Blutrichter

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Blutrichterbroschüre vom Februar 1959

Blutrichter bezeichnete eine Person, der vom Gesetz oder Herrscher das Recht zur Verhängung der Todesstrafe übertragen wurde.[1]

Frühe schriftlich überlieferte Kritik an Blutrichtern kam zum Beispiel von Anton Praetorius (1560–1613), der direkt, schonungslos und scharf die damalige Justiz (Hexenverfolgung) anklagte (in Bericht über Zauberey und Zauberer): „Ihr seid im Unrecht. Ihr steht in des Kaisers Strafe, denn Ihr seid für mutwillige und öffentliche Totschläger und Blutrichter zu halten!“

Literatur, Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blutrichter sind, vor allem in Bezug auf die Terrorherrschaft des Nationalsozialismus während des Zweiten Weltkriegs, vielfach literarisch aufgearbeitet worden.

Bellelistrik, Drama[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sachbuch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Burckhard Jellonnek: Die Auferstehung der Blutrichter und T4-Gutachter. Die braunen Seilschaften an der Saar-Universität nach Kriegsende.[2]
  • Ausschuß für deutsche Einheit (Hrsg.): Wir klagen an: 800 Nazi-Blutrichter. Stützen des militaristischen Adenauer-Regimes. Berlin (Ost) 1959, DNB 890289204, S. 155.
  • FDGB-Bundesvorstand (Hrsg.): Gewerkschaftsfeinde in Richterroben. Eine Dokumentation über die Verbrechen der heute noch in Westdeutschland amtierenden Nazi-Blutrichter und Staatsanwälte gegen antifaschistische Gewerkschafter. Verlag Tribüne, Berlin-Treptow 1962.
  • Klaus Bästlein: Nazi-Blutrichter als Stützen des Adenauer-Regimes. Die DDR-Kampagnen gegen NS-Richter und -Staatsanwälte, die Reaktionen der bundesdeutschen Justiz und ihre gescheiterte „Selbstreinigung“ 1957–1968. In: Helge Grabitz u. a. (Hrsg.): Die Normalität des Verbrechens. Berlin 1994, ISBN 3-89468-142-X, S. 408–443.
  • Helge Grabitz u. a.: Die Normalität des Verbrechens : Bilanz und Perspektiven der Forschung zu den nationalsozialistischen Gewaltverbrechen. Festschrift für Wolfgang Scheffler zum 65. Geburtstag. Hentrich, Berlin 1994, ISBN 3-89468-142-X.
  • Matthias Meusch: Von der Diktatur zur Demokratie : Fritz Bauer und die Aufarbeitung der NS-Verbrechen in Hessen (1956–1968). Dissertation. (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau). Gießen 1998, ISBN 3-930221-10-1.
  • Marc von Miquel: Ahnden oder amnestieren? : westdeutsche Justiz und Vergangenheitspolitik in den sechziger Jahren. Göttingen 1968, ISBN 3-89244-748-9.
  • Wolfgang Proske u. a.: Täter, Helfer, Trittbrettfahrer. Klemm & Oelschläger, Münster 2010, DNB 1049253515.
  • Rüdiger Achenbach, Hartmut Kriege: Von Savonarola bis Robespierre: Religion und Aufklärung im Widerstreit Person. Artemis & Winkler, Düsseldorf 2006, ISBN 3-538-07209-4.
  • Schweriner Volkszeitung / Ausgabe Schwerin-Stadt: Einer heißt Brumm: 1943: Blutrichter in Mecklenburg. In Bonner Diensten. Schwerin 1963, ZDB-ID 43291-x, Band 18.1963, 88.
  • Alfred Seebacher-Mesaritsch: Hexen-Report : Bericht über eine Massentragödie in der Steiermark ; 1425–1746. Leykam, Graz 1972, ISBN 3-7011-7030-4.
  • Sozialdemokratischer Pressedienst: Lob für Lipschitz: Blutrichter sollten keine Pensionen beziehen. 1959, S. 7. (online)
  • Johann Friderich Weiß: Specification Derer Blutrichter, welche das Bluturtheil über seine Majestat, Carolum, König in Engel-, Schott- und Irrland, gefället ; neben dem gefasten, publicirten, auch nunmehr exequirten Blut-Vrtheil selbsten. Franckfurt 1649.
  • Gisela Tascher: Ein Prager "Blutrichter" als Ärzte-Syndikus im Saarland: wie der Jurist Erwin Albrecht trotz übler Vergangenheit bei der Ärztekammer reüssieren konnte. In: Saar-Geschichten: Magazin zur regionalen Kultur und Geschichte. Edition Schaumberg, Alsweiler 2011, ISSN 1866-573X.

Sage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Doctor Schumacher

Film, Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte und berüchtigte Blutrichter und Staatsanwälte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurt Bellmann (1901–?), Karl Bruchhaus (1903–1980), Sadegh Chalchali (1926–2003), Eduard Dreher (1907–1996),[3] Wolfgang Fränkel (1905–2010), Roland Freisler (1893–1945), Julius von Haynau (1786–1856),[4] Horst Neubauer (1897–1981), Hans-Joachim Rehse (1902–1969), Maximilien de Robespierre (1758–1794), Otto Tschadek (1904–1969)[5] und Walter Tyrolf (1901–1971).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Richter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Richter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. David Funck: Der große Helvetische Bund, oder gründliche Fürstellung, der löbl. Eydgenoßschaft… Nürnberg 1690, S. 176.
  2. Die Auferstehung der Blutrichter und T4-Gutachter. Die braunen Seilschaften an der Saar-Universität nach Kriegsende. (PDF) Rezension zu: Gisela Tascher: Staat, Macht und ärztliche Berufsausübung 1920–1956. Gesundheitswesen und Politik: Das Beispiel Saarland. In: Opus Kulturmagazin. S. 70, abgerufen am 9. Oktober 2013; Marc von Miquel: Rentenversicherung in Diktatur und Demokratie. Das Beispiel Rheinland-Pfalz. In: Deutsche Rentenversicherung Rheinland-Pfalz (Hrsg.): forum. Die Zeitschrift für uns. Nr. 3, Dezember 2011, S. 15–16; Gisela Tascher: Obé, Max. In: saarland-biografien.de
  3. Ausschuss für Deutsche Einheit: Gestern Hitlers Blutrichter – heute Bonner Justizelite. 23. Mai 1957, OCLC 312552491.
  4. Berüchtigter österreichischer General, gen. „Hyäne von Brescia“ oder der „Blutrichter von Arad
  5. Ex-Justizminister Tschadek war ein „Blutrichter“. In: Der Standard. 4./5. September 2010, S. 8, [Printausgabe].
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