Clemens von Ketteler

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Clemens von Ketteler
Der Ketteler Bogen wurde 1903 über dem Sterbeplatz errichtet[1]
Der Bogen wurde 1918 in den Zhongshan Park versetzt (Zustand im Jahr 2005)
Grab Clemens von Kettelers auf dem Zentralfriedhof Münster.

Clemens August Freiherr von Ketteler (* 22. November 1853 in Potsdam; † 20. Juni 1900 in Peking) war ein deutscher Diplomat.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Clemens von Ketteler entstammte der adeligen Familie von Ketteler aus dem Münsterland. Kurz nach seiner Geburt in Potsdam zog er nach Münster. Sein Onkel war der Bischof und Zentrumspolitiker Wilhelm Emmanuel von Ketteler,[2] sein Neffe der Diplomat Wilhelm Freiherr von Ketteler und ein weiterer Verwandter der französische Marschall Louis Franchet d’Esperey. Kettelers amerikanische Ehefrau Matilda Cass Ledyard hatte gemeinsame Vorfahren mit den US-Präsidenten George Bush und George W. Bush.[3]

Nach dem Besuch der Gymnasien in Münster und Coesfeld, wo er 1873 das Abitur ablegte, trat Ketteler in die Preußische Armee ein. Im Jahr 1879 wurde er in den Auswärtigen Dienst berufen: er war zunächst von 1880 bis 1889 Dolmetscher bei den deutschen Konsulaten in Kanton und Tientsin. Nach einer kurzen Tätigkeit im Auswärtigen Amt war er von 1892 bis 1896 als Gesandter in den Vereinigten Staaten, anschließend von 1896 bis 1899 in gleicher Eigenschaft in Mexiko tätig. Am 11. April 1899 wurde Ketteler als deutscher Gesandter in Peking bestellt.

Todesumstände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Morgen des 20. Juni 1900 wollte er sich während des so genannten Boxeraufstands in Begleitung seines Dolmetschers Cordes ins Zongli Yamen, das chinesische Außenministerium, begeben, um Verhandlungen zu führen. Zuvor, am 17. Juni, war es mit der Beschießung und Erstürmung der Taku-Forts bei Tianjin zu den ersten echten Kampfhandlungen zwischen internationalen Streitkräften und chinesischen Regierungstruppen gekommen, nachdem ein Ultimatum der vereinigten acht Staaten an die chinesische Regierung verstrichen war. Die Qing-Regierung hatte daraufhin diesen Staaten den Krieg erklärt. Trotz Warnungen verzichtete Ketteler auf eine militärische Eskorte.

Nach Verlassen des Legationsviertels und Passieren des Ha-Ta-Men Tors wurde Ketteler von einem Korporal des dort Dienst versehenden mandschurischen Regimentes namens En-Hai aus nächster Nähe erschossen. Der Täter gab später an, auf Befehl seiner Vorgesetzten und wegen einer versprochenen Geldbelohnung gehandelt zu haben. Er wurde im Dezember 1900 durch Enthauptung hingerichtet. Der Hergang und Hintergrund der Tat sind bis heute umstritten. Chinesische Historiker geben Ketteler sogar eine Mitschuld an seinem Tod, da er eine Pistole bei sich getragen und sofort geschossen habe, als er angehalten wurde.[4]

Nachwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ermordung Kettelers reiht sich in eine Kette von Zwischenfällen zwischen Boxern und Ausländern in Peking, die begannen, als erstere Anfang Juni in die inneren Stadtbezirke vorrückten und ausländische Truppen zum Schutz der Gesandtschaften eintrafen. So war am 11. Juni der Sekretär der japanischen Botschaft Sugiyama Akira von muslimischen Truppen des Generals Dong Fuxiang am Yongding-Tor ermordet worden. Kettelers Tod bildete den Auftakt zur Belagerung des Pekinger Gesandtschaftsviertels, die bis zum 14. August andauerte, als alliierte Truppen die Stadt stürmten.

Das Deutsche Reich beteiligte sich an der Militärintervention mit einem Expeditionskorps und beanspruchte – nicht zuletzt im Kontext des Todes Kettelers – eine Führungsrolle. Die Intervention endete mit einer Niederlage der Chinesen und dem Abschluss des sogenannten „Boxerprotokolls“ im September 1901. In Artikel I verpflichtete sich die chinesische Regierung, sich für den Mord zu entschuldigen, eine „Sühnegesandtschaft“ nach Deutschland zu senden und ein mit dem Rang des Diplomaten korrespondierendes Denkmal an der Stelle des Mordes zu errichten[5]. Im September 1901 wurde durch den angereisten Prinzen Chun II. in Potsdam ein zeremonieller „Sühneakt“ vollzogen.

Kettelers Nachfolger als Gesandter in Peking wurde Alfons Mumm von Schwarzenstein. Kettelers Leichnam wurde zunächst durch Chinesen in einer hölzernen Kiste begraben, nach dem Aufstand im Garten der deutschen Gesandtschaft in Peking beigesetzt, ehe er nach Deutschland überführt wurde. Sein Grab befindet sich heute auf dem Zentralfriedhof in Münster. Im Schlossgarten Münsters erinnert seit 1903 ein Denkmal an ihn. Das Denkmal fiel deutlich kleiner aus als ursprünglich geplant, da die großangelegte Spendenaktion nur einen Bruchteil der veranschlagten Bausumme erbrachte.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Susanne Kuß, Bernd Martin (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Boxeraufstand. Iudicium-Verlag, München 2002, ISBN 3-89129-781-5 (Erfurter Reihe zur Geschichte Asiens 2).
  • Jean Mabire: Blutiger Sommer in Peking; Der Boxeraufstand in Augenzeugenberichten. C.A. Koch's Verlag Nachf., Berlin, Darmstadt, Wien 1978.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Clemens von Ketteler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Walter Boy-Ed: Peking und Umgebung im Jahre 1900; Heckners Verlag, 1908 Wolfenbüttel
  2. Deutsches Staatshandbuch, 1963, S. 652.
  3. wargs.com: Ancestry of George W. Bush, William Addams Reitwiesner
  4. Thomas Morlang: Verweigerte Erinnerung – Das Ketteler-Denkmal in Münster, in: Ulrich van der Heyden und Joachim Zeller (Hrsg.): Kolonialismus hierzulande – Eine Spurensuche in Deutschland. Sutton Verlag, Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-269-8, S. 288–292 (hier: S. 289f., siehe auch Endnote 8 mit verschiedenen Quellen zum möglichen Tathergang).
  5. 1901, Boxer Protocol - Multilateral. Abgerufen am 14. Dezember 2016.
  6. Morlang 2007, S. 291.
Vorgänger Amt Nachfolger
Theodor von Holleben Gesandter des Deutschen Reichs in Washington D.C.
1892–1896
Kurd von Schlözer Gesandter des Deutschen Reichs in Mexiko-Stadt
1896–1899
Paul von Hintze
Edmund Friedrich Gustav von Heyking Gesandter des Deutschen Reichs in Peking
1899–1900
Alfons Mumm von Schwarzenstein