeinsamen Veranstaltung beider christlichen Konfessionen. Seit 1834 liegt die Trägerschaft und Durchführung bei der Schützendirektion.

Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Heimatstunde zum festen Bestandteil des Festprogramms. Diese wurde zu einer hochrangigen Veranstaltung, in der jährlich ein neues Thema der Stadtgeschichte behandelt wird. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg setzte die Entwicklung des Historischen Festzugs ein.

Festverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gruppe im Bunten Umzug

Die Jahrgängervereinigungen veranstalten am frühen Abend des Schützensamstags den ersten Umzug durch die Stadt. Alle Jahrgangsjubilare (sortiert nach 40er, 50er ... bis 100er) marschieren vor der Stadtpfarrkirche beginnend, bunt dekoriert, über den Marktplatz zu ihren jeweiligen Festlokalen in der Innenstadt. Tausende neugierige Zuschauer erwarten die Jubilare entlang des Jahrgängerumzugs.

Am Schützenmontag um 9 Uhr früh findet der Bunte Zug statt, bis gegen Mittag findet dann die Ziehung für Schüler/Schülerinnen bis einschließlich zur siebten Klasse statt. Die Schüler/Schülerinnen ab der achten Klasse sind gleichzeitig beim Biberschießen. Am Schützendienstag und Bauernschützen (zweiter Sonntag) finden die beiden historischen Festzüge statt. Dort werden alle wichtigen geschichtlichen Ereignisse der Stadt durch ca. 3.000 kostümierte Teilnehmer dargestellt. Dazu gehören unter anderem die Schwedensoldaten die während des 30-jährigen Krieges gegen die schwarzen Kloks Soldaten, die Stadtsoldaten vom Schloss Horn in Fischbach kämpften, die Räuberbande des Schwarzen Veri sowie Gruppen der verschiedenen Handwerker, wie Gerber, Bierbrauer und Glockengießer.

Am zweiten Freitag gibt es gegen 22.45 Uhr ein großes Feuerwerk, das wie das Lagerleben der Historischen Gruppen und der Vergnügungspark auf dem Gigelberg ist.

Höhepunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Festzüge und Tänze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

eine schnelle Maid auf dem Schützenfest

Im historischen Festzug wird die Stadtgeschichte von der frühesten urkundlichen Erwähnung Biberachs unter den Salier-Kaisern bis zur Bismarck-Ära in exemplarischen Szenen dargestellt. Quellenforschung sowie eine möglichst originalgetreue Wiedergabe historischer Ereignisse und Personen geben dem Festzug am Schützendienstag und nochmals an Bauernschützen sein besonderes Gepräge. Mehr als 200 Gespann- und Reitpferde mit zeitgenössischen Geschirren und Zäumungen sind eine Attraktion. Auch das Lagerleben historischer Festzugsgruppen rund um das Festgelände ist eine Besonderheit des Schützenfestes. Auch die Zunfttänze der Schülern und Schülerinnen tradieren handwerkliches Brauchtum in der Gegenwart. Der Tanz durch die Jahrhunderte zeigt bäuerliche, höfische und bürgerliche Tänze aus unterschiedlichen Epochen. In jüngster Zeit wurde er noch durch Tanzvorführungen des 20. Jahrhunderts ergänzt.

Der Bunte Festzug am Schützenmontag wechselt jährlich das Motto. Jede Biberacher Schule sucht sich ein Thema aus und gestaltet es mit viel Fantasie und Kreativität. Der Wettbewerb unter den Schulen um die beste Darstellung hat sehr zum hohen Niveau des Festzugs beigetragen.

Der Tanz für Jung und Alt auf dem Biberacher Marktplatz vereint weit über zehntausend Menschen aus allen Generationen und Schichten.

Schützentheater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das seit 1819 belegte Schützentheater, das älteste Kinder- und Jugendtheater in Deutschland, gewann seine jetzige Eigenart durch Märchenspiele mit singspielartigen Elementen und großzügiger Ballettausstattung sowie durch ausgetüftelte Massenregie. Auf der Bühne wie im Orchestergraben wirken ausschließlich Kinder und Jugendliche mit.

Biberschießen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Biberschießen schießen Schüler mit der Armbrust auf einen goldenen Biber auf einer Zielscheibe. Der Junge und das Mädchen mit den jeweils meisten Punkten werden Schützenkönig und -königin und fahren bei den beiden Historischen Festzügen mit.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der große Vergnügungspark auf dem Gigelberg sowie die alten Bierkeller sind beliebte Festattraktionen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Biberacher Schützenfest – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien