Dux und Comes

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Die Wörter Dux (lat. „Führer“) und Comes (lat. „Gefährte“) bezeichnen in einer kontrapunktisch-imitatorischen Komposition (z. B. einem Kanon) die erste (Dux) und zweite (Comes) einsetzende Stimme. Vornehmlich werden die Bezeichnungen im Kontext von Fugenkompositionen verwendet. Dux bezeichnet hierbei die Grundgestalt des Themas, wie es von der ersten einsetzenden Stimme vorgetragen wird. Hierzu gesellt sich eine zweite Stimme. Sie bringt das Thema (in exakt gleicher oder leicht modifizierter Gestalt) gewöhnlich auf der 5. Tonstufe (Dominante), also auf der Oberquinte bzw. der Unterquarte. Dies wird als „Beantwortung“ des Themas oder als „Comes“ bezeichnet.

Es gibt zwei Formen, wie der Comes gestaltet werden kann:

Reale Beantwortung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiel: Fugenbeginn von J. S. Bach, BWV 846.
Der Comes imitiert den Dux eine Quinte höher intervallgetreu.

Das Thema wird auf der anderen Tonstufe intervallgetreu imitiert. Meistens wird der Dux auf die 5. Stufe (und damit auf die heute als „Dominante“ umschriebene Tonart) übertragen. Dadurch, dass alle Intervalle getreu auf einer anderen Tonstufe abgebildet werden, kommt es gegebenenfalls zur Veränderung von Vorzeichen.

Tonale Beantwortung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiel: Fugenbeginn von J. S. Bach, BWV 895.
Der Comes in der Unterquart, jedoch die ersten drei Töne um einen Ganzton tiefer (rot markiert).

Wenn im Themenkopf die Quinte über dem Grundton erscheint und dieser Ton im Thema eine prominente Stellung einnimmt, wird er im Comes zur Quarte abgewandelt (tonale Beantwortung), um die Identität der Tonart zu gewährleisten. Dieses Verfahren geht auf den Gebrauch der Modi im alten Kontrapunkt zurück.

Beispiel: Fugenbeginn von J. S. Bach, BWV 1098 über den Choral Wir glauben all’ an einen Gott.
Hier ist sogar eine ganze Passage im Comes um einen Ganzton erniedrigt (rot markiert).

Es war allerdings durchaus auch üblich, mehr als nur die Quinte zu erniedrigen. Beispiele hierzu findet man bei Bach und noch zahlreicher bei Buxtehude. Auffällig ist dabei, dass die Töne offensichtlich immer um einen Ganzton erniedrigt wurden. Dies wirkte sich teilweise auch auf die Vorzeichen aus.

Beispiel: Fugenbeginn von Dietrich Buxtehude, BuxWV 147 .
Passagen des Comes sind um einen Ganzton erniedrigt (rot markiert).


Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Wilhelm Marpurg: Abhandlung von der Fuge. Berlin 1753/4; Reprint: Laaber-Verlag, Laaber 2002, ISBN 978-3-89007-384-2