Biblioteka Narodowa

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Hauptsitz der Nationalbibliothek
Krasiński-Palast Warschau

Die Biblioteka Narodowa w Warszawie (BNW; deutsch Nationalbibliothek in Warschau) ist die polnische Nationalbibliothek. Sie untersteht dem Ministerium für Kultur und Nationales Erbe. Ihr Hauptsitz befindet sich in Warschau, Aleje Niepodległości 213, die Spezialsammlungen werden im Krasiński-Palast, plac Krasińskich 3/5 aufbewahrt.

Ihre Sammlungen umfassen alle in Polen erscheinende Bücher und Zeitschriften, sowie im Ausland erschienene Schriften über polnische Angelegenheiten. Sie erhält Pflichtexemplare aller Veröffentlichungen.

Es ist die wichtigste humanistische Forschungsbibliothek, das Hauptarchiv des polnischen Schrifttums und staatliches Zentrum für Buchinformation. Die Bibliothek spielt auch eine bedeutende Rolle des Forschungszentrums und ist das führende methodologische Zentrum der anderen polnischen Bibliotheken.

Sie ist auch eine Verlagsanstalt – die Bibliothek veröffentliche Bücher und wissenschaftliche Fachzeitschriften: „Polish Libraries“, „Rocznik Biblioteki Narodowej“, „Notes Konserwatorski“[1].

Neben der Warschauer Nationalbibliothek hat auch die Krakauer Jagiellonen-Bibliothek den Status einer Nationalbibliothek.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste polnische Nationalbibliothek, die Załuski-Bibliothek, ist in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden. Sie wurde von Warschauer Bischöfen den Gebrüder Załuski gegründet und wurde 1774 von der Kommission für Nationale Bildung übernommen. Anhand des Beschlusses des Sejms hatte die Bibliothek seit 1780 das Recht ein Pflichtexemplar von allen Büchern, die zur dieser Zeit innenhalb die Grenzen des polnischen Staates gedruckt wurden, zu bekommen[2]. Der Załuski-Bestand wurde von den russischen Truppen der Zarin Katharina II. beschlaggenahmen und nach St. Petersburg gebracht, wo wurde er ein grundlegender Teil der Imperialen Öffentlichen Bibliothek, die 1795 gegründet wurde. Die Bestandteile wurden zerstört während des Transports nach Russland, viele Bücher wurden damals gestohlen[3][4].

Aus diesem Grund als Polen seine Unabhängigkeit 1918 wiedererlangte, war es keine zentrale Institution geeignet für eine nationale Bibliothek. Am 24. Februar 1928 wurde die Biblioteka Narodowa gemäß dem Dekret von Präsident Ignacy Mościcki in einer modernen Form errichtet[5]. Die Bibliothek wurde 1930 geöffnet, sie enthielt damals 200 Tausend Bände. Ihr erster Direktor war Stefan Demby, und dann vom 1937 – Stefan Vrtel-Wierczyński. Der Bibliotheksbestand nahm schnell zu, z. B. 1932 gab Präsident Mościcki alle Bücher und Handschriften des Wilanów-Palast über, d. i. ungefähr 40 Tausend Bände und 20 Tausend Bilder aus der S.K. Potocki-Sammlung.

Am Anfang hatte die Bibliothek kein eigenes Gebäude, weshalb der Bibliotheksbestand an verschiedenen Orten gelagert war. Der Hauptlesesaal befand sich in dem neugebauten Bibliotheksgebäude der Szkoła Główna Handlowa. Im Jahr 1935 wurden die Spezialsammlungen in den Potocki-Palast untergebracht. Das neue Gebäude, geeignet für die Bibliothekszwecke, wurde in der Gegend des Pole Mokotowskie, als Teil des konzeptionierten Regierungsdistrikt, geplant. Die Bau wurde aber wegen des Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verhindert.

Vor dem Zweiten Weltkrieg umfassten die Sammlungen:

  • 6.500.000 Bücher aus dem 19. und 20. Jahrhundert,
  • 3.000 Frühdrucke,
  • 2.200 Inkunabeln,
  • 52.000 Manuskripte,
  • Landkarten und Noten.

1940 übernahmen die Behörden des Generalgouvernements die Sammlungen. Sie errichteten aus den deutschsprachigen Büchern eine nur für Deutsche zugängliche Bibliothek im Gebäude der geschlossenen Warschauer Universität. Die wertvollsten Spezialsammlungen wurden im Krasiński-Palast gelagert. Nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes 1944 im Oktober 1944 wurden diese Sammlungen von deutschen Sondertruppen in Brand gesteckt und verbrannten nahezu vollständig.[6]

80 000 alte Drucke, darunter kostbare Polonica aus 16.-18. Jh., 26 000 Handschriften, 2 500 Inkunabeln, 100 000 Graphiken und Gravierungen, 50 000 musikalische Notationen und die Materialien, die die theatralische Tätigkeit betrafen, wurden zerstört[7]. Man schätzt, dass aus über 6 Millionen Bände, die sich 1939 in den Warschauer Bibliotheken befanden, 3,6 Millionen wurden verloren. Der große Teil gehörte zum Bestand der Biblioteka Narodowa.

Die Bibliothek nahm wieder ihre Tätigkeit 1945 auf. Die Sammlungen, die geraubt wurden und in Deutschland und Österreich sich befanden, und Bestandteile aus den Bibliotheken der Krasinski-Majorat und Przezdziecki-Majorat kamen nach Polen zurück. Erst 1959 kamen von Kanada Kazania świętokrzyskie, Psałterz floriański und die Handschriften Fryderyk Chopins[8].

Im Jahren 1962–1976 wurde ein neuer Komplex der Bibliotheksgebäuden in Aleja Niepodległości 213 errichtet.

Gegenwärtig umfassen die Sammlungen der Nationalbibliothek 7.900.000 Einheiten.

Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute der Bestand der Biblioteka Narodowa zählt zu den größten in Polen. Im Bereich von über 8 500 000 Einheiten, die befanden sich im 2016 in den Bibliotheksmagazine, da war über 162 000 Bände der Drucke, die vor 1801 entstanden, über 26 000 Handschrifteneinheiten (darunter über 7000 Musikhandschriften), über 120 000 Musikdrucke und 485 000 Abbildungen. Es gibt auch Photographien und andere ikonographische Dokumente, über 130 000 Atlanten und Landkarten, über 2 000 000 Einheiten, die dokumentieren das Sozialleben, über 2 000 000 Bücher und über 1 000 000 Titeln der Zeitschriften aus dem 19.-21. Jh.[9]

Zu den berücksichtigungswerten Objekten zählen 151 Karten des Codex Suprasliensis, der 2007 wurde in dem Register des UNESCO-Weltdokumentenerbe eingeschrieben wegen ihrer übernationaler und überregionaler Bedeutung[10].

2012 die Bibliothekbehörde unterschrieb einen Vertrag, der auf einer Zugabe ins Worldcat von 1,3 Millionen Datensätzen der polnischen Bibliothek beruhte[11].

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Biblioteka Narodowa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Polish Libraries“ na liście punktowanych czasopism naukowych, bn.org.pl.
  2. Andrzej Kłossowski, Biblioteka Narodowa w Warszawie. Zbiory i działalność, Warszawa 1990, S. 9-10.
  3. Katarzyna Czechowicz, The 260th anniversary of opening the Załuski Library, eduskrypt.pl.
  4. Maria Witt, The Zaluski Collection in Warsaw, fyifrance.com.
  5. Joanna Pasztaleniec-Jarzyńska, Halina Tchórzewska-Kabata, The National Library in Warsaw. Tradition and the present day, Warsaw 1990, S. 3.
  6. Biblioteka Narodowa. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, Österreich und Europa. Bernhard Fabian (Digitalisiert von Günter Kükenshöner), 2003, S. 1.3, abgerufen am 23. September 2011 (Wissenschaftsportal b2i bibliotheks- buch- und informationswissenschaften).
  7. Joanna Pasztaleniec-Jarzyńska, Halina Tchórzewska-Kabata, The National Library in Warsaw. Tradition and the present day, Warsaw 1990, S. 3.
  8. Encyklopedia Warszawy, Warszawa 1994, S. 60.
  9. National Library of Poland will add 1.3 million more records to WorldCat, researchinformation.info.
  10. Codex Suprasliensis, unesco-ci.org.
  11. National Library of Poland will add 1.3 million more records to WorldCat, researchinformation.info.

Koordinaten: 52° 12′ 50″ N, 21° 0′ 12″ O