Die Aussage des Ministranten

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Die Aussage des Ministranten (Originaltitel Le Témoignage de l’enfant de chœur) ist eine Erzählung von Georges Simenon, in der Kommissar Maigret während einer Abordnung in die Provinz einen Mordfall aufdeckt, bei dem der einzige Tatzeuge ein kleiner Junge ist. Das zur Reihe der Maigret-Romane und -Erzählungen gehörende Werk entstand am 28. April 1946 in Sainte-Marguerite-du-Lac-Masson in Québec (Kanada) und erschien 1947 in dem Erzählband Maigret et l’Inspecteur Malchanceux bei Presse de la Cité.

In deutscher Übersetzung erschien die Erzählung erstmals 1965 bei Kiepenheuer und Witsch in der Übersetzung von Hansjürgen Wille und Barbara Klau in dem Band Maigret und Inspektor Lognon, 1980 bei Diogenes in neuer Übersetzung von Gisela Stadelmann in dem Band Maigret-Geschichten, Erste Folge.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Junge, Ministrant, kommt in aller Früh verstört in die Krankenhauskirche, wo er um sechs Uhr in der Früh den ersten Gottesdienst begleiten soll. Der Junge ist derart verstört, dass man ihn zunächst zur Seite nimmt, dann – nach seinen Erzählungen schließlich – die Polizei ruft. Doch sind Leiche und mögliche Spuren vom Tatort verschwunden. Sämtliche Beamten wollen den Erzählungen des Jungen jedoch nicht glauben, zumal sich kaum Zeugenaussagen finden lassen. Das ist der Moment, in dem sich Maigret in die Ermittlungen einschaltet. Er befragt zunächst einen pensionierten Richter in der Nachbarschaft des Tatorts; dieser ist sich sicher, den Jungen, wie sonst jeden Morgen, dieses eine Mal nicht gesehen zu haben. Maigret glaubt dem Jungen dennoch, und als er schließlich mit Fieber und Pfeifen-Abstinenz, verordnet von Madame Maigret höchstpersönlich, das Bett hüten muss, geht er Weg des Jungen noch einmal durch. Als der Junge am nächsten Tag zu Kommissar Maigret ans Krankenbett geholt wird, kann ihm Maigret das Geständnis entlocken, in dieselbe Richtung wie der Täter gerannt zu sein. Dieser hatte ihn kurz vor dem Krankenhaus abgefangen, stellt sich jetzt heraus, und das Schweigen des Jungen über die Tat erpresst. Schon bald kann der Täter in der Nachbarschaft gestellt werden.

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Erstveröffentlichung 1947 wurde die Erzählung in die Simenon-Werkausgaben Œuvres complètes (Lausanne, Editions Rencontre, 1967–1973) in Band XII, in Tout Simenon (Paris, Presses de la Cité, 1988–1993) in Band 2 und in Tout Simenon (Paris, Omnibus, 2002–2004) in Band 2 aufgenommen. In englischer Sprache erschien sie unter verschiedenen Titeln (z. T. als Schulaufgaben[1]), 1951 unter Exclusive Witness (in den USA), 1963 unter According to the Altar Boy (in Großbritannien), außerdem unter Crime in the Rue Sainte-Catherine und The Evidence of the Altar-Boy. In italienischer Sprache erschien die Erzählung 1966 unter La testimonianza del chierichetto.

Adaptionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brelan d'as, französischer Spielfilm von Henri Verneuil (1952), mit Michel Simon (Maigret)
  • Il cadavere scomparso, (1968) Episode 2, Staffel 3 der italienischen Fernsehserie Le inchieste del commissario Maigret (Regie: Mario Landi), mit Gino Cervi (Maigret).
  • Maigret et le Témoignage de l'enfant de chœur (1988), Episode 78 der französischen Fernsehserie Les Enquêtes du commissaire Maigret (Regie: Michel Subiela), mit Jean Richard (Maigret).
  • Maigret et l'Enfant de chœur (1997), Episode 25 der französischen Fernsehserie Maigret (Regie: Pierre Granier-Deferre), mit Bruno Cremer (Maigret).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Simenons Briefwechsel (Lakeville, 12. September 1952) und Gegenbrief (vom 8. September 1952) mit Rene P. L. Ledesert, Lektor bei George Harrap and Co.