Die Spur

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Filmdaten
Deutscher TitelDie Spur
OriginaltitelPokot
ProduktionslandDeutschland, Polen, Schweden, Slowakei, Tschechien
OriginalsprachePolnisch
Erscheinungsjahr2017
Länge129 Minuten
AltersfreigabeFSK 12[1]
Stab
RegieAgnieszka Holland
DrehbuchAgnieszka Holland,
Olga Tokarczuk
ProduktionKrzysztof Zanussi
MusikAntoni Łazarkiewicz
KameraJolanta Dylewska,
Rafał Paradowski
SchnittPavel Hrdlicka
Besetzung

Die Spur (Originaltitel Pokot) ist ein Mystery-Drama von Agnieszka Holland, das am 12. Februar 2017 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin seine Premiere feierte und unter seinem internationalen Titel Spoor am Wettbewerb teilnahm. Dort wurde die Romanverfilmung mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet, denn der Film erhielt den Alfred-Bauer-Preis. Pokot wurde von Polen als Nominierungskandidat in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film für die Oscarverleihung 2018 eingereicht. Zudem schaffte es der Film auf die Auswahlliste für den Europäischen Filmpreis 2017. Es handelt sich um eine Verfilmung des Romans Der Gesang der Fledermäuse von Olga Tokarczuk. Am 4. Januar 2018 kam der Film in die deutschen Kinos.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem kleinen, abgelegenen Bergdorf an der polnisch-tschechischen Grenze geschehen grausamen Morde an Männern, die allesamt passionierte Jäger sind. In der Nähe ihrer Leichen findet man Spuren von wilden Tieren. Zunächst tappt die Polizei im Dunkeln, dann nimmt sie jedoch die exzentrische Einzelgängerin und pensionierte Brückenbauingenieurin Janina Duszejko ins Visier, die sich als strikte Vegetarierin des Öfteren über das ignorante Verhalten der Männer im Ort beschwert hat. Außerdem hatte sie die Jäger der Gemeinde beschuldigt, für das plötzliche Verschwinden ihrer Hunde verantwortlich zu sein. Die zurückgezogen lebende Janina beginnt, ihre eigenen Nachforschungen über die Tode anzustellen.

Die Dorflehrerin unterrichtet Englisch und liest und übersetzt mit ihrem ehemaligen Schüler Dyzio die Gedichte von William Blake. Zudem will sie der jungen Dobra Nowina helfen, die Vormundschaft für ihren jüngeren Bruder zu erhalten. Mit ihrem Nachbarn Matoga verbindet sie zunehmend eine tiefe Freundschaft. Die ambitionierte Astrologin räsoniert in Gesprächen mit ihnen über die Sterne, die Menschen und die Bedeutung von Namen.

Ihr Nachbar, ein Fallensteller, stirbt. In seiner Hütte findet Janina ein Foto der Jagdgesellschaft mit der Jagdstrecke der erlegten Tiere. Erst am Ende des Films erfährt man, dass sich auch Janinas Hunde darunter befinden.

Nachdem der St. Hubertus-Tag ("der erste Naturschützer") in der Kirche begangen wurde und die Jäger als Schützer und Pfleger der Waldtiere gefeiert wurden, geht das Gebäude in Flammen auf. Man sieht, wie eine Elster eine Glasscherbe aufnimmt und zu ihren Nest bringt, wo Sonnenstrahlen erst das Nest und dann die Kirche in Brand gesetzt haben.

Es stellt sich allerdings heraus, dass nicht die Tiere für den Tod der Jäger verantwortlich waren, sondern dass Janina die Männer mit Steinen in einer Plastiktüte niedergeschlagen hat. Als die Polizei Janina verhaften will, sprengt ihr exzentrischer Nachbar erst die Brücke auf dem Weg zu Janinas Haus und dann das Haus selbst. Beide fliehen "über den Berg" in eine bessere Welt.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literarische Vorlage und Stab[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

William Blakes The Mental Traveller
Autorin der Romanvorlage und Drehbuchautorin Olga Tokarczuk bei der Premiere des Films im Rahmen der Filmfestspiele Berlin 2017

Es handelt sich bei dem Film um eine europäische Kooperation. Die zweifach Oscar-nominierte Agnieszka Holland führte bei der Verfilmung des Romans Der Gesang der Fledermäuse von Olga Tokarczuk Regie. Gemeinsam mit Tokarczuk adaptierte Holland ihren Roman für den Film. In dem Roman hat die Hauptheldin und Erzählerin Janina Duszejko zwei Leidenschaften: die Astrologie und die Tiere. Zudem liest und übersetzt sie mit einem ehemaligen Schüler die Gedichte von William Blake.[2][3][4]

In einem dpa-Interview anlässlich der Premiere ihres Films im Wettbewerb der Berlinale 2017 sagte Holland: „In Polen – aber nicht nur – werden Frauen in einem gewissen Alter unsichtbar, nichtexistent und als geradezu störend empfunden. Wenn eine Frau ihre sexuelle Attraktivität verliert, wird sie zu einem Niemand. Die Menschen schauen sie an, aber sehen sie nicht. Wenn sie aber etwas tut, um bemerkt zu werden, ruft sie Aggressionen hervor.“[5] Auf der Berlinale-Pressekonferenz sagte Holland: „Die Verfilmung dieses Romans von Olga Tokarczuk war eine stilistische Herausforderung, vielleicht auch eine handwerkliche, denn alle meine bisherigen Filme waren jeweils einem bestimmten Genre zuzuordnen. Hier war das von Anfang an schwierig. Das machte es auch schwer den Film zu finanzieren, denn was sollte man den Leuten sagen? War das nun ein Psychodrama, eine Komödie, vielleicht eine schwarze Komödie, ein Thriller, ein Märchen, all diese Genres waren hier vermischt. [...] Ich war mir nicht sicher, ob ich das hinkriege, ob mein Talent, mein Handwerk ausreichen würde. Ich habe also versucht etwas für mich Neues zu machen.“ Im Rahmen von Antragsstellungen bei verschiedenen Förderungsfonds und Fernsehsendern hatte Holland den Film als einen anarchistischen feministischen Ökothriller mit Elementen einer schwarzen Komödie beschrieben.[4] Im Programm der Berlinale wird das Ergebnis als waghalsiger Genremix aus komischer Detektivstory, spannendem Ökothriller und feministischem Märchen beschrieben.[6] Die dpa erklärt, Holland mixe die auf dem Roman beruhende Krimi-Story raffiniert mit Themen wie Emanzipation, Umwelt- und Tierschutz, doch gleichzeitig sei Die Spur spannende Unterhaltung mit Biss und einem überraschenden Ende: „Hollands Regiearbeit lässt sich dabei nicht in eine einzige Genre-Schublade stecken. [...] Und dieser Mix ist handwerklich so gut gemacht und dramaturgisch so fein gesponnen, dass aus dem Ganzen am Ende ein Film wie aus einem Guss geworden ist.“[5]

Das Gedicht The Mental Traveler nimmt eine symbolische Rolle in der Handlung ein. Bereits Olga Tokarczuk nutzte den englischen Mystiker in ihrer Romanvorlage, um scharfe Zivilisationskritik zu üben.[7] In dem Gedicht kommen auch die von Janina Duszejko bewunderten Sterne vor. Darin heißt es: „The stars sun moon all shrink away / A desart vast without a bound / And nothing left to eat or drink / And a dark desart all around.“ [8]

Besetzung und Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Agnieszka Mandat übernahm die Rolle der Einsiedlerin und Englischlehrerin Janina Duszejko. Jakub Gierszał spielt ihren ehemaligen Schüler Dyzio, Wiktor Zborowski ihren Nachbarn Matoga, Miroslav Krobot den tschechischen Insektenkundler Boros, und Patricia Volny die junge Dobra Nowina.

Der Film feierte am 12. Februar 2017 im Rahmen der Filmfestspiele Berlin seine Premiere, wo er im Wettbewerb um den Goldenen Bären gezeigt wurde. Am 4. Januar 2018 kam der Film in die deutschen Kinos.[9]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altersfreigabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Agnieszka Mandat auf der Berlinale

In Deutschland ist der Film FSK 12. In der Freigabebegründung heißt es: „Der Film konzentriert sich auf seine exzentrische Protagonistin und das patriarchale wie mafiöse ländliche Milieu. Gut und Böse sind dabei klar unterschieden. Zwar können einzelne Darstellungen des Tötens von Mensch und Tier sowie von sexuellem Missbrauch Kinder unter 12 Jahren überfordern, doch da die Inszenierung stets zurückhaltend ist, sind bereits 12-Jährige in der Lage, diese Szenen in den Kontext einzuordnen. Ihnen bieten die parabelhafte Erzählweise und die klare moralische Positionierung der Erzählung genug Möglichkeiten zur Distanzierung.“[10]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anke Westphal schreibt in der Berliner Zeitung: „An Agnieszka Mandats Spiel kann man sich einfach nicht satt sehen.“[11]

In einer Filmkritik der dpa heißt es: „Die resolute alte Dame kämpft gegen die blutigen Jagden, die im Wald rund um ihr Haus in der Provinz stattfinden. In Wirklichkeit kämpft sie aber auch gegen ungehobelte Machos, die Benachteiligung von Frauen in der patriarchalischen Gesellschaft, Umweltsünder und die Auswüchse absurder Bürokratie.“[5]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Agnieszka Holland auf der Berlinale

Im September 2017 wurde bekannt, dass Die Spur von Polen als Nominierungskandidat in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film für die Oscarverleihung 2018 eingereicht wurde.[12][13][14] Der Film schaffte es zudem auf die Auswahlliste für den Europäischen Filmpreis 2017. Im Folgenden eine Auswahl von Auszeichnungen im Rahmen bekannter Filmpreise.

Internationale Filmfestspiele Berlin 2017

  • Nominierung als Bester Film für den Goldenen Bären (Agnieszka Holland)
  • Auszeichnung mit dem Silbernen Bären (Alfred-Bauer-Preis, Kasia Adamik und Agnieszka Holland)[15]

Europäischer Filmpreis 2017

National Society of Film Critics Awards 2018

  • Special citation for a film awaiting U.S. distribution (Agnieszka Holland)[17]

Polnisches Filmfestival Gdynia 2017

  • Nominierung als Bester Film für den Goldenen Löwen (Kasia Adamik und Agnieszka Holland)
  • Auszeichnung für die Beste Regie (Kasia Adamik und Agnieszka Holland)
  • Auszeichnung für das Beste Make-Up (Janusz Kaleja)[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Die Spur. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 174646/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Irina Liebmann: Ich war ein Tier In: welt.de, 5. November 2011.
  3. Die Spur In: programmkino.de. Abgerufen am 2. Januar 2018.
  4. a b Presseheft: Die Spur In: filmkinotext.de. Abgerufen am 2. Januar 2018. (PDF; 155 KB)
  5. a b c Film von Agnieszka Holland. 'Die Spur': Umwelt-Thriller mit feministischem Touch In: Stern Online, 1. Januar 2018.
  6. Filmdatenblatt Pokot In: berlinale.de. Abgerufen am 2. Januar 2018.
  7. Suanne Gottliebt: Düsterer Thriller in den polnischen Wäldern In: uncut.at, 22. Februar 2017.
  8. William Blake: The Mental Traveller (1801/03) Volltext
  9. Starttermine Deutschland In: insidekino.com. Abgerufen am 31. Dezember 2017.
  10. Freigabebegründung für Die Spur In: Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Abgerufen am 5. Januar 2018.
  11. Anke Westphal: Berlinale-Wettbewerb Im Mittelpunkt von 'Pokot' und 'Félicité' stehen starke Frauen In: Berliner Zeitung, 12. Februar 2017.
  12. Literarische Portraits. Winter 2017: Olga Tokarczuk In: Deutsches Polen Institut. Abgerufen am 2. Januar 2018.
  13. Stewart Clarke: Poland Picks Agnieszka Holland’s 'Spoor' as Its Foreign-Language Oscar Entry In: Variety, 11. September 2017.
  14. Spoor (Pokot) – Poland's Oscar Candidate In: polishfilmfestival.net. Abgerufen am 2. Januar 2018.
  15. https://www.radioeins.de/programm/sendungen/berlinale/berlinale_nighttalk/abp.html
  16. http://en.pisf.pl/news/katarzyna-lewinska-wins-european-film-award
  17. Hilary Lewis: 'Lady Bird' Named Best Picture by National Society of Film Critics In: The Hollywood Reporter, 6. Januar 2018.
  18. http://www.newsweek.pl/kultura/filmy-i-seriale/festiwal-filmowy-w-gdyni-nominacje-pokot-amok-wyklety,artykuly,413844,1.html