Coco-Bond

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Contingent Convertible Bonds (kurz: Coco- oder CoCo-Bonds) sind langfristige, nachrangige Schuldverschreibungen mit meist festem Coupon, die bei Eintreten von vorher festgelegten Wandlungskriterien automatisch von Fremd- in Eigenkapital gewandelt werden. Diese hybriden Anleihen machen Fremdkapitalgeber im Falle einer Wandlung zu haftenden Aktionären und verbessern die Eigenkapitalausstattung des Emittenten in wirtschaftlich ungünstigen Situationen. Ohne auslösendes Moment für die Wandlung (Trigger Event) bleiben Coco-Bonds als normale Bonds (Anleihen) bestehen, die am Ende ihrer Laufzeit getilgt werden. Im Unterschied zu herkömmlichen Wandelanleihen wird automatisch gewandelt und das Umtausch- und Wahlrecht liegt nicht bei den Investoren.[1]

Convertible Bonds eignen sich insbesondere für Emittenten unterdurchschnittlicher Bonität.[2] Eine allfällige Wandlung rekapitalisiert ein Finanzinstitut daher ohne die Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung oder einer staatlichen Hilfe. Die Haftung liegt folglich korrekterweise bei den Privatinvestoren und Dritte werden von einem notwendigen Eingriff im Sinne einer haftungsähnlichen Verpflichtung geschützt. Zudem erhält das Institut unmittelbar neues Eigenkapital und reduziert gleichzeitig seine Zinsverpflichtungen. Obwohl Cocos kein neues Geld in Form von Liquidität zur Verfügung stellen, erleichtern sie durch die Wandlung von Fremd- in Eigenkapital das Verkraften von (zukünftigen) Verlusten.[3]

Ausgestaltung von Coco-Bonds[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Ausgestaltung von Coco-Bonds spielen die Wahl des Wandlungsauslösers (Trigger Event), die Bedingungen, zu denen gewandelt wird, sowie die Laufzeit eine wichtige Rolle. Gleichzeitig gilt es, die Entscheidungen über die Strukturmerkmale der individuellen Unternehmenssituation anzupassen.

Trigger Event[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Trigger Event spezifiziert, unter welchen Umständen und mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Wandlung in Eigenkapital und somit eine Stärkung der Kapitaldecke des Finanzinstituts erfolgt. Dabei wird zwischen rechnungslegungsorientierten, marktbasierten, regulatorischen oder auf multivariaten Bezugssystemen unterschieden.[4]

Rechnungslegungsorientierter Trigger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erste Variante besteht darin, sich bei der Definition des Triggers an Größen der Rechnungslegung zu orientieren. Als Bezugsgröße bietet sich dabei das risikogewichtete Eigenkapital beziehungsweise die Eigenkapitalquote an. Erfolgversprechend wirkt hierbei, dass die Wandlung zu einem risikogerechten Ereignis wird.[5] Da jedoch rechnungslegungsbasierte Größen nicht in ausreichend hoher Frequenz verfügbar sind, scheint ein meist halb- oder vierteljährlich aktualisiertes Kriterium für eine Wandlung nicht zweckdienlich.[6] Denkbar wäre daher, Sonderprüfungen durchzuführen und die Kriterien in kleineren Periodenzeiträumen zu prüfen. Dies bedingt jedoch eine vorab definierte Entscheidung zu den Kriterien einer solchen Entscheidung und die Wahl eines unabhängigen Entscheidungsträgers.[7] Weitere problematische Aspekte betreffen die Abhängigkeit der bilanziellen Werte von den zugrundeliegenden Rechnungslegungsnormen, die Qualität der aufbereiteten Daten sowie der politische Druck.[8]

Marktbasierter Trigger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auslöser, die auf marktbasierten Größen wie Aktienkurse oder Credit Default Swap-Spreads beruhen, können als zweite Variante herangezogen werden.[9] Aktienkurse wären insofern vorteilhaft, als der Auslöser möglichst einfach und transparent sein sollte. Diese können täglich von den Investoren wie auch der Bank nachvollzogen werden und machen die Rekapitalisierung nicht von regulatorischen Einschätzungen abhängig.[10] Allerdings bestehen auch hier spezifische Risiken, die neben der impliziten Volatilität unter anderem in der Beeinflussung der Aktienkurse und dem Herbeiführen einer gewollten Wandlung liegen.[11]

Regulatorischer Trigger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als dritte Variante sind Trigger Events zu erwähnen, welche die Entscheidung über die Wandlung an den Regulator delegieren. Ist die jeweils nationale Bankenaufsicht der Ansicht, dass sich ein Institut in einer Schieflage befindet und den Verpflichtungen möglicherweise nicht mehr nachkommen kann, soll die Wandlung angeordnet werden. Eine solche Entscheidung könnte an das negative Ergebnis eines Stress-Tests anknüpfen, was ein frühes Umwandlungskriterium mit präventivem Charakter verkörpert.[12] Es bleibt trotzdem die Frage offen, auf welcher Basis der Regulator besser als andere Akteure entscheiden können sollte.[13]

Multivariater Trigger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die oben ausgeführten univariaten Bezugssysteme basieren jeweils auf einer Dimension. Duale Trigger, bei denen zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein müssen, können spezifische Nachteile obiger Bezugssysteme relativieren. Da Coco-Bonds ein institutsspezifisches Instrument darstellen, sollte ein multivariater Auslöser auch bankspezifische Faktoren beinhalten. Nach Meinung der Squam Lake Working Group on Financial Regulation (2009) sollte die Umwandlung in Eigenkapital an zwei Voraussetzungen gekoppelt sein. Einerseits muss die Regulierungsbehörde eine systematische Krise ausrufen, andererseits muss sich das Finanzinstitut in argen Schwierigkeiten befinden.[14]

Umwandlungsanteil und -preis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Umwandlungsanteil bestimmt, welcher Anteil des Coco-Bonds im Falle eines Trigger Events tatsächlich in Aktien gewandelt wird. Dieser braucht nicht bei 100 Prozent zu liegen, sondern lediglich sicherstellen, dass das Minimum an Eigenkapital wieder erreicht wird. Wie viele Aktien die Coco-Bond-Investoren erhalten, hängt vom Umwandlungspreis ab, wofür sowohl der Aktienkurs zum Emissionsdatum des Coco-Bonds, als auch das Auslösen des Trigger Events oder ein (Durchschnitts-)Kurs zwischen den Zeitpunkten geeignet ist.[15]

Der institutsspezifische Zweck von Coco-Bonds wird maßgeblich durch die Wahl der Wandlungsschwelle bestimmt. Ein hoher Wandlungsauslöser bedeutet in diesem Kontext, dass die Schwelle, die Voraussetzung für eine Wandlung ist, schnell erreicht wird, wenn sich das Institut in finanziellen Schwierigkeiten befindet (laufender Sanierungspuffer). Gleichbedeutend erfolgt die Wandlung bei einem tiefen Wandlungsauslöser zu einem relativ späten Zeitpunkt, beispielsweise zur Absicherung während einer systemischen Krise.[16] In letzterem Fall wären Cocos eine Versicherung für schlechte Zeiten, da eine Wandlung nur im Notfall stattfindet. Dies macht sie für institutionelle Investoren attraktiver, da sie auf außergewöhnliche Krisensituationen abzielen und damit besser einschätzbar sind. Zudem gilt, dass je höher die Schwelle, ab der gewandelt wird, desto teurer wird der Coco-Bond für das emittierende Institut.[17] Folgende Tabelle zeigt, wie die Triggervarianten ausgelegt werden.[18]

Coco-Bonds mit vertraglicher Auslösung Mit hohem Trigger Mit tiefem Trigger
Beschreibung Der Trigger ist so gesetzt, dass die Wandlung in angemessenem Abstand zum regulatorischen Minimum erfolgt. Der Trigger ist knapp über dem regulatorischen Minimum.
Verlusttragfähigkeit im laufenden Betrieb Hoch, falls Umwandlung oder Abschreibung rasch erfolgt (Vertrauensbildung entscheidend). Deutlich schwächer und später einsetzende Wirkung als höher triggernde Cocos, da selbst in akuten Krisensituationen die ausgewiesene Kapitalquote noch über dem regulatorischen Minimum liegen kann.
Bedeutung in einer Krisensituation Rasche Stabilisierung, noch vor der eigentlichen Sanierungs- und Liquidationsphase. Stabilisierung, Gewährleistung eines ausreichenden Handlungsspielraums im Falle einer Krise und Beitrag zur Sanierung und geordneten Liquidation.

Laufzeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als weiteres Ausstattungsmerkmal der Coco-Bonds ist die Festlegung der Laufzeit anzusehen. Diese sollte sich, neben den institutsspezifischen Bedürfnissen, an den verschiedenen Investorengruppen und deren Interessen orientieren. Berücksichtigt man die angedachte Funktion von Coco-Bonds, für die Krisenprävention der Finanzinstitute zu sorgen, so sind langfristige Laufzeiten naheliegend.[19]

Marktfähigkeit von Coco-Bonds[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Marktfähigkeit gilt es das Investoreninteresse, die Kosten (englisch pricing), den Einfluss der Ratingagenturen sowie mögliche Gefahren wie die Abwärtsspirale zu berücksichtigen.

Unsicherheitsfaktor Investoreninteresse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da es sich bei Coco-Bonds um neuartige Papiere handelt und Investoren zu einem tendenziell ungünstigen Zeitpunkt zu Aktionären werden, bleibt die Platzierbarkeit offen und schwer abzuschätzen. Mitunter hängt der Erfolg davon ab, ob sich genügend institutionelle Investoren finden lassen.[20] Folgende Tabelle listet die möglichen Abnehmergruppen und deren Interessen auf.[21]

Klassische Anleiheinvestoren Hedge Fonds Mitarbeiter Kreditinstitute
  • Möglicherweise Probleme, gewandelte Cocos zu halten, insbesondere bei FI-Investoren.
  • Vielen institutionellen Anlegern ist reglementarisch ein Engagement in Pflichtwandelanleihen untersagt.
  • Ohne Partizipation traditioneller Anleger werden sich Coco-Bonds jedoch kaum durchsetzen.
  • Bilanzielle Behandlung unklar.
  • Neue Zielgruppen mit höherem Risiko/Rendite-Profil als Investoren bisheriger hybrider Anleihen.
  • Neben Hedge Fonds kommen auch vermögenden Privatkunden in Frage.
  • Beide könnten Coco-Bonds zur Renditeoptimierung (bei schwierig einzuschätzendem Risiko) in ihren Portfolios beimischen.
  • Denkbar als variable Vergütung.
  • Positiver Nebeneffekt in der Beeinflussung der Anreizstrukturen (Moral Hazard).
  • Kleiner Anteil am Markt (10-25 %) und insgesamt zu klein, um große Teile aufzufangen.
  • Mögliche Probleme bei der praktischen Umsetzung, die zu Kapitalabzug am regulatorischen Eigenkapital führen.

Einflussfaktoren des Pricings[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dienen Coco-Bonds zur Stärkung der Eigenkapitalbasis, so ist entscheidend, ob sie günstiger sind als Eigenkapital. Daher sind die Eigenkapitalkosten prinzipiell als Obergrenze für die Kosten dieses Finanzinstruments zu sehen. Da Investoren das Risiko tragen, zu einem ungünstigen Zeitpunkt Aktionär zu werden, ist für die Untergrenze mit einem höheren Coupon als bei Wandelanleihen zu rechnen. Dieses abzugeltende Optionselement (Short-Put-Option) ist eine Last für den Investor und ist ein Gegensatz zur herkömmlichen Wandelanleihe, wo diese Option einen Vermögenswert darstellt.[22] Aus Investorensicht ist generell die Risiko/Rendite-Konstellation entscheidend, die derzeit besonders in Tiefzinsphasen attraktiv erscheint. Die Ausgabe der Instrumente durch die Emittenten ist deshalb relativ teuer, speziell bei optimistischen finanziellen Perspektiven. Kostenmildernd kann, da Coco-Bonds zunächst als Fremdkapital in die Bilanz fließen, die steuerliche Absetzbarkeit der entstehenden Zinsaufwendungen wirken.[23]

In der Praxis haben sich bisher verschiedene Höhen von Couponzahlungen mit unterschiedlichen Bezügen herausgebildet. Eine Schlussfolgerung des Risikos anhand der Couponhöhe ist deshalb kaum ein schlüssiges Konzept.[24] Vielmehr ist der geforderte Risikoaufschlag für Coco-Bonds derzeit noch unklar und wird anhand der institutsspezifischen Faktoren auch zukünftig auf unterschiedlichen Indikatoren abstellen. Marktprognosen gehen derzeit davon aus, dass sich die Höhe des Zinses zwischen 8 % und 9 % einpendeln wird.[25]

Bewertung durch Ratingagenturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Investitionsfähigkeit der Investoren hängt mitunter von der Tatsache ab, ob Coco-Bonds in Indizes für festverzinsliche Wertpapiere gelistet werden. Diese Aufnahme ist wegen der konstruktionsbedingten Eigenkapitalelemente jedoch fraglich. Üblicherweise wird für die Aufnahme in Anleihenindizes ein Rating vorausgesetzt. Ebenso ist es institutionellen Investoren häufig nur erlaubt, in Wertpapiere mit Rating zu investieren.[26] Deshalb erhält der Umgang der Ratingagenturen mit den Coco-Bonds für die Marktfähigkeit der Instrumente zusätzliche Relevanz. Die Schwierigkeiten für die Ausgabe eines solchen Ratings liegen in der Berechnung der Wandlungswahrscheinlichkeit, deren Änderungen und der Frage, inwieweit diese von Ratinganpassungen bei den Emittenten abhängen.[27]

Grundsätzlich ist bei Cocos mit Ratingabschlägen im Vergleich zu herkömmlichen Bankanleihen zu rechnen, da sie mehrschichtige Risikokonstellationen beinhalten. Wegen der schwierigen Risikoeinschätzung haben die Ratingagenturen Standard and Poor’s und Moody’s bis anhin auf eine Bewertung verzichtet.[28] In einem Statement anfangs 2010 ließ Moody’s verlauten: „the unpre-dictable and non-credit linked elements surrounding these triggering events make the instruments un-suitable for a fixed income rating.“[29] Fitch, als dritte große Ratingagentur, wird sich am existierenden Ansatz des ungestützten Emittentenausfall-Rating (IDR) orientieren. Die bekanntgegebene Abstufung verdeutlicht die kritische Auffassung und damit die limitierte Marktfähigkeit von CoCo-Bonds.[30]

Verwässerungseffekte und Abwärtsspirale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Wandlung von Anleihen in Eigenkapital treten grundsätzlich zwei Verwässerungseffekte auf. Einerseits nimmt durch die Wandlung der Titel die Aktionärsanzahl zu, und die Stimmrechte der Altaktionäre werden verwässert. Andererseits entstehen bei der Ausgabe von neuen Aktien Kapitalverwässerungseffekte, sofern der Ausgabepreis der neuen Aktien unter dem aktuellen Marktpreis liegt.[31] Wenn beispielsweise bei einer gewöhnlichen Wandelanleihe der Wandlungskurs nahe beim Aktienkurs liegt, kann bereits bei der Ausgabe dieser Wertpapiere eine Verwässerung vorliegen. Normalerweise werden diese Verwässerungseffekte über die Ausgabe von Bezugsrechten beseitigt. In der Kategorie der bedingten Pflichtwandelanleihen dagegen spielt dieser Effekt in der Regel keine Rolle. Bei Coco-Bonds ist das Risiko einer Verwässerung infolgedessen tiefer einzustufen als bei einer gewöhnlichen Wandelanleihe. Aufgrund der bereits erläuterten Ausgestaltung ist die Optionskomponente von Cocos wirtschaftlich wenig wertvoll einzustufen, was durch eine höhere Verzinsung entschädigt wird. Ein Vorwegzeichnungsrecht (Bezugsrecht) hätte somit nur einen geringen Wert.[32]

Diese Argumentation gilt allerdings nur in einem stabilen Wirtschaftsumfeld. In einem angespannten Umfeld mit Stress- und Krisensituationen, wenn ein Institut Coco-Bonds ersetzen oder ergänzen muss und der Eintritt der Wandlung wahrscheinlich erscheint, kommen anderen Mechanismen zum Zuge. In einem solchen Szenario kann der Verwaltungsrat das Vorwegzeichnungsrecht der bisherigen Aktionäre aus wichtigen Gründen ausschließen oder beschränken. Er ist aber in diesem Fall dazu angehalten, die Cocos zu Marktbedingungen auszugeben. Altaktionäre haben in dieser Hinsicht einen Abschlag zugunsten der Platzierbarkeit von Coco-Bonds hinzunehmen. Gesellschaftsinteressen und Systemschutz stehen daher im Vordergrund, weshalb Altaktionäre dem Verwaltungsrat gewisse Ermessensspielräume einzuräumen haben.[33]

Inhärent besteht dennoch die Gefahr von Verantwortlichkeitsklagen gegen Mitglieder des Verwaltungsrats bei ungewöhnlicher Ausgestaltung von Coco-Bonds.[34] Ein weiteres Gefahrenpotenzial aus beschriebenen Zusammenhängen liegt für das Finanzinstitut in einer Abwärtsspirale in den Aktienkursen. Eine anstehende Wandlung und die damit drohende Verwässerung könnte bisherige Aktionäre dazu bewegen, ihre Aktien zu verkaufen. Die Überschwemmung des Marktes wiederum birgt die Gefahr, dass Marktteilnehmer auf Probleme bei einem Finanzinstitut tendieren und eine Abwärtsspirale der Kurse in Gang setzen.[35]

Schweizer Rechtslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Inkrafttreten der Too-big-to-fail-Vorlage am 1. März 2012 sind gemäss Art. 11 in Verbindung mit Art. 13 des Bankengesetzes Banken sowie mehrheitlich finanzgeprägte Gruppen und Konglomerate ermächtigt, durch Beschluss der Generalversammlung Coco-Bonds zu emittieren. Eine Anrechnung an die Eigenmittel des Emittenten ist aber nur möglich, wenn die Ausgabebedingungen vorab durch die FINMA genehmigt wurden. Tritt das Ereignis ein, dass gemäss Gesetz objektiv bestimmbar sein muss, stellt der Verwaltungsrat durch öffentliche Urkunde die Umwandlung in Eigenkapital fest. Die Umwandlung ist umgehend im Handelsregister einzutragen, die Handelsregistersperre ist ausgeschlossen. Eine Verwendung von Cocos zu anderen Zwecken als der Stärkung des Eigenkapitals, also beispielsweise für Fusionen oder Übernahmen ist ausgeschlossen. Ein allfälliger Ausschluss des Vorwegzeichnungsrecht ist nur durch Beschluss der Generalversammlung möglich.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

CoCo-Bonds sind erst in den letzten Jahren, insbesondere nach der Finanzkrise, auf den Markt gekommen. Sie werden von einigen Fachleuten kritisch bewertet:

  • CoCo-Bonds werden in der Regel bei Unterschreiten bestimmter Eigenkapitalquoten von Fremd- in Eigenkapital gewandelt. Dies ist für den Schuldner, der sich dann offensichtlich in einer schwierigen finanziellen Lage befindet, sehr hilfreich. Der Gläubiger erhält jedoch anstelle der Schuldverschreibung als Ersatz Anteile an einer in Not geratenen Institution, die im schlimmsten Fall wertlos sind.
  • Die Zinsbedienung der CoCo-Bonds sind seitens des Kreditinstituts – wie auch andere Zinsaufwendungen – steuerlich abzugsfähig. Gemäß Basel III werden die Bonds jedoch bei Kreditinstituten wie Eigenkapital gewertet, das üblicherweise aus dem Ergebnis nach Steuern bedient wird. Der hybride Charakter hat zur Folge, dass die steuerlichen Vorteil beim Emittenten sind. Die Nachteile liegen jedoch beim Staat als Steuereinnehmer.
  • Es erscheint fraglich, ob die Risiken eines Coco-Bonds einem privaten Bankkunden vom emittierenden Kreditinstitut stets ausreichend verständlich dargestellt, insbesondere wenn das Kreditinstitut Eigeninteressen bei der Ausgabe der Schuldverschreibungen verfolgt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Collender, R.N., Pafenberg, F.W. & Seiler, R.S. (2010). Automatic Recapitalization Alternatives. S.7-9.
  2. Thomas Heidorn, Mirko Gerhold: Investitionen und Emissionen von Convertible Bonds. In: Arbeitsberichte der Hochschule für Bankwirtschaft No 50. 2004, abgerufen am 10. August 2015 (deutsch).
  3. Deutsche Bank Research. (2011). Contingent Convertibles: Bankanleihen im Wandel. Finanzmarkt Spezial. S. 5.
  4. De Spiegeleer, J. & Schoutens, W. (2011). Pricing Contingent Convertibles: A Derivatives Approach. S. 4-5.
  5. Berndt, T., Vollmar, J. & Becker, R. (2012). Anforderungen an die Ausgestaltung von Coco-Bonds. S. 128.
  6. McDonald, R.L. (2010). Contingent Capital with a Dual Price Trigger. S. 22.
  7. Deutsche Bank Research. (2011). Contingent Convertibles: Bankanleihen im Wandel. Finanzmarkt Spezial. S. 8.
  8. McDonald, R.L. (2010). Contingent Capital with a Dual Price Trigger. S. 22-24
  9. Berndt, T., Vollmar, J. & Becker, R. (2012). Anforderungen an die Ausgestaltung von Coco-Bonds. S. 128.
  10. Deutsche Bank Research. (2011). Contingent Convertibles: Bankanleihen im Wandel. Finanzmarkt Spezial. S. 8.
  11. Kamada, K. (2010). Understanding Contingent Capital. S. 38.
  12. Rudolph, B. (2010). Die Einführung regulatorischen Krisenkapitals in Form von Contingent Convertible Bonds (CoCos). S. 1154
  13. Berndt, T., Vollmar, J. & Becker, R. (2012). Anforderungen an die Ausgestaltung von Coco-Bonds. S. 129.
  14. Squam Lake Working Group on Financial Regulation. (2009). An Expedited Resolution Mechanism for Distressed Financial Firms: Regulatory Hybrid Securities. S. 4.
  15. Berndt, T., Vollmar, J. & Becker, R. (2012). Anforderungen an die Ausgestaltung von Coco-Bonds. S. 129-130.
  16. Pazarbasioglu, C., Zhou, J., Le Leslé, V. & Moore, M. (2011). Contingent Capital: Economic Rationale and Design Features. S. 9-11.
  17. Deutsche Bank Research. (2011). Contingent Convertibles: Bankanleihen im Wandel. Finanzmarkt Spezial. S. 6-7.
  18. Schweizerische Eidgenossenschaft. (2010). Schlussbericht der Expertenkommission zur Limitierung von volks-wirtschaftlichen Risiken durch Grossunternehmen. S. 26-27.
  19. Deutsche Bank Research. (2011). Contingent Convertibles: Bankanleihen im Wandel. Finanzmarkt Spezial. S. 9.
  20. Enz, W. (2010, 7. Oktober). Der CoCo-Markt soll es richten. Neue Zürcher Zeitung, S. 27.
  21. Deutsche Bank Research. (2011). Contingent Convertibles: Bankanleihen im Wandel. Finanzmarkt Spezial. S. 10-11.
  22. Tommaso, M. (2012, 28. April). Was Coco Bonds attraktiv macht. Finanz und Wirtschaft. S. 16-17.
  23. Pazarbasioglu, C., Zhou, J., Le Leslé, V. & Moore, M. (2011). Contingent Capital: Economic Rationale and Design Features. S. 13.
  24. Bürgi, M.P. (2011, 29. März). Knifflige Preisfindung für CoCo. Neue Zürcher Zeitung, S. 29.
  25. Deutsche Bank Research. (2011). Contingent Convertibles: Bankanleihen im Wandel. Finanzmarkt Spezial. S. 16.
  26. De Spiegeleer, J. & Schoutens, W. (2011). Pricing Contingent Convertibles: A Derivatives Approach. S. 12-13.
  27. Furstenberg, G.M. (2011). Contingent capital to strengthen the private safety net for financial institutions: Cocos to the rescue? S. 13.
  28. Pennacchi, G., Vermaelen, T. & Wolff, C. (2011). Contingent Capital: The Case for COERCs. S. 4
  29. Bolton, P. & Samama F. (2010). Contingent Capital and Long Term Investors: A Natural Match? S. 38.
  30. Deutsche Bank Research. (2011). Contingent Convertibles: Bankanleihen im Wandel. Finanzmarkt Spezial. S. 11.
  31. Schweizerische Eidgenossenschaft. (2010). Schlussbericht der Expertenkommission zur Limitierung von volks-wirtschaftlichen Risiken durch Grossunternehmen. S. 93.
  32. Breitkreuz, R. & Vollmar, J. (2011). Contingent Convertible Bonds zur Krisenprävention. S. 151.
  33. Schweizerische Eidgenossenschaft. (2010). Schlussbericht der Expertenkommission zur Limitierung von volkswirtschaftlichen Risiken durch Grossunternehmen. S. 86-93.
  34. Breitkreuz, R. & Vollmar, J. (2011). Contingent Convertible Bonds zur Krisenprävention. S. 151.
  35. Flannery, M.J. (2009) Stabilizing Large Financial Institutions with Contingent Capital Certificates. S. 18.