Corpus Delicti

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Mit Corpus Delicti („Körper des Verbrechens“, lateinisch corpus – Körper, delictum – Verbrechen; Plural: Corpora Delicti) bezeichnet man das Mittel, mit dem eine Straftat begangen wurde, insbesondere ein Beweisstück, durch welches ein Täter der Straftat überführt werden kann, etwa die Tatwaffe.

Ursprünglich war in der juristischen Lehre mit dem corpus delicti der Tatbestand eines Verbrechens gemeint, es bezeichnete also keinen Gegenstand, sondern die Tatsache, dass überhaupt ein im Gesetz definiertes Verbrechen (Mord, Raub...) begangen wurde.[1] Bevor in einem Prozess eine Person angeklagt werden konnte, war zu ermitteln, dass ein Verbrechen stattgefunden hatte. Daher waren die „körperlichen und durch Augenschein wahrnehmbaren Spuren“[2] eines Verbrechens zu prüfen oder Zeugen zu vernehmen, wenn keine solchen Spuren existierten. Das corpus delicti bezeichnet also einerseits den Tatbestand, andererseits die Sache, an der die Tat verübt wurde, bzw. das Tatwerkzeug und die Spuren der Tat.

Allgemeinsprachlich bezeichnet der Begriff auch oft eine Art Dingsymbol, eine Sache, an der sich eine spezielle Handlung oder eine Handlungsabfolge festmachen lässt. Diese Verwendung bezieht sich auch auf banale Vergehen. Demnach wird auch z. B. der Fußball, der die Fensterscheibe durchschlagen hat, oder etwa der unerwünschte „Hundehaufen“ im Vorgarten umgangssprachlich als Corpus Delicti bezeichnet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jörg Eisele: Die Bedeutung der Lehre vom „corpus delicti“ im Strafverfahren der Frühen Neuzeit. Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, online

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Diejenigen Thatsachen, welche zusammengenommen den Begriff einer gewissen Gattung von Verbrechen bestimmen, machen den Thatbestand aus (corpus delicti).“ Ernst Ferdinand Klein: Grundsätze der natürlichen Rechtswissenschaft nebst einer Geschichte derselben, Halle 1797, S. 57, nach Jörg Eisele: Die Bedeutung der Lehre vom „corpus delicti“ im Strafverfahren der Frühen Neuzeit. Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, online
  2. Jörg Eisele: Die Bedeutung der Lehre vom „corpus delicti“ im Strafverfahren der Frühen Neuzeit. Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, online