Brimstone

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Dieser Artikel behandelt die Panzerabwehrlenkwaffe, für das Textadventure von 1985 siehe Brimstone (Computerspiel).
Brimstone

MBDA Brimstone
MBDA Brimstone

Allgemeine Angaben
Typ: Luft-Boden-Panzerabwehrrakete
Hersteller: Alenia Marconi Systems (heute MBDA), Boeing
Entwicklung: 1996–2004
Indienststellung: 1999[1][2]
Technische Daten
Länge: 1800 mm
Durchmesser: 178 mm
Gefechtsgewicht: 48,5 kg
Spannweite: 300 mm
Antrieb: Feststoffraketenmotor von Orbital ATK[3]
Reichweite: ca. 12 km+
Ausstattung
Zielortung: Aktives Millimeterwellen-Radar (94 GHz) mit Bilderkennung
Gefechtskopf: 6,5-kg-Tandemhohlladung
Waffenplattformen: Eurofighter, Panavia Tornado
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Brimstone (deutsch: Schwefel oder Zitronenfalter) ist eine britische Panzerabwehrlenkwaffe (englisch: Abk.: ATGM für Anti Tank Guided Missile), die von MBDA für die Royal Air Force gebaut wird. Im Prinzip stellt sie eine Anpassung des Konzepts der hubschrauberbasierten AGM-114 Hellfire an die hohen Geschwindigkeiten von Kampfjets dar.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der 1980er-Jahre stellte das britische Verteidigungsministerium eine Forderung für eine ATGM auf, die von überschallschnellen Kampfflugzeugen gestartet werden kann. Mit dem Ende des Kalten Krieges wurde das Programm jedoch eingestellt. Nach dem Golfkrieg erkannte man das Fehlen einer geeigneten Waffe zur Panzerbekämpfung, sodass die Royal Air Force das Programm 1994 wieder aufnahm. Unter einer Vielzahl von Vorschlägen entschied man sich für die Firma GEC Marconi, die gemeinsam mit Boeing eine modifizierte AGM-114 Hellfire skizzierten. Schnell zeigten sich Probleme, da die Hellfire für die hohen Belastungen der Jets nicht geeignet war. Am Ende wurde eine bis auf die Leitflächen neue Rakete entwickelt. Am 28. September 2000 fand der erste von einer Reihe von Testschüssen statt. Mittlerweile ging die Firma Alenia Marconi Systems in die MBDA über. Die Entwicklung wurde 2001 abgeschlossen und die Rakete ausgeliefert. Die Royal Air Force nutzt die Lenkwaffe seit 2005 und hat sie nach eigenen Angaben zur Luftnahunterstützung im Irak und in Afghanistan erfolgreich eingesetzt. Seit 2008 wird hierfür eine neue Variante der Brimstone, die Dual Mode Brimstone, mit einem zusätzlichen semi-aktiven Laser-Suchkopf genutzt.[4][5]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Zielsuche nutzt die Brimstone einen aktiven Radarsuchkopf im 94-GHz-Band. Daneben verfügt die Rakete noch über einen digitalen Autopilot sowie ein INS.

Die Waffe verfügt über eine Tandemhohlladung mit einer 300-g-Vorladung und einer 6,2-kg-Hauptladung, die in der Lage ist, auch moderne reaktive Panzerungen zu durchschlagen. Das System ist darauf ausgerichtet, Panzer, gepanzerte Fahrzeuge und andere Fahrzeuge zu erkennen und anzugreifen. Ein Feststoffmotor beschleunigt die Rakete in kurzer Zeit auf Überschallgeschwindigkeit und brennt dann im Erhaltungsmodus weiter.

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brimstone: Initialversion mit Millimeterwellen-Radar-Suchkopf.
  • Dual-Mode Brimstone: Version mit semi-aktivem Laser-Suchkopf.
  • Brimstone 2: Verbesserte Version mit modularem Aufbau mit verschiedenen Such- und Sprengköpfen sowie vergrößerter Reichweite. Seit 2010 in Entwicklung und 2014 in Produktion, im Einsatz seit Juli 2016.[6]
  • Brimstone Sea Spear: Version zur Bekämpfung von kleinen Schiffen und Booten. Seit 2011 in Entwicklung.

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Einsatz erfolgte im Rahmen der britischen Beteiligung am Krieg in Afghanistan. Im Juni 2009 feuerte ein Tornado-GR4-Jagdbomber der Royal Air Force Brimstone-Lenkwaffen gegen Ziele in Afghanistan ab.

Der nächste Einsatz erfolgte im Rahmen des Internationalen Militäreinsatzes in Libyen zur Durchsetzung der Resolution 1973 des UN-Sicherheitsrates. Am 25. März 2011 feuerten Tornado-GR4-Jagdbomber der Royal Air Force eine unbekannte Anzahl an Brimstones ab, die sieben T-72-Kampfpanzer der libyschen Armee zerstörten.[7]

Weitere Verwendung fand die Brimstone auch im Einsatz gegen den Islamischen Staat.[8]

Nutzer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Waffe wird von der Royal Saudi Air Force und der Royal Air Force (RAF) eingesetzt. Die RAF setzt die Brimstone auf dem Tornado sowie auf dem Eurofighter ein. Dafür verwendet die RAF einen wiederverwendbaren Dreifachstarter.[9]

Deutschland plant die Beschaffung von Dual-Mode Brimstone 2 für 2019.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. First Brimstone Missile Flight Test Successful (Memento vom 12. Januar 2012 im Internet Archive) Pressemitteilung von Boeing am 23. August 1999
  2. Second Brimstone Missile Flight Test Successful (Memento vom 12. Januar 2012 im Internet Archive) Pressemitteilung von Boeing vom 22. November 1999
  3. http://www.orbitalatk.com/defense-systems/missile-products/brimstone-rocket-motor/ abgerufen am 2. Februar 2016
  4. Janes's International Defence Review Vol. 43, März 2010, S. 6.
  5. „Dual Mode Brimstone Entered Service on Tornado Gr4 Aircraft“ auf Deagel.com; eingesehen am 8. November 2010
  6. Nicholas de Larrinaga: Farnborough 2016: Brimstone 2 enters service, begins Apache trials. In: IHS Jane's Defence Weekly. janes.com, 14. Juli 2016, abgerufen am 15. Juli 2016 (englisch).
  7. RAF launches attacks on Gaddafi armour. The Telegraph, 25. März 2011, abgerufen am 20. August 2013.
  8. Tages-Anzeiger: Pannenabwurf – Lebensmittel und Munition für den IS, abgerufen am 16. Oktober 2014
  9. Nutzung der Brimstone bei der britischen Royal Air Force (eingesehen am 12. Aug. 2009)
  10. Oberstleutnant Oliver Engels: Die Bewaffnung des Eurofighters. In: Mittler Report Verlag (Hrsg.): Europäische Sicherheit & Technik. ca 11.000 Auflage. November Ausgabe, Nr. 11/16. Mittler Report Verlag, ISSN 2193-746X, S. 63.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]