Boche

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Dieser Artikel befasst sich mit Boche als Bezeichnung für Deutsche. Für weitere Bedeutungen siehe Boche (Begriffsklärung).
Feldpostkarte von 1919 "Un gros bonjour de Bochie" (Viele Grüße aus Deutschland)

Der Begriff boche [bɔʃ] stammt aus dem Französischen und wird überwiegend als herablassende, meist auch diffamierende Bezeichnung für Deutsche gebraucht. Sein Auftreten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fällt in etwa mit dem erneuten Aufkeimen des Deutsch-Französischen Konflikts zusammen. Weiterhin fand boche verstärkt Verwendung im Ersten und Zweiten Weltkrieg und ist auch heute noch gebräuchlich. Während und nach dem Ersten Weltkrieg wurde Bochie (Land der 'boches') herablassend für 'Deutschland' verwendet.[1]

Bedeutungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boche ist ein Ethnophaulismus der französischen Sprache für Deutsche. Mit dem Ausdruck une drôle de boche kann man jedoch auch eine seltsame Geschichte bezeichnen, ohne dass hierbei Bezug auf die deutsche Nationalität genommen würde. Ebenso existiert der Ausdruck boche du nord, mit dem während des Ersten Weltkrieges französische Kriegsflüchtlinge, später Nordfranzosen ganz allgemein bezeichnet wurden.[2] Durch Transfer des Wortes ins Alemannische entstand in Süddeutschland die selbstironische Bezeichnung „Der Bosch“ als seltener Sprachgebrauch. Ernst von Salomon hat den Begriff aufgenommen in seinem Roman „Boche in Frankreich“ (erschienen als rororo Taschenbuch 1950), eine Episode aus seinem kontroversen Werk „Der Fragebogen“.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seinen etymologischen Ursprung hat der Begriff boche wahrscheinlich im Wort alboche, einer Zusammensetzung aus dem Präfix al – abgekürzt für allemand „deutsch“ – und boche für caboche („Dickschädel“). Im 19. Jahrhundert diente die Redewendung tête de boche dazu, jemanden als Dickkopf oder Holzkopf zu beschimpfen, da ursprünglich eine boche eine Holzkugel war, zu vergleichen mit einer Kegelkugel.[3]

Nach dem Sprachforscher Charles Berlitz ist die Endung -boche dagegen (ebenso wie z. B. die Endung -miche) nichts weiter als eine (noch heute im französischen Argot) gebräuchliche Verkleinerungssilbe. So war es im Volksmund üblich, statt von Allemand (= „Deutscher“) von Alboche (= „kleiner Deutscher“/„Deutschlein“) zu reden, ebenso wie man für Italiener häufig das Wort Italboche statt Italien verwendete. Der Begriff Alboche hatte in der französischen Bevölkerung einen leicht herablassenden Beiklang, wurde jedoch nicht als Schimpfwort verstanden.[4]

Die Annahme, der Begriff sei aus dem Namen der Firma Bosch abgeleitet, ist falsch, da diese erst 1886 gegründet, der Begriff jedoch schon im Deutsch-Französischen Krieg von 1870 bis 1871 verwendet wurde. Ebenso falsch ist die in Deutschland noch immer weit verbreitete Ansicht, boche würde Schwein bedeuten oder sei zumindest eine veraltete französische Bezeichnung für das Borstenvieh.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Bosch. Sein Bild nach den maßgebenden Urkunden. Mit Abbildungen nach französischen Originalen. In: Süddeutsche Monatshefte. 21. Jahrgang, Nr. 12. München September 1924 (Inhalt: Die Herrschaft der militärischen Pläne in der Politik (Schulte); Die Rolle der Deutschen in der Zaren-Tragödie (Wipert von Blücher); Der Anteil Badens an der Reichsgründung u. a.).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Definition von alboche, boche und Bochie bei languefrancaise.net.
  2. Philippe Nivet: Les Réfugiés français de la Grande Guerre, les boches du nord, 1914–1920, Economica, 2004.
  3. Wortbedeutung und Etymologie von alboche und boche bei cnrtl.fr.
  4. Charles Berlitz: Die wunderbare Welt der Sprachen S. 212, Paul Zsolnay Verlag Wien/Hamburg 1984, ISBN 3-426-03747-5.