El Silbo

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Ein Gomero pfeift Silbo Gomero
Hörbeispiel

Silbo Gomero [ˈsilβo] (Silbo spanisch: Pfiff) ist ein Kommunikationssystem, durch das akustische Merkmale einer gesprochenen Sprache durch Pfiffe dargestellt werden. Silbo Gomero basiert heute auf der spanischen Sprache und wird hauptsächlich auf der spanischen Kanareninsel La Gomera verwendet. Die UNESCO geht von mehr als 20.000 „Silbadores“ (Benutzer des Silbo Gomero) aus.[1]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim gepfiffenen „Sprechen“ werden die Laute einer Sprache, die üblicherweise durch die Stimmlippen erzeugt und im Mund-, Rachen- und Nasenhöhlen moduliert werden, durch Pfiffe die mit den Lippen, dem Mundraum und, zur Erhöhung der Lautstärke, gelegentlich zusätzlich den Fingern erzeugt werden, ersetzt. Diese Art des „Sprechens“ ist für mehr als 40 Sprachen bekannt.[2] Dabei sind die „Pfeifsprachen“ aber immer an die gesprochene Ausgangssprache gekoppelt. Diese Art, die auch „gepfiffenes Sprechen“ (span. Lenguaje silbado; engl. whistled speech) genannt wird, ermöglicht eine Kommunikation über Entfernung von mehreren Kilometern.

Silbo Gomero baut auf drei Eigenschaften des Pfiffs auf: Lautstärke, Tonhöhe und Unterbrechung. Es können zwei Vokale und vier Konsonanten wiedergegeben werden. Die durch die Reduzierung auftauchenden Unklarheiten müssen durch den Textzusammenhang beseitigt werden. Weitere Änderungen der spanischen Ausgangssprache ergeben sich durch Vereinfachungen der Grammatik, z.B. durch den Wegfall verschiedener Vergangenheitsformen.

Geschichtliche Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Hinweise auf Silbo Gomero finden sich in der Chronik Le Canarien, in der zwei französische Geistliche die Eroberung der Kanarischen Inseln im Auftrag der Krone von Kastilien dokumentierten. Es heißt dort: „… das Land ist von vielen Leuten bewohnt die die sonderbarste Sprache von allen anderen Ländern dieser Gegend sprechen. Sie sprechen nur mit den Lippen als wenn sie keine Zunge hätten.“ Während bis zur Eroberung der Kanarischen Inseln im 15. Jahrhundert die Sprache der Ureinwohner die Grundlage der Nachrichtenübermittlung in Silbo war, wurden später die Laute der spanischen Sprache angepasst. Dass auch auf anderen Inseln Informationen auf diese Art übertragen wurden, ist nicht sicher. Es ist bekannt, dass auf allen Inseln die Altkanarier beim Beginn von Kampfhandlungen laut pfiffen. Ob es sich dabei nur um „Kriegsgeschrei“ oder auch um Nachrichtenübermittlung handelte, ist nicht überliefert.

Viele Reisende des 19. Jahrhunderts berichteten über Silbo Gomero. Im Jahr 1976 wurde Silbo Gomero kaum noch angewendet.[3] Die erste wissenschaftlich fundierte Arbeit über Silbo Gomero wurde 1978 von Ramón Trujillo Carreño erstellt.[4] In der Folgezeit förderte der Cabildo Insular von La Gomera und die Regierungen der Autonomen Gemeinschaft Canarias den Silbo Gomero sowohl finanziell durch Kurse als auch durch Hervorhebung der historischen Bedeutung durch entsprechende Maßnahmen.[5] Im Jahr 2008 wurde Silbo Gomero in Spanien zum Bien de Interés Cultural erklärt.[6] Im Jahr 2009 wurde Silbo Gomero in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO eingetragen.[7] Silbo Gomero ist heute Pflichtfach an allen Schulen auf der Insel La Gomera. Auf den anderen Kanarischen Inseln werden Kurse angeboten.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. UNESCO Sector for Culture (Hrsg.): Representative List of the Intangible Cultural Heritage of Humanity. Paris 2010 (englisch, [1] [PDF; abgerufen am 24. Januar 2017]).
  2. Julien Meyer: Whistled Languages – A Worldwide Inquiry on Human Whistled Speech. Springer, Berlin, Heidelberg 2015, ISBN 978-3-662-45836-5, S. 182 (spanisch).
  3. Guiliana van Neerven: El silbo gomero; ¿Una lengua o sistema de Comunicación derivado?. Hrsg.: Universiteit van Utrecht. Utrecht 2012, S. 5 (spanisch, [2] [abgerufen am 24. Januar 2017]).
  4. Ramón Trujillo: El Silbo Gomero. Análisis lingüístico. Hrsg.: Instituto Andrés Bello. Editorial Interinsular Canaria, Santa Cruz de Tenerife 1978, ISBN 84-85543-03-3 (spanisch).
  5. Moisés Plasencia Martín: El silbo gomero. Tradición viva de la cultura canaria y Patrimonio de la Humanidad. In: Revista de Turismo y Patrimonio Cultural. Band 5, Nr. 1, 2007, ISSN 1695-7121, S. 38 (spanisch, [3] [PDF; abgerufen am 24. Januar 2017]).
  6. ANUNCIO de 27 de junio de 2008, por el que se somete a información pública el Decreto de 26 de junio de 2008, que incoa expediente de Declaración de Bien de Interés Cultural a favor del silbo gomero. In: Boletín Oficial de Canarias núm. 142. 16. Juli 2008, abgerufen am 14. September 2012 (spanisch).
  7. Nomination for inscription on the Representative List in 2009

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ramón Trujillo: El Silbo Gomero. Análisis lingüístico. Hrsg.: Instituto Andrés Bello. Editorial Interinsular Canaria, Santa Cruz de Tenerife 1978, ISBN 84-85543-03-3 (spanisch).
  • Ramón Trujillo Carreño: The Gomeran Whistle (El Silbo Gomero). Editorial Interinsular Canaria, Santa Cruz de Tenerife 1990, ISBN 84-85543-03-3 (englisch, [4] [abgerufen am 24. Januar 2017] English Translation and Index by Jeff Brent).
  • Julien Meyer: Typology and acoustic strategies of whistled languages: Phonetic comparison and perceptual cues of whistled vowels. In: Journal of the International Phonetic Association. Band 38, Nr. 1, 2008, ISSN 0025-1003, S. 69–94 (englisch).
  • Guiliana van Neerven: El silbo gomero; ¿Una lengua o sistema de Comunicación derivado?. Hrsg.: Universiteit van Utrecht. Utrecht 2012, S. 31 (spanisch, [5] [abgerufen am 24. Januar 2017]).
  • ANUNCIO de 27 de junio de 2008, por el que se somete a información pública el Decreto de 26 de junio de 2008, que incoa expediente de Declaración de Bien de Interés Cultural a favor del silbo gomero. In: Boletín Oficial de Canarias núm. 142. 16. Juli 2008, abgerufen am 14. September 2012 (spanisch).
  • UNESCO Sector for Culture (Hrsg.): Representative List of the Intangible Cultural Heritage of Humanity. Paris 2010, S. 170 (englisch, [6] [PDF; abgerufen am 24. Januar 2017]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]