Carl Toldt

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Carl Toldt vor 1897
Porträt im Anatomischen Institut Wien

Carl Toldt (auch Karl Toldt [sen.], * 3. Mai 1840 in Bruneck/Südtirol; † 13. November 1920 in Wien) war ein österreichischer Professor für Anatomie.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1864 beendete Carl Toldt sein Medizinstudium an der Universität Wien. Nach seiner Habilitation wurde er dort zum Professor für Anatomie berufen. Im Jahr 1876 wechselte er kurzzeitig nach Prag, kehrte aber schon im selben Jahr nach Wien zurück. 1897 wurde er zum Rektor der Universität Wien ernannt.[2] Er forschte über die zeitliche Reihenfolge des Auftretens der Knochenkerne und bewies, dass eine eigentliche Kinnbildung nur beim Menschen zu finden ist (Toldtsches Gesetz). Nach den Badeni-Krawallen galt Toldt als Leitfigur für völkische Studenten und versuchte, die antisemitische Agitation der Bewegung zu verteidigen. Zudem vertrat er die Vorstellung, dass die Universität Wien eine Heimstätte anderer „Nationen“ Österreich-Ungarns sei, die jedoch unter dem „deutschen Kulturprimat“ zu stehen hätten.[3] Nach seiner Emeritierung beschäftigte er sich weiter in seinem Fachgebiet. Im Jahr 1905 wurde er zum Mitglied des Herrenhauses ernannt.

Sein zweiter Sohn war der Zoologe Karl Toldt [jun.].

Schüler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1898 bis zur Promotion im Jahr 1902 der spätere Vorstand des Anatomischen Institutes der Universität Innsbruck Felix Sieglbauer (1877–1974).

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1887 wurde er zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt.[4] Kurz vor seinem Tod, am 15. Juli 1920 wurde er als korrespondierendes Mitglied in die Preußische Akademie der Wissenschaften aufgenommen.[5]

Im Jahr 1932 wurde in Wien-Penzing (14. Bezirk) der Karl-Toldt-Weg nach ihm benannt.[6]

Schriften und Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lehrbuch der Gewebelehre mit vorzugsweiser Berücksichtigung des menschlichen Körpers (1. Aufl. 1877).
  • mit Ferdinand Hochstetter, Heinrich Hayek: Anatomischer Atlas für Studierende und Ärzte (6 Bände).
  • Geschichte der Familie Toldt. In: Schlern-Schriften Band 45, 1940.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reinhard Hildebrand: Rudolf Albert Koelliker und seine wissenschaftlichen Kontakte zum Ausland. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 2, 1984, S. 101–115; hier: S. 111.
  • Karl Toldt (1840–1920). In: Nature, Vol. 145 (27. April 1940), S. 654–663 (Abstract, nature.com, engl.).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Professorenkollegium der medizinischen Fakultät der Universität Wien, Wien 1908-1910. Bildnachweis: Sammlungen der Medizinischen Universität Wien – Josephinum, Bildarchiv; Zugehörige Personenidentifikation.
  2. Artikel in: Wiener Bilder, 14. November 1897, S. 9 (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wrb
  3. Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“ (PDF; 4,4 MB), S. 313, Forschungsprojektendbericht, Wien, Juli 2013.
  4. Mitgliedseintrag von Karl Toldt bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 30. November 2015.
  5. Mitglieder der Vorgängerakademien. Carl Toldt. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 23. Juni 2015.
  6. Karl-Toldt-Weg im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien.