Carl Theodor Wagner

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Carl Theodor Wagner
Elektrotechnische Fabrik

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Rechtsform Seit 1923 AG
später Produktions-GmbH
Gründung 1852
Auflösung 1977
Sitz Wiesbaden
Leitung Letzter Geschäftsführer: Ernst Wagner
Branche Elektrotechnik

Carl Theodor Wagner
Das Haus mit Gerüst ist die ehemalige Uhrenfabrik in der Mühlgasse 6 (bis 1915), Blick nach Südosten
Fassadendetail des Firmengebäudes in der Schiersteiner Straße

Carl Theodor Wagner (* 20. Mai 1826 in Usingen; † 28. März 1907 in Wiesbaden) war ein deutscher Uhrmachermeister und Unternehmer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Theodor Wagner absolvierte eine Uhrmacherlehre in seiner Geburtsstadt, arbeitete als Geselle in Frankfurt am Main und Mannheim und lernte bei Professor Meidinger in Heidelberg die Prinzipien des Elektromagnetismus kennen. Er eröffnete 1852 eine Werkstatt in Usingen und begann mit der Produktion von elektrischen Uhrenanlagen. Gefördert wurde Wagner durch Herzog Adolf, der ihn 1862 und 1863 auf die Weltausstellungen reisen ließ und auch dafür sorgte, dass er den Firmensitz nach Wiesbaden verlegte.

Die Werkstatt befand sich ab 1863 zunächst in der Goldgasse. 1885 zog die Fabrik in die Mühlgasse 6. Nach Wagners Rückzug aus dem Geschäftsleben führten seine Söhne das Unternehmen fort. 1915 verlegte die C. Theod. Wagner Elektrotechnische Fabrik ihren Sitz erneut. Aus der Wiesbadener Innenstadt zog das expandierende Unternehmen in die Schiersteiner Straße 31-33 an den damaligen Stadtrand in ein neu errichtetes Produktionsgebäude mit Wohn- und Geschäftshaus.

Uhrenanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uhrenanlagen bestanden aus einer Hauptuhr (Mutteruhr) und beliebig vielen Nebenuhren (Tochteruhren) ohne zeitgebendes Werk, die von der Hauptuhr elektrische Sprungimpulse in Minutenabstand erhielten und damit dieselbe Uhrzeit anzeigten. Für die Übertragung, über häufig lange Freileitungen entlang der Bahntrassen, verwendete man polwendende Gleichstromimpulse. Durch die Umkehr der Stromrichtung von Minute zu Minute war es möglich, zusätzliche falsche Impulse auszugleichen, indem die Tochteruhr den nächsten Regelimpuls überging und erst in der folgenden Minute weitersprang. Falsche Impulse konnten durch Induktion als Folge eines Blitzeinschlags in parallel-laufende Leitungen entstehen. Der Polwechsel verhinderte außerdem, dass elektromagnetische Bauteile der Nebenuhren bei immer gleicher Polung mit der Zeit selbst magnetisiert und die Anzeige damit unzuverlässig wurde.

Weitere Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außer Uhrenanlagen produzierte CTW nach einer Anzeige der Firma aus dem Jahr 1876/1877 Musikwerke, Spieldosen, Haustelegraphen, „elektrische Signal- und Schellen-Apparate nach eigener Erfindung und solidester Konstruktion für Hotels, Herrschaftshäuser und Fabriken“, Induktionsapparate, galvanische Batterien und „Sicherheits-Apparate gegen Diebe“.

Patente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit dem Kasseler Uhrmacher Heinrich Grau erfand Wagner das System Grau-Wagner, das eine der Grundlagen der Großuhrenproduktion des bis 1977 bestehenden Unternehmens Wagner war. Es verbesserte die Betriebssicherheit von Uhrenanlagen durch eine sogenannte Fangvorrichtung, die die Drehrichtung der Schrittschaltwerke bei Nebenuhren sicher stellte und das Überspringen einer Minute durch eine zweite blockierte (Patent von 1880 und 1881 an Heinrich Grau).[1]

1879 bekam er das Patent für einen Elektrischen Apparat zur Erzeugung langsamer Schläge an elektrischen Glocken, wodurch der Betrieb automatisch schlagender Kirchturmuhren ermöglicht wurde.

Verbreitung der Uhren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründerzeit war die Blütezeit des Werkes, das zeitweise weltweit Kunden belieferte. Ab 1880 waren die Grau-Wagner-Werke Hauptlieferant für Uhrenanlagen verschiedener Staats- und Privatbahnen im Deutschen Reich.[* 1] So besaß z. B. der Frankfurter Hauptbahnhof eine Wagner-Anlage mit etwa 50 Nebenuhren. Mit dem Aufkommen der Quarzuhren in den 1960er Jahren geriet das Unternehmen in Schwierigkeiten und produzierte am Schluss nur noch für Abnehmer wie Siemens und Standard Elektrik Lorenz, ehe es Konkurs anmelden musste.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Heinrich Schmid: „Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850–1980: Firmenadressen, Fertigungsprogramm, Firmenzeichen, Markennamen, Firmengeschichten.“ (3. erweiterte Auflage 2017); Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Chronometrie e.V.; ISBN 978-3-941539-92-1
  • Margrit Spiegel: Wiesbadener Firmenbriefköpfe aus der Kaiserzeit 1871-1914. Wiesbaden 2003, S. 144–147. ISBN 3-9808702-0-0
  • Artikel in der Rhein-Main-Presse von Manfred Gerber vom 6. Juli 2000: Wiesbaden lieferte einst Uhren in alle Welt

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsches Patent No. 13289 vom 29. Juli 1880: Elektrisches Zeigerwerk mit rotierender Ankerbewegung und polarisiertem Anker, Einreicher/Erfinder: Heinrich Grau, Cassel
    Deutsches Patent No. 18057 vom 8. November 1881: Neuerungen an dem unter No. 13289 patentierten Zeigerwerk mit rotierender Ankerbewegung und polarisiertem Anker, Einreicher/Erfinder: Heinrich Grau, Cassel

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. nicht Hauptlieferant der Deutschen Reichsbahn, diese wurde erst 1920 gegründet.