Der Derwisch und der Tod

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Der Derwisch und der Tod (bosnisch: "Derviš i smrt") ist der bekannteste Roman des jugoslawischen Schriftstellers Meša Selimović.[1] Er erschien auch auf Englisch und Französisch.

Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Werk wurde von 1962 bis 1966 geschrieben und 1966 erstmals veröffentlicht. 1972 erschien es auf Deutsch beim Verlag Volk und Welt in Berlin, 1994 dann in einer neuen Übersetzung von Werner Creutziger im Otto Müller Verlag, Salzburg. (ISBN 3-7013-0837-3).[2] Ein autobiographischer Hintergrund soll die Ermordung von Meša Selimovićs Bruders aufgrund einer Parteiintrige gewesen sein.[3]

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Handlung spielt im Bosnien des 18. Jahrhunderts. Bosnien ist zu dieser Zeit eine westliche Provinz des Osmanischen Reiches. Im Mittelpunkt steht der Scheich Ahmed Nurudin, aus dessen Perspektive der Roman auch erzählt wird. Der Scheich, der als Derwisch zurückgezogen in einer Art Kloster lebt, versucht vergeblich seinen unschuldig inhaftierten Bruder vor dem Tod zu retten. Innere Monologe des Derwischs erörtern darüber hinaus die Probleme von Gehorsam, Unterdrückung und religiösem Fatalismus.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Rezension in der Zeit heißt es: „Ahmed Nuridin, Scheich eines Derwischordens im Sarajewo des achtzehnten Jahrhunderts, berichtet über die letzten Monate vor seinem Tode. Zuerst geriet er, ein gottgefälliger Mann, durch verschiedene Zufälle in politisch gefärbte Affären, die zu seiner Verhaftung führten. Nach Entlarvung der korrupten Behörden, die Nuridin in den Kerker geworfen hatten, hielt er, zum Kadi ernannt, nun selbst die Macht in den Händen und sah sich zu den gleichen Methoden gezwungen, deren Opfer er zuvor gewesen ist. Das Erleiden und Ausüben der Macht treibt Nuridin in den Nihilismus … Der durchschlagende Erfolg des Romans in Jugoslawien beruhte einerseits auf seiner meisterhaften Sprache, zum anderen auf seinem gleichnishaften Charakter. Man kann ihn — mit aktuellem Hintersinn — lesen als Parabel von der Konfrontation des zweifelnden Intellektuellen mit der Macht.“[4]

Adaption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der jugoslawische Film mit dem Originaltitel Derviš i smrt wurde am 12. Juli 1974 uraufgeführt. Unter dem Titel Der Derwisch und der Tod war er deutschsprachig hauptsächlich in der DDR zu sehen.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://web.archive.org/web/20140222025604/http://www.uni-protokolle.de/buecher/isbn/3701308373/
  2. Archivlink (Memento vom 15. Juli 2009 im Internet Archive) www.egotrip.de
  3. Dradio, Sendung
  4. Reinhard Lauer in: DIE ZEIT,Nr. 17, vom 20. April 1973
  5. http://www.imdb.de/title/tt0175560/