Calcanten-Glocke
Die Calcanten-Glocke (auch Calcanten-Glöcklein,[1] Kalkantenglocke, Kalkantenwecker oder Balgglocke[2]) ist ein historischer Registerzug an der Orgel, der eine kleine Glocke läutete – für den Balgtreter das Zeichen, den Blasebalg wieder mit Luft zu füllen, so dass der Organist mit dem Spiel beginnen konnte.[3]
Hintergrund
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Bei einer längeren Spielpause der Orgel im Gottesdienst leerten sich allmählich die Bälge des Windwerks. Da die Balgtreter manchmal während des Gottesdienstes einschliefen oder sich von ihrer Position entfernten,[4] musste der Organist ihnen ein Zeichen geben, die Bälge wieder mit Luft zu füllen. Dieser Vorgang dauerte einige Sekunden, so dass das Zeichen rechtzeitig vor dem Orgeleinsatz gegeben werden musste.
Technische Erneuerung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach Einführung von elektrischen Radialventilatoren übernimmt heutzutage der An-/Aus-Schalter diese Funktion. Die typische Vorlaufzeit einer Orgel bleibt bestehen. An manchen historischen Orgeln ist der ursprüngliche Kalkantenzug noch erhalten oder bei einer originalgetreuen Restaurierung wiederhergestellt worden.
Orgeln mit historischer Kalkantenglocke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Orgel der Kirche Althen von Urban Kreutzbach, 1855
- Buchholzorgel in Groß Bünzow
- Egedacherorgel im Kloster Vornbach
- Orgel der Kirche Bangstede von Johann Gottfried Rohlfs, 1794/1795
- Orgel der Pfarrkirche St. Antonius (Saarhölzbach) von Gebr. Späth, Baujahr 1903
- Orgel der St.-Bartholomäus-Kirche in Schwegenheim von Gustav Schlimbach aus 1860[5]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Marie König: Brandenburg: Die Ratzmann Orgel mit ihrer Kalkantenklingel. ( vom 26. August 2021 im Internet Archive) SWR2 Treffpunkt Klassik, 16. August 2021.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Johann Christoph Adelung: Calcant, der. In: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. 2. Auflage. Band 1: A–E. Breitkopf, Leipzig 1793, S. 1293 (Digitalisat. zeno.org).
- ↑ Gustav Schilling: Universallexicon der Tonkunst. Köhler, Stuttgart 1835; archive.org.
- ↑ Musikalisches Conversations-Lexikon. books.google.de
- ↑ Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. books.google.de
- ↑ Eintrag „Schwegenheim, Deutschland (Rheinland-Pfalz) – Katholische Pfarrkirche Sankt Bartholomäus“ (Beschreibung Nr. 2072409). In: Orgeldatenbank orgbase.nl. Abgerufen am 19. Mai 2025.