Capablanca – Bernstein, San Sebastián 1911

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Capablanca – Bernstein, San Sebastián 1911 ist eine der berühmtesten Partien in der Schachgeschichte. Sie stand am Anfang der Karriere des späteren Weltmeisters José Raúl Capablanca. Sein Gegner war der spätere Internationale Großmeister Ossip Bernstein. Ausgetragen wurde die Partie 1911 in dem Turnier von San Sebastián (Spanien).

Capablanca selbst sagte im Rückblick über die Begegnung:

Einige der Meister hatten vor dem Turnier Einwände gegen meine Teilnahme. Einer von ihnen war Dr. Bernstein. Ich hatte das Glück, auf ihn schon in der ersten Runde zu stoßen und ihn in solcher Weise zu schlagen, dass man mir den Rothschild-Preis für die brillanteste Partie des Turniers verlieh.

Anmerkungen zur Partie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1. e2–e4 e7–e5 2. Sg1–f3 Sb8–c6 3. Lf1–b5

Die Spanische Partie, eine der meistgespielten und -untersuchten Eröffnungen. Sie ist auf allen Spielstärkeniveaus sehr beliebt.

3. … Sg8–f6 4. 0–0 Lf8–e7 5. Sb1–c3 d7–d6

Es ist die Steinitz-Verteidigung in der Spanischen Partie entstanden.

6. Lb5xc6+

Tarrasch tadelt diesen Zug: Was der Abtausch an dieser Stelle für einen Sinn haben soll, ist nicht ersichtlich. Der natürliche Zug war 6. d2–d4.

Viswanathan Anand tauschte gegen Gilberto Milos im Jahre 2004 in Sao Paulo erst nach 6. d2–d4 Lc8–d7 mit 7. Lb5xc6 ab. Nach Ld7xc6 8. Tf1–e1 e5xd4 9. Sf3xd4 Lc6–d7 10. h2–h3 0–0 zentralisierte er mit 11. Dd1–f3 Tf8–e8 12. Lc1–f4 c7–c6 13. Ta1–d1

6. … b7xc6 7. d2–d4 e5xd4 8. Sf3xd4 Lc8–d7
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Stellung nach dem 8. Zug von Schwarz

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9. Lc1–g5

Von Lasker in seinem ersten Wettkampf mit Janowski eingeführt und seit dem Petersburger Turnier 1909 als stärkste Fortsetzung anerkannt. Ich halte den Zug für schwach, da er lediglich zum Abtausch des schönen Läufers führt und so das schwarze Spiel erleichtert und seine Entwicklung fördert. Die von mir im Turnier zu Manchester 1890 zuerst gespielte Entwicklungsweise b2–b3 nebst Lb2 führt sehr häufig zu einem Mattangriff auf den Punkt g7 und ist bei weitem vorzuziehen. (Tarrasch)

Es war die Partie Tarrasch-Blackburne, Manchester 1890, in der ohne Lb5xc6 quasi 6. d2–d4 e5xd4 7. Sf3xd4 Lc8–d7 8. b2–b3 0–0 9. Lc1–b2 geschah.

Beim 9. DSB Kongress 1894 in Leipzig wiederholte Tarrasch gegen Schlechter quasi nach 6. d2–d4 Lc8–d7 7. Tf1–e1 Sc6xd4 8. Sf3xd4 e5xd4 9. Lb5xd7+ Dd8xd7 10. Dd1xd4 0–0 11. b2–b3 erfolgreich das Fianchetto.

In der Schachweltmeisterschaft 1908 gegen Laser wandte Tarrasch quasi nach 6. d2–d4 Lc8–d7 7. Tf1–e1 e5xd4 8. Sf3xd4 0-0 9. Sd4xc6 Ld7xc6 10. Lb5xc6 b7xc6 11. Sc3-e2 Dd8-d7 12. Se2-g3 Tf-e8 13. b2-b3 das Fianchetto an.

9. … 0–0 10. Tf1–e1 h7–h6 11. Lg5–h4 Sf6–h7

Die beste Methode, Ausgleich zu erlangen, wurde in der dritten Partie des Weltmeisterschaftskampfes Capablanca-Lasker von letzterem gezeigt: 11. … Tf8–e8 12. Dd1–d3 Sf6–h7 13. Lh4xe7 Te8xe7 14. Te1–e3 Dd8–b8 15. b2–b3 Db8–b6. (Golombek)

12. Lh4xe7 Dd8xe7 13. Dd1–d3 Ta8–b8

Emanuel Lasker, der die Partie für den Pester Lloyd analysierte, hielt 13. … Te8 für natürlicher, um f8 für den Springer frei zu machen.

14. b2–b3 Sh7–g5 15. Ta1–d1

Tarrasch findet keine guten Worte für Capablancas Eröffnungsbehandlung. Er empfiehlt an dieser Stelle 15. f2–f4.

15. … De7–e5 16. Dd3–e3 Sg5–e6 17. Sc3–e2 De5–a5

Tarrasch hält dies für gefährlich und empfiehlt 17. … Se6–c5.

18. Sd4–f5 Se6–c5

Der Bauer a2 ist tabu wegen (18. … Dxa2) 19. Dc3 Da6 20. Sf4 f6 21. Dg3 usw. Une petite combinaison. (Prins)

19. Se2–d4 Kg8–h7
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Stellung nach dem 19. Zug von Schwarz

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20. g2–g4

Ein typischer Capablanca-Zug, der vollkommen mit der sichtlichen Leichtigkeit harmoniert, mit der Weiß die ganze Stellung aufgebaut hat. (...) Eine der phänomenalen Eigenschaften des Kubaners war gerade seine selten versagende Intuition beim Erkennen solcher Situationen, in denen „Ausspannung“ an die Stelle von Anstrengung treten musste. (Prins)

20. … Tb8–e8 21. f2–f3 Sc5–e6
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Stellung nach dem 21. Zug von Schwarz

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22. Sd4–e2

Kasparow hält diesen Zug für zweifelhaft: Ein rein intuitives Opfer des Bauern a2 um Angriff gegen den König zu erlangen. (...) Ich glaube, Mitte der 20er Jahre würde der Kubaner 22. Se2?! schon nicht mehr gespielt haben. Auch Tarrasch tadelt diesen Zug, findet allerdings Anerkennung für die Kühnheit des jungen Kubaners, der zwei Bauern auf dem Damenflügel opfert, um am Königsflügel anzugreifen.

22. … Da5xa2?

Schließlich nimmt Schwarz den Bauern. Ich darf hierzu bemerken, dass Dr. Bernstein, der mir dies in unserer damaligen Konversation mitteilte, nicht die leiseste Ahnung von dem hatte, was nun folgt. Man sollte ihn aber nicht allzu sehr tadeln, da die der Stellung innewohnende Kombination sehr tief ist und schwer vorherzusehen. 22. … Db6, statt des Textzuges, hätte die Stellung vereinfacht, aber trotzdem wäre der Anziehende in Vorteil. (Capablanca) Lasker erklärt den Vorteil, den Weiß nach der Folge 22. … Db6 23. Sd4 genießen würde, für "infinitesimal".

23. Se2–g3
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Stellung nach dem 23. Zug von Weiß

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23. … Da2xc2?

Das zweite Schlagen ist verhängnisvoll, aber wie ich schon zuvor sagte, hat Schwarz keine Ahnung von dem Sturm, der sich über ihm zusammengebraut hat. Wie Lasker bemerkte, war hier 23. … f7–f6 notwendig. Setzte Weiß darauf seinen Angriff mit 24. Sh5 fort, folgte 23. … Tf7. (Capablanca)

24. Td1–c1

Solchen Belästigungen ist eine alleinstehende Dame, die sich leichtsinnig auf Abenteuer begeben hat, natürlich sehr oft ausgesetzt. (Tarrasch)

24. … Dc2–b2 25. Sg3–h5 Tf8–h8

Gemäß Capablanca gab es nichts Besseres, gemäß Kasparow ist dies der entscheidende Fehler. Er empfiehlt 25. … g7–g5!? oder 25. … Tf8–g8!?, worauf Weiß zwar weiterhin Angriff hat, aber ein Gewinn nicht nachzuweisen ist. Tarrasch erwägt hier auch 25. … Te8–d8. Laut Lasker bot 25. … f7–f6 nebst Tf8–f7 eine bessere Verteidigung.

26. Te1–e2 Db2–e5 27. f3–f4 De5–b5
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Stellung nach dem 27. Zug von Weiß

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28. Sf5xg7!

Schließlich sehen wir klar das Ergebnis der Züge des Damenspringers. Dieser Zug stellt den Wendepunkt durch die bereits im 21. Zug eingeleiteten Kombination dar. (Capablanca)

28. … Se6–c5

Dieser Zug ist der letzte Fehler Bernsteins. Mehr Widerstand konnte er mit 28. … Db6 leisten. Capablanca schreibt, dass er 28. … Se6xg7 erwartete, worauf 29. Sf6+ Kg6 30. Sxd7 f6 31. e5 Kf7 32. Sxf6 Te7 33. Se4 mit unhaltbarer Stellung für Schwarz geplant war. Prins findet, dass auch die Variante 28. … Td8 29. f5 Sf8 30. Dc3 Dc5+ 31. Dxc5 dxc5 32. e5 eine Lust für das Auge ist.

29. Sg7xe8 Ld7xe8 30. De3–c3 f7–f6 31. Sh5xf6+ Kh7–g6 32. Sf6–h5 Th8–g8 33. f4–f5+ Kg6–g5 34. Dc3–e3+

Schwarz gibt auf.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. R. Capablanca: My Chess Career. New York 1920. (hier: Nachdruck 1966, S. 48–54)
  • H. Golombek: Capablanca's 100 Best Games of Chess. London 1947 (hier: Auflage 1980, S. 38–40)
  • G. Kasparow: Moi welikie predschestwenniki. [Meine großen Vorgänger]. Band 1, Moskau 2003, S. 254–256.
  • L. Prins, M. Euwe: Capablanca, Das Schachphänomen. Hamburg 1979, S. 23–26.
  • S. Tarrasch: Die moderne Schachpartie. 2. Auflage. Leipzig 1916. (hier: Nachdruck Zürich 1986, S. 33–36)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]