Cigarettenfabrik Dressler

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Die Cigarettenfabrik Dressler KG wurde in Dresden am 4. August 1929 von Arthur Dressler und seinem Kommanditisten Ernst Stephan aus Weißig/Königstein gegründet. Dazu gehörte als Vermarktungsfirma die Zigarettenfirma Sturm GmbH. Die Firma produzierte Zigaretten, die in der Sturmabteilung (SA) geraucht werden sollten. Daher galt die Firma als Zigarettenfabrik der SA.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine neue Zigarettenfabrik zu gründen, war Ende der 1920er Jahre schwer. Der Markt war heiß umkämpft. Besonders die großen Tabakkonzerne teilten den Markt unter sich auf. Dressler, der viele Freunde in SA hatte, entwickelte die Idee, einen Zigarettenfabrik zu gründen und mehrere spezielle neue Marken zu schaffen. Sie sollten u. a. den Namen „Sturm“ „Trommler“, „Alarm“ und „Neue Front“ tragen und zu »Standardzigaretten« der SA gemacht werden. Auf Vermittlung des Fraktionschefs der sächsischen NSDAP Manfred von Killinger machte Dressler dem in München lebenden SA-Stabschef Otto Wagener den Vorschlag, dass die SA bei ihren Mitgliedern darauf drängen sollte, sie sollten nur diese Marken rauchen. Die wegen der vermutlich eingesparten Werbegelder hohen Gewinne wollte Dressler anteilig der SA-Führung zur Verfügung stellen. Diese Idee fanden Wagener und die NSDAP interessant, denn die SA hatte bis dahin kaum eigene Einkünfte und hing am Tropf der NSDAP. Daher steuerten Wagener und die NSDAP-Führung sogar Gelder für die Errichtung der Fabrik bei.[1] Da die NSDAP nur 30.000 Reichsmark aufbringen konnte, wurde ein Unternehmer aus Dresden zur Unterstützung des Unternehmens gewonnen. Der Freund der NSDAP und Gründer des Bahnhofsbuchhandels Jacques Bettenhausen aus Dresden sprang mit einer Summe von 500.000 Reichsmark ein. Im Handelsregister stand der Name des Gründers Dressler, für die Vermarktung wurde die „Zigarettenfabrik Sturm GmbH“ gegründet.[2] Die SA-Führung setzte durch, dass die SA-Männer nur Zigaretten der Marke Sturm rauchten. Der Konsum anderer Zigaretten wurde verboten.

Als der Kommanditist Stephan im März aus der Firma 1931 ausstieg, übernahmen Otto Wagener und ein Eberhard Groos aus Dresden Anteile von 5000 Reichsmark. Beide schieden 1932 aus. An Wagners Stelle trat am 14. April 1932 der, ebenfalls der NSDAP angehörende, Münchener Rechtsanwalt Rudolf Karpf. Da die Geschäfte außerordentlich gut liefen, machte Dressler im November 1932 seine Frau und seine drei minderjährigen Kinder mit einer Einlage von je 10.000 RM zu Kommanditisten.[3]

Nach dem „Röhm-Putsch“ im Juni 1934 wurden die guten Kontakte der Firma Dressler, die hohen SA-Führer, erschossen oder manchmal auch nur verhaftet. Stabschef Wagener hatte sein Amt schon früher verloren. Das bot der Reemtsma die Möglichkeit, ihren Konkurrenten auszubooten. Nach einer Anfrage Reemtsmas bei dem neuen Stabschef Viktor Lutze war der bereit, die Bindung an Dressler zu lösen, wenn Reemtsma den gleichen Betrag an die SA zahle wie vorher Dreßler – etwa 250.000 RM. Reemtsma stimmte zu und die SA beendete die Verträge mit der Firma Dressler, die daraufhin bankrott ging.[4] Denn die SA Zigaretten waren unverkäuflich.[5] Von nun an produzierte Reemtsma die SA-Zigaretten und zahlte jedes Jahr eine feste Summe – 1934 waren es 250.000 RM – an die SA.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Grosche: Arthur Dressler. Die Firma Sturm - Zigaretten für die SA. In: Christiane Pieper, Mike Schmeitzner, Gerhard Naser (Hrsg.): Braune Karrieren. Dresdner Täter und Akteure im Nationalsozialismus. Sonderausgabe für die sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Sandstein Verlag Dresden 2012, ISBN 978-3-942422-85-7, S. 193-199.
  • Henry Ashby Turner: Otto Wagener: Der vergessene Vertraute Hitlers. In: R. Smelser et al.: Die braune Elite II. Darmstadt 1993. S. 246f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erik Lindner: Die Reemtsmas - Geschichte einer deutschen Unternehmerfamilie. Hoffmann und Campe, Hamburg 2007, ISBN 978-3-455-09563-0, S. 69ff.
  2. Thomas Grosche: Arthur Dressler: die Firma Sturm - Zigaretten für die SA. In Christiane Pieper, Mike Schmeitzner, Gerhard Naser (Hrsg.): Braune Karrieren. Dresdner Täter und Akteure im Nationalsozialismus. Sonderausgabe für die sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Sandstein Verlag Dresden 2012, ISBN 978-3-942422-85-7, S. 193f.
  3. Thomas Grosche: Arthur Dressler: die Firma Sturm - Zigaretten für die SA. In: Christiane Pieper, Mike Schmeitzner, Gerhard Naser (Hrsg.): Braune Karrieren ... Dresden 2012, S. 194f.
  4. Erik Lindner: Die Reemtsmas - Geschichte einer deutschen Unternehmerfamilie. Hoffmann und Campe, Hamburg 2007, ISBN 978-3-455-09563-0, S. 131ff.
  5. Michael Prellberg: Gruppenbild mit Kippe - Vom kleinen Tabakhandel zum größten deutschen Zigarettenkonzern: Erik Lindner erzählt die Geschichte der Reemtsmas als Familienchronik mit süßlichem Aroma. Rezension des Buches Erik Lindner: Die Reemtsmas - Geschichte einer deutschen Unternehmerfamilie. Hoffmann und Campe, Hamburg 2007, ISBN 978-3-455-09563-0. In: Financial Times Deutschland. 22. Juni 2007. Online-Zugriff über Internetarchive ftd.de am 21. Juni 2007: Gruppenbild mit Kippe (Memento vom 11. Februar 2013 im Webarchiv archive.is). Zugriff 20. August 2014.