Dieser Artikel existiert auch als Audiodatei.

Eiserner Steg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Koordinaten: 50° 6′ 29″ N, 8° 40′ 55,8″ O

Eiserner Steg
Eiserner Steg
Der Eiserne Steg (2010)
Nutzung Fußgängerbrücke
Querung von

Main

Ort Frankfurt-Altstadt
Frankfurt-Sachsenhausen
(Mainkilometer 35,26)
Konstruktion stählerne Gerberträgerbrücke
Gesamtlänge 173,59 m
Breite 5,44 m
Bauzeit 1. Brücke: 1868–1869
2. Brücke: 1911–1912
Lage
Eiserner Steg (Stadtteile von Frankfurt am Main)
Eiserner Steg

Der Eiserne Steg ist eine erstmals im Jahre 1868 erbaute Fußgängerbrücke in Frankfurt am Main, die über den Main führt und den Römerberg mit dem Stadtteil Sachsenhausen verbindet. Der Steg wurde 1912 durch eine vergrößerte Konstruktion ersetzt, die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges gesprengt, 1946 wieder aufgebaut und 1993 grundlegend saniert wurde.

Ursprünglicher Eiserner Steg (1869)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Planung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevor der Eiserne Steg errichtet wurde, gab es im damaligen Magistrat zahlreiche Eingaben und Diskussionen seitens der Bevölkerung, die bemängelten, dass die Alte Brücke als bislang einzige Brücke keinesfalls ausreichend sei, die Kommunikation mit den südlichen Stadtteilen und dem Umland zu verbessern.[1] Im Hintergrund stand die Zunahme der Bevölkerung von 35.000 Einwohnern um 1800 auf fast 57.000 Einwohner im Jahr 1840.[2] Nie und Nimmer, hieß es in den Eingaben, könne die Alte Brücke die zunehmenden Fiakerfahrten zu den Bahnhöfen, die Steinfuhren, sowie besonders die vermehrten Bierfuhren verkraften. Doch der Magistrat zeigte sich ob der Kosten dieses Projektes stur.[1]

Schließlich griffen die Bürger und – wie in Frankfurt üblich – speziell die Händler zur Selbsthilfe und gründeten im Juni 1867 einen Verein zum Bau einer eisernen Fußgängerbrücke, die bald darauf nur noch unter ihrem bis heute erhaltenen Namen Eiserner Steg in den Nachrichtenblättern bekannt wurde. Man konnte Anteilsscheine im Wert von 100 Gulden verzinst zu 5 % von einer Privatgesellschaft erwerben. Nach vollständiger Tilgung der auf 120.000 Gulden geschätzten Baukosten sollte die Brücke kostenlos der Stadt übereignet werden.[1]

Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eiserner Steg um 1905 (Sachsenhausen mit der Dreikönigskirche im Hintergrund)

Nach dieser Zusicherung der Finanzierung wurde das Projekt durch die Stadtverordneten verabschiedet. Im Auftrag der Gesellschaft zur Errichtung einer Eisernen Brücke am Fahrtor entwarf der Ingenieur Peter Schmick eine versteifte Hängebrücke (auch als versteifte Charnierhängebrücke bezeichnet), die von den Ideen von Claus Koepcke beeinflusst war.[3]

Es handelte sich um eine schmiedeeiserne Konstruktion, deren Form an eine Kettenbrücke erinnerte. Ihre zwei steinernen Strompfeiler unterteilten den Fluss in eine 79,69 m weite Hauptöffnung und zwei je 39,56 m weite Nebenöffnungen. Auf den Pfeilern standen schmiedeeiserne, 6,34 m hohen Pfeileraufsätze, die durch Querbalken zu Pylonen versteift waren.[3][4] Die Spitzen der Pylone wurden 1871 durch neugotische Fialen geschmückt.[1]

Die oberen Gurte waren auf den Pfeileraufsätzen mittels Bolzen auf beweglichen Lagern befestigt; sie führten entlang einer parabolischen Linie zu einem Gelenk (Scharnier) in der Mitte der Hauptöffnung und auf der anderen Seite zu den Widerlagern, wo sie über gusseiserne Böcke annähernd senkrecht nach unten geführt und wie bei einer Kettenbrücke verankert wurden. Die horizontalen, geraden Untergurte bestanden aus niedrigen Gitterträgern, die durch Querstreben miteinander verbunden waren. In dem Gelenk in der Mitte der Hauptöffnung waren sie mit dem Obergurt verbunden, sie lagerten auf den Pfeilern und den Widerlagern. Vertikale und diagonale Streben zwischen den Gurten bildeten eine fachwerkartige Ausfachung. Die Fahrbahn bestand aus einem asphaltierten Holzbohlenbelag, der später durch eine Eisenbetondecke ersetzt wurde. Zwischen den ebenfalls schmiedeeisernen Geländern war die Fahrbahn 3,98 m breit. Der Untergurt der Brücke lag 6,83 m über dem Null-Pegel des Mains und nur knapp über dem Pegel des Hochwassers von 1784.[3][5] An den Ufern ermöglichten repräsentative Treppenbauwerke mit zahlreichen Balustraden den Aufstieg von den niedrig liegenden Uferstraßen zum Brückendeck.

Der Bau begann 1868 und dauerte etwa ein Jahr. Die Eisenkonstruktion wurde von J. S. Fries Sohn ausgeführt. Insgesamt wurden etwa 500 Tonnen Schmiedeeisen verbaut. Am 29. September 1869 wurde der Eiserne Steg im Beisein von Oberbürgermeister Daniel Heinrich Mumm von Schwarzenstein feierlich eingeweiht.

Jeder, der danach die Brücke überqueren wollte, hatte als Maut einen Kreuzer zu zahlen. Die Zahl der Benutzer war jedoch höher als angenommen, so dass die Brücke schon am 1. Januar 1886 der Stadt übereignet werden konnte.

Neubau (1912)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als der Osthafen ausgebaut wurde und der Main nun auch flussaufwärts für größere Kähne schiffbar wurde, stellte die geringe Durchfahrtshöhe des Eisernen Stegs ein Verkehrshindernis dar. Nachdem Korrosionsschäden entdeckt und 1910 der Kohlentransporter Walhalla auf dem Weg nach Mainz an der Unterkante der Brücke hängen blieb und die Havarie das Abmontieren von Masten und Steuerrad nötig machte, entschloss man sich zu einer Erhöhung und gleichzeitigen Verbreiterung, also zu einem Neubau des Stegs.

Das äußere Erscheinungsbild wurde zwar beibehalten, aber als stählerne Auslegerbrücke mit einem Gerberträger und einem auf 5,44 m erweiterten Gehweg ausgeführt. Die Pfeiler wurden mit Stahlbetonquadern und hohen stählernen Lagerstühlen erhöht, die neuen Pfeileraufsätze erreichten 9,0 m Höhe. Die Obergurte der Fachwerkkonstruktion bildeten wieder einen der Parabel ähnlichen Polygonzug, die Untergurte waren geradlinig. Die Obergurte wurden jedoch nicht in den Widerlagern verankert und an den Pfeilerspitzen ohne Gelenke vernietet, dafür mit dem Einhängeträger durch Gelenke verbunden. Der Einhängeträger umfasste die sechs mittleren Fachwerksfelder von je 4,15 m und war somit 24,9 m lang. Zum Ausgleich des Gewichts des Einhängeträgers wurden Gegengewichte aus Beton in die uferseitigen Enden der Kragträger eingebaut. Der Überbau ist auf dem nördlichen Pfeiler fest, auf dem anderen Pfeiler und den Widerlagern beweglich gelagert. Die Übergänge von den Kragarmen des Auslegers zu dem Einhängeträger sind auf dem Gehwegbelag durch Dehnfugen erkennbar. Die Treppenbauwerke wurden an die geänderten Höhen angepasst und erhielten ein wesentlich massiveres Äußeres.[2]

Auch von weitem erkennbare Unterschiede zur Vorgängerbrücke sind das Fehlen der Fialen, das zu erheblichen Diskussionen geführt hatte, der durch Fachwerkstreben und Pfosten betonte Abstand zwischen Ober- und Untergurt auch in der Brückenmitte sowie die von 2,85 m auf 4,15 m vergrößerten Feldweiten des Fachwerkes.

Dieses Mal betrug der Preis für den Neubau etwa 236.000 Mark, die Bauarbeiten waren 1912 vollendet.[2]

Wiederaufbau (1946) und Renovierung (1993)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eiserner Steg gesprengt im Winter 1945/46
Eiserner Steg vom Commerzbank-Tower aus gesehen

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde als eine der ersten Brücken auch der Eiserne Steg wieder aufgebaut, nachdem er in den letzten Kriegstagen wie so viele Brückenbauwerke von der Wehrmacht gesprengt worden war. Die Kosten betrugen im Jahre 1946 220.000 Reichsmark. Täglich querten etwa 10.000 Menschen an dieser Stelle den Fluss. Doch zunehmende Korrosion nagte über die Jahrzehnte am Stahl, und so wurde er 1993 schließlich für über 16 Millionen DM erneuert. Infolge des Baus des Main-Donau-Kanals und der Einführung der Europaschiffe musste der Eiserne Steeg 1969 erneut um 40 cm höher gelegt werden. 1993 wurde sie grundlegend saniert.[1] Jetzt verfügt die Brücke auch über zwei Aufzüge und ist für Rollstühle und Kinderwagen ohne Schwierigkeiten passierbar. Die Brücke hat nun eine Brückendurchfahrtshöhe von 6,50 m über HSW.[6]

Das griechische Motto, das die Stahlkonstruktion über dem nördlichen Strombrückenpfeiler überspannt, schuf der Künstler Hagen Bonifer zum Goethejahr 1999.[7] Es ist ein Zitat aus Homers Odyssee (I, 183): ΠΛΕΩΝ ΕΠΙ ΟΙΝΟΠΑ ΠΟΝΤΟΝ ΕΠ ΑΛΛΟΘΡΟΟΥΣ ΑΝΘΡΩΠΟΥΣ (pléōn epí oínopa pónton ep’ allothróous anthrópous, „Segelnd auf weindunklem Meer hin zu Menschen anderer Sprache“ oder „Ich fahre über das weinrote Meer zu Menschen anderer Zunge“[8]).

Umfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Eisernen Steg befand sich von 1859 bis 1913 der Haltepunkt Frankfurt (Main) Fahrtor der Verbindungsbahn. Seitdem werden die Gleisanlagen für den Güterverkehr der Frankfurter Hafenbahn genutzt. 1945 wurde die Verbindungsbahn allerdings wegen der Zerstörung der Mainbrücken auch für kurze Zeit wieder für den Personenverkehr reaktiviert. Seit 1979 verkehrt hier an mehreren Wochenenden im Jahr die Historische Eisenbahn Frankfurt mit ihren Dampfzügen.

Künstlerische Adaptationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Griechische Inschrift am eisernen Steg in Frankfurt/Main
  • Max Beckmann und Ernst Ludwig Kirchner haben Gemälde geschaffen, die dieses Wahrzeichen Frankfurts zum Gegenstand haben.[1]
  • Der eiserne Steg (1987) ist der Titel eines Dramas des Wahlfrankfurters Ernst-Jürgen Dreyer.
  • Eiserner Steg (2011) ist der Titel eines Liedes von Philipp Poisel, das Teil des Soundtracks des in Frankfurt spielenden Films What a Man (Film) ist.
  • Die Idee einer den Fußgängern vorbehaltenen Brücke zur Verbindung zweier Stadtteile wurde mit dem Bau des Holbeinstegs im Jahre 1990 erfolgreich wiederaufgenommen.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Konstruktionsform des Eisernen Stegs (1912) als an eine Kettenbrücke erinnernde Gerberträgerbrücke hat Ähnlichkeiten mit der 1891 erbauten und 1945 zerstörten Friedrichsbrücke in Mannheim, mit der Freiheitsbrücke (1896) in Budapest, der Salzachbrücke (Laufen–Oberndorf) (1903) und der Neutorbrücke (1907) in Ulm.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eiserner Steg (Frankfurt am Main) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Frank Donner: Eiserner Steg
  2. a b c Volker Rödel: Ingenieurbaukunst in Frankfurt am Main 1806 - 1914. Societätsverlag, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-7973-0410-2, S. 165–190.
  3. a b c Friedrich Heinzerling: Die Brücken in Eisen. Otto Spamer, Leipzig 1870, S. 409–417 (Volltext in der Google-Buchsuche [abgerufen am 10. April 2017]).
  4. Der Entwurf wurde in der Maßeinheit Frankfurter Fuß erstellt, daher die krummen Maßangaben in Metern
  5. Nach den Hochwassermarken am Eisernen Steg (File:Pegel Eiserner Steg 1.jpg) lag die Hochwassermarke von 1784 deutlich unter der des Magdalenenhochwassers von 1342 und auch noch unter der vom 18. Januar 1682, jedoch höher als die anderen dortigen Marken.
  6. Verzeichnis der Brückendurchfahrtshöhen/-breiten im Bezirk der GDWS ASt Süd (Stand Apr. 2017)
  7. Florian Balke: Zum Gehen geboren, zum Schauen bestellt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nr. 189, 16. August 2007, S. 39.
  8. Homer (Übersetzer: Schadewaldt): Die Odyssee. Rowohlt, 1958, S. 11.
Gesprochene Wikipedia Dieser Artikel ist als Audiodatei verfügbar:
Speichern | Informationen | 07:09 min (3,67 MB) Text der gesprochenen Version (17. Dezember 2012)
Mehr Informationen zur gesprochenen Wikipedia