Canyengue

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Aussprache von Spanisch "Canyengue"
Tango Canyengue-Tanzhaltung

Canyengue, Aussprache [kanˈdʒɛnge], bezeichnet:

  • eine sehr ursprüngliche, plump, schelmisch und machistisch wirkende Stilart, den Tango rioplatense zu tanzen (um das Jahr 1900 entstanden - zurück zu den afrikanischen Wurzeln des Tangos). Die Canyengue-Tanzart steht im Gegensatz zum eleganten Stil des Tango de salón.
  • die musikalische Technik, Perkussionseffekte ohne Schlagzeug auf anderen Instrumenten hervorzurufen: efecto canyengue oder auch golpe canyengue genannt.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sprachforscher sind sich einig, dass das Lunfardo-Wort Canyengue afrikanischen Ursprungs ist. Es handelt sich wohl um die Verschmelzung der Bantu-(Kimbundu)-Wörter Candombe und yongo zu canyongo > canyengue. Uneinig sind sich die Etymologen jedoch über die ursprüngliche Bedeutung dieses sprachlichen Afrikanismus. Häufig angebotene Erklärungen sind: caminar cadencioso (rhythmisches Gehen), andar desgarbado (schlaksiges Gehen), caminar arrabalero (angeberische Gangart der Vorstädter) oder auch danza canalla (Tanz des Pöbels, Tanz der unteren Schichten). [1]

Tanzstil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tango-Canyengue hat sich aus dem Candombe urugayo entwickelt. Seine burleske Art steht im Gegensatz zum eleganten Tango de salón-Stil. In dieser heute etwas plump und grob wirkenden Manier wurde der Tango im ausgehenden 19. Jahrhundert in den Metropolen des Río de la Plata, Buenos Aires und Montevideo, ursprünglich getanzt: in engster Umarmung, mit extrem gebeugten Knien. Die Frau steht quasi im rechten Winkel zum Mann an seiner rechten Seite, die Achse ist leicht seitlich geknickt. Der linke Arm des Mannes und der rechte Arm der Frau werden in Hüfthöhe gehalten und in alle Richtungen bewegt. Zeitweise wird sogar enger Beckenkontakt aufgenommen. Manchmal berührt die Hand des Mannes das Gesäß der Frau. So wirkt der Charakter des Canyengue fröhlich-derb, machistisch. [2] Tango Canyengue wird mit kleinen Schritten getanzt, im Gegensatz zum langschrittigen Tango de salón.

Wie erkennt man nun, ob ein Tango geeignet ist, im Canyengue-Stil getanzt zu werden? Ein berühmter Tangotänzer, El Pibe Palermo [3], sagte einmal spaßhaft dazu, man müsse nur der Musik gut zuhören, und wenn sich dann die Knie zu biegen begännen, dann sei es die Richtige.[4] Da es sich bei Tango-Canyengue um den ursprünglichen Tango-Tanzstil handelt, sind die ältesten überlieferten Tango-Stücke am besten dazu geeignet. So z.B.: Zorro gris [5], komponiert 1 921von Rafael Tuegols [6], El Apache argentino [7], komponiert 1913 von Manuel Aróztegui, Roberto Firpos El Amanecer [8] aus dem Jahre 1928 und El Acomodo [9] von Edgardo Donato, 1933.

Armarse canyengue, caminar canyengue - heutzutage tanzt man im Tango-Canyengue-Stil zu diesen ältesten Tangostücken mit einem humorvoll-distanzierten, ironisch-satirischen Bewusstsein, etwa, um sich über den übertrieben eleganten Stil des Tango de salón lustig zu machen oder einfach, um Spaß zu haben, "just for fun".[10]

Der perkussive Canyengue-Effekt - golpe canyengue[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kontrabassist Leopoldo Thompson[11], Mitglied in den Tango-Orchestern Roberto Firpos und Francisco Canaros erfand die Technik, Perkussionseffekte auf dem Kontrabass hervorzurufen, um bestimmte Noten zu betonen, “Canyengue-Effekt” oder "golpe canyengue" genannt. Sei es durch Schlagen mit der Holzseite des Bogens auf die Saiten des Streichinstrumentes oder durch Schlagen mit der Handfläche auf den hölzernen Klangkörper. Auch andere Canyengue-Techniken [12] erzeugen Perkussionsgeräusche: z.B. klopfen die Geiger mit den Fingern oder dem Bogen gegen den Klangkörper ihrer Geige oder kratzen mit dem Bogen vor dem Steg. Die Bandoneonisten schlagen mit ihrem Fingern oder mit der Handfläche auf den Klangkörper des Bandoneons. Diese perkussiven Techniken wurden eingeführt, weil spezifische Schlaginstrumente in den Besetzungen der Tango-Orchester fehlten.[13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Show-Vorführungen im Tango-Canyengue-Stil:

Unterrichts-Beispiel zum Tango-Canyengue Stil:

Artikel online:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sylvie Delisle y Boguslaw Dygasiewicz: Canyengue - Danza canalla
  2. Leopoldo Flumini: Tango Canyengue als Tanz
  3. El Pibe Palermo, berühmter Tango-Tänzer
  4. Was braucht es, Canyengue tanzen zu lernen?
  5. Los Tubatango - Zorro gris
  6. w:es:Rafael Tuegols
  7. Los Tubatango - „El Apache argentino“
  8. Partitur und Hörbeispiel zu Roberto Firpo "El Amanecer", mit Canyengue-Effekten
  9. Edgardo Donato – „El Acomodo“, 1933
  10. just for fun
  11. Leopoldo Thompson, Erfinder des Canyengue-Effektes: „A sound that is produced by hitting the strings with the bow or with the palm of the right hand.”
  12. Quartett Al Tango spielt "Zorro gris"- Auf dem Video sieht man - von 1:17 bis 1:20 -, wie die Instrumentalisten mit der Handfläche auf den Klangkörper ihrer Instrumente schlagen.
  13. Interview mit Carel Kraayenhof von Sexteto Canyengue