EN 9100

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Bereich Luft-, Raumfahrt und Verteidigung
Titel Qualitätsmanagementsysteme – Anforderungen an Organisationen der Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung
Letzte Ausgabe 2010-07
ISO -

Die Europäische Norm EN 9100 bietet den Rahmen eines Qualitätsmanagementsystems für Organisationen in der Luftfahrtindustrie, der Raumfahrt- und der Verteidigungsindustrie auf Grundlage des allgemeinen Qualitätsmanagementstandards nach EN ISO 9001. Sie ist technisch gleichwertig mit den Normen AS 9100 von der Society of Automotive Engineers (SAE) und der JISQ 9100 von der Japanese Aerospace Quality Group.

Die Normenreihe wurde im Jahre 1999 von der SAE und der European Association of Aerospace Industries verfasst. Neben der EN 9100 gibt es darin verschiedenen Unterteilungen wie EN 9110 für Wartungsorganisationen im Luftfahrtbereich. Eine Normierung im Rahmen der Internationale Organisation für Normung (ISO) erfolgte mit Stand 2017 nicht.[1]

Die nach EN 9100 zertifizierten Unternehmen, wie Hersteller und Händler sind in der öffentlich zugänglichen OASIS-Datenbank, dem Online Aerospace Supplier Information System, erfasst.

Unterteilungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die EN 9101 definiert in diesem Zusammenhang Audit-Anforderungen für Organisationen der Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung. Diese legt die Anforderungen an die Vorbereitung und Ausführung des Auditierungsprozesses fest. Die EN 9102 regelt die Anforderungen im Rahmen der Erstmusterprüfungen. Weitere Forderungen für akkreditierte Zertifizierungsstellen und Auditoren sind in der EN 9104 Anforderungen an Zertifizierungsverfahren für Qualitätsmanagementsysteme der Luft-, Raumfahrt und Verteidigung beschrieben.

Die EN 9100-Normenreihe unterscheidet folgende Organisationstypen der Luft-, Raumfahrt und Verteidigung:

  • EN 9100 Konstruktion, Entwicklung, Produktion, Montage und Wartung
  • EN 9110 Wartungsorganisationen
  • EN 9120 Händler und Lagerhalter

Die EN 9100-Normenreihe deckt sich in großen Teilen mit den gesetzlichen Vorgaben der entsprechenden Luftfahrtbehörden, welche in ihren Regelwerken den Aufbau und Inhalt eines Qualitätsmanagementsystems in ausführlicher Art und Weise beschreiben (EASA Part 66, 21, 145, 147, M). Der Unterschied zur DIN EN ISO 9001-Normenreihe zeigt sich hauptsächlich in den Kapiteln, welche Schnittstellen zu Kunden und Lieferanten behandeln; z. B. müssen Produktkonformität (Qualität) und die pünktliche Lieferleistung regelmäßig überwacht werden und nachvollziehbare Risikoabschätzungen durchgeführt werden. Außerdem gibt es zusätzliche Anforderungen, die auf eine langfristige Produkterhaltung, die Nachhaltigkeit der Produktdokumentation, sowie auf die besondere Behandlung sogenannter „Schlüsselmerkmale“ ausgerichtet sind.

In der Version EN 9100:2009 wurde die Harmonisierung mit der EN ISO 9001-Normenreihe weitergeführt, in dem z. B. auf einige spezielle Anforderungen zum Qualitätsmanagement-Handbuch (4.2.2. b) sowie zur Entwicklung von genauen Methoden und Bewertungskriterien zur Auditunterstützung (8.2.2.) verzichtet wurde. In der Version EN 9100:2009 sind außerdem die Begriffe Risiko, besondere Anforderungen und kritische Größen neu eingeführt worden.

Die Norm EN 9120 für Händler und Lagerhalter ermöglicht dieser Wirtschaftsgruppe, ein international anerkanntes Qualitätsmanagementsystem in Anspruch nehmen zu können. Bis zur Einführung dieser Norm hatten diese Wirtschaftsgruppe im Prinzip keine Möglichkeit, sich nach einem international gültigen Luftfahrtstandard zertifizieren zu lassen, da sowohl die amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA als auch das europäische Pendant EASA diese Wirtschaftssparte nur am Rande behandeln.

Die mit Stand 2011 gültige Ausgabe EN 9101:2011 definiert außerdem Vorlagen zur Dokumentation der Auditergebnisse (z. B. englisch Process Effectiveness Assessment Report (PEAR), englisch Objective Evidence Record (OER), englisch Nonconformity Report (NCR), QMS-Prozessmatrix). Im Audit nach EN 9101:2011 liegt ein Schwerpunkt auf der Bewertung der Wirksamkeit der Prozesse des Unternehmens. Daher sollte eine umfassend beschriebene Prozesslandschaft mit Schnittstellen, konkreten Prozesszielsetzungen und prozessorientierten Managementtechniken vorhanden und umgesetzt sein. Wenn Zielsetzungen einzelner Prozesse nicht erfüllt werden, sollten Korrekturmaßnahmenpläne als Nachweis der ständigen Verbesserung des Systems vorgelegt werden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 9100 Series - 2016 Revision Overview. Abgerufen am 18. Juni 2017.