Etana

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den sumerischen König Etana. Für die gleichnamige Reggae-Sängerin siehe Etana (Musikerin).

Etana (auch Entena; sumerisch men.te.na lugal.e lu bi.in.e.de; mittelassyrisch me-ta-na) war gemäß der sumerischen Königsliste der erste irdische König nach der großen Flut, der die erste Dynastie von Kiš begründete. Er erhielt den Beinamen „der Hirte, der zum Himmel aufstieg“.

Etana-Mythos[Bearbeiten]

Das vorhandene Schriftmaterial erlaubt die Datierung der ursprünglichen Fassung bis mindestens in das 24. Jahrhundert v. Chr. und damit in die wahrscheinliche Abfassungszeit des Gilgamesch-Epos.[1] Nach der Gründung der Stadt Kiš benötigte man einen König. In der neuassyrischen Fassung heißt es unter anderem:

1 Etana sagte zum Adler 2 ‚Mein Freund, dieser Gott zeigte mir in einem Traum: 3 Wir gingen durch das Eingangstor von Anu, Enlil und Ea, 4 wir verbeugten uns, du und ich, 5 wir gingen durch das Eingangstor von Sin, Adad, Šamaš und Ištar, 6 wir verbeugten uns, du und ich, 7 ich sah ein Haus ohne Fenster, das Siegel...8 ich öffnete die Tür und ging hinein‘.“

Neuassyrische Fassung, Seite A, Zeilen 1-8[2]

Ištar, die Liebes- und Kriegesgöttin und die Tochter des Mondgottes, fand im weiteren Verlauf den Hirten Etana und machte ihn zum ersten König von Kiš. Auf Rollsiegeln ist dargestellt, wie er auf einem aufsteigenden Adler sitzt, während ihm zwei (Hirten-)Hunde von der Erde aus nachschauen. Etana wollte für seine kinderlose Gattin „das Kraut des Gebärens“ vom Himmel herunterholen, stürzte aber, als er fast das Ziel erreicht hatte, mitsamt seinem Adler in die Tiefe. Im Gilgamesch-Epos trifft Enkidu in einem Traum auf den toten Etana:

165 Welch einen Traum, mein Freund (Gilgamesch), sah ich doch im Verlaufe der Nacht...168 Da war ein Mann, ganz finsteren Gesichts...182 In ein Wesen, das einer Taube gleicht, hatte er mich verwandelt...184 Er hält mich gepackt und führt mich zum Haus des Dunklen, zum Sitz der Ereškigal...189 Dorthin, wo aus Staub ihre (der Bewohner) Nahrung besteht...198 Im Haus des Staubes, das ich betrat, 202 da sitzt Etana, 203 da sitzt die Königin der Unterwelt, Ereškigal. 206 Sie erhob ihr Haupt, ihr Blick fiel auf mich.“

7. Tafel des Gilgamesch-Epos[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Haul: Das Etana-Epos. Ein Mythos von der Himmelfahrt des Königs von Kisch. In: Göttinger Arbeitshefte zur altorientalischen Literatur (GAAL) 1, XII, Seminar für Keilschriftforschung, Göttingen 2000, ISBN 3-00-008706-0
  • Wayne Horowitz: Mesopotamian cosmic Geography (Mesopotamian civilizations 8). Eisenbrauns, Winona Lake 1998, ISBN 0-931464-99-4
  • Joan Oates: Babylon. Stadt und Reich im Brennpunkt des Alten Orient. Gondrom, Bindlach 1990, ISBN 3-8112-0727-X
  • H. Freydank: Die Tierfabeln im Etana-Mythos. In: Mitteilungen des Instituts für Orientforschung. 17, 1971, S. 1-13
  • Wolfgang Röllig: Überlegungen zum Etana-Mythos. In: Ingrid Gamer-Wallert, Wolfgang Helck (Hrsg.): Gegengabe. Festschrift für Emma Brunner-Traut, Tübingen, Attempto 1991, S. 283-288

Filme[Bearbeiten]

Mit Angaben über den möglichen Ursprung des Etana-Mythos:

  • Karakum, die Totenstadt in der Oase (auch: Karakum - Vergessene Wüstenstädte). Dokumentation, Frankreich 2001, ARTE F. Regie: Marc Jampolsky (Info)
  • Karakum, Geheimnisse der schwarzen Wüste. Dokumentation, Frankreich 2004, ARTE F. Regie: Marc Jampolsky (Info)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Claus Wilcke: Vom göttlichen Wesen des Königtums und seinem Ursprung im Himmel. In: Franz-Reiner Erkens: Die Sakralität von Herrschaft - Herrschaftslegitimierung im Wechsel der Zeiten und Räume: Fünfzehn interdisziplinäre Beiträge zu einem weltweiten und epochenübergreifenden Phänomen. Akademie, Berlin 2002, ISBN 3-05-003660-5, S. 67.
  2. Wayne Horowitz: Mesopotamian cosmic Geography (Mesopotamian civilizations 8). S. 51.
  3. Stefan M. Maul: Das Gilgamesch-Epos. Beck, München 2006, ISBN 3-406-52870-8, S. 106–107.


Vorgänger Amt Nachfolger
Ziusudra
(Ende der göttlichen Dynastie)
König von Kiš
um 2799 v. Chr.
Baliḫ