Das Ei

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Das Ei, teilweise auch Das Frühstücksei genannt,[1] ist ein Sketch des deutschen Satirikers und Komikers Loriot. Der Zeichentrick-Kurzfilm (Dauer: zirka 2 Min. 15 Sek.) nimmt die Problematik des „Aneinander-vorbei-Redens“ zwischen Mann und Frau, mithin das gegenseitige Verhältnis von Männer- und Frauensprache, anhand eines banalen und alltäglichen Vorfalls zwischen Eheleuten aufs Korn. Der Sketch wurde erstmals am 16. Mai 1977 im Rahmen der Sendung LORIOT III von Radio Bremen ausgestrahlt.[2]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Protagonisten, das auch in anderen Loriot-Sketches auftretende Ehepaar Hermann (Name in diesem Sketch nicht erwähnt) und Berta, sitzen gemeinsam am Frühstückstisch. Der Mann beklagt sich mit dem Ton des Vorwurfs über ein zu hart gekochtes Frühstücksei zweimal mit den Worten „Das Ei ist hart!“, worauf seine Frau in mürrischem Ton mit dem Satz „Ich habe es gehört“ reagiert. Auf die darauf folgende Frage, wie lang das Ei gekocht habe, entspinnt sich ein Dialog, der die Unfähigkeit sowohl von Mann und Frau offenlegt, einen gemeinsamen Gesprächshorizont zu finden. Während der Mann dem analytischen Denken verhaftet bleibt, agiert die Frau mit dem Gefühl des Nicht-verstanden-Werdens in erster Line auf der emotionalen Ebene, ohne ihre Gefühle explizit zu formulieren. Das Ende des Gesprächs lässt die schon von Anfang an vorhandene Verstehenskluft als unüberbrückbar erscheinen. Bertas letzter Satz ist die kategorische Feststellung „Gott, was sind Männer primitiv!“, während Hermann düster murmelt: „Ich bringe sie um … morgen bringe ich sie um!“.

Das Tischgespräch wird musikalisch untermalt mit dem ersten Walzerthema der Geschichten aus dem Wienerwald von Johann Strauss.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sketch erlangte allgemeine Popularität und ist in unterschiedlichen Bereichen weiterhin präsent: Er wird in Schulen und im Studium als Beispiel- und Übungsmaterial zur Dialog- bzw. Kommunikationsanalyse herangezogen,[3] und die Leipziger Linguistin Ulla Fix hat ihm eine Text- und Stilanalyse unter dem Aspekt der kommunikativen Ethik bzw. der Grice'schen Kommunikationsmaximen gewidmet.[4] Aus dem Sketch stammende Aussprüche wie zu Beginn des Stücks „Berta!“... „Das Ei ist hart!“ oder der Schlusssatz Bertas sind weithin bekannt und werden inzwischen wie geflügelte Worte verwendet.

Zu Jahresbeginn 2011 gab die Deutsche Post eine Briefmarke (Wohlfahrtsmarke 145+55 Cent) mit einem Szenenbild aus dem Zeichentrickfilm heraus. Sie ist Teil einer Serie von weiteren Motiven aus Loriot-Sketchen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Loriot: Herren im Bad: und sechs andere dramatische Geschichten. Diogenes, Zürich 2007, ISBN 3-257-02105-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. So in: Loriot: Herren im Bad, Zürich 2007; anders dagegen auf der Website von Loriot.
  2. Nach loriot.de, abgerufen am 18. September 2010.
  3. Vgl. beispielsweise die Präsentationsfolien auf slideshare.net oder den Auszug aus einer Hausarbeit auf hausarbeiten.de (beide Weblinks aufgerufen am 16. September 2011)
  4. Fix, Ulla: "Text- und Stilanalyse unter dem Aspekt der kommunikativen Ethik. Der Umgang mit den Griceschen Konversationsmaximen in dem Dialog 'Das Ei' von Loriot." In: Fix, Ulla: Texte und Textsorten - sprachliche und kulturelle Phänomene, Berlin: Frank & Timme 2008, 473-486 (zuerst 1996)