Faesulae

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Reste der etruskischen Stadtmauer
Das Theater von Faesulae
Reste des Tempels

Faesulae ist der antike lateinische Name der heutigen italienischen Stadt Fiesole. Von Etruskern gegründet und Vipsul genannt geriet sie im 3. Jahrhundert v. Chr. unter römischen Einfluss.

Geschichte und erhaltene Überreste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt auf dem Rücken eines Hügels mit steilen Abhängen nordöstlich von Florenz. Siedlungsreste im Stadtgebiet deuten an, dass ab dem 8. vorchristlichen Jahrhundert hier schon eine größere etruskische Siedlung entstand, von der aber nur wenig bekannt ist. Es handelte sich um eine der nördlichsten Städte der Etrusker, sie gehörte aber nicht zu deren Zwölfstädtebund. Im 4. Jahrhundert v. Chr. erhielt die Stadt eine etwa 2,5 Kilometer lange Mauer. Vielleicht ist sie als Reaktion auf die damals in das Land einfallenden Gallier errichtet worden, obwohl dies nicht gesichert ist. Polybios[1] berichtet von einer 225 v. Chr. ausgetragenen Schlacht der Gallier gegen die Römer bei der Stadt. Aus dieser Zeit stammt auch ein relativ gut erhaltener Tempel auf einem Podium. Er besteht aus einer Cella mit jeweils einen Raum an den Längsseiten. Vor dem Tempel befindet sich eine Treppe. Die Front war mit zwei Säulen dekoriert und hatte ein Satteldach, dessen Giebel eventuell eine Figurengruppe schmückte, die Sieben gegen Theben zeigte. Aus der Stadt gibt es auch eine Reihe von Grenzstelen, die auf eine dichte Parzellierung des Ortes hinweisen. Von einem weiteren Heiligtum fanden sich diverse Bronzefiguren. Im Umland kamen vereinzelte etruskische Gräber und etruskische Stelen zu Tage.

Im dritten Jahrhundert v. Chr. muss die Stadt unter römische Kontrolle geraten sein. Hannibals Armee schlug in der Nähe der Stadt ihr Lager auf und begann von hier aus 217 v. Chr. den Marsch zum Trasimenischen See.[2] In dem Bundesgenossenkrieg (91 bis 88 v. Chr.) stellte sich die Stadt gegen Rom und wurde von Lucius Porcius Cato im Jahr 90 v. Chr. zerstört.[3] Sulla richtete dort 80 v. Chr. eine Kolonie von Veteranen ein, doch rebellierte die Stadt im Jahr 78 v. Chr.[4] Im Jahr 63 v. Chr. nahm die Stadt an der Catilinarischen Verschwörung teil.[5]

Die Stadt erlebte ihre Blütezeit in augusteischer Zeit. Der Tempel wurde wahrscheinlich nach der Zerstörung der Stadt 90 v. Chr., vielleicht unter Kaiser Augustus neu errichtet. Er hatte wieder eine Cella mit zwei Seitenkammern, einer nun viel größere Treppe und zwei Säulen. Links vom Tempel befinden sich weitere Räume, vielleicht für Pilger. Vor dem Tempel standen Altäre. Nicht weit vom Tempel entfernt steht das in den Abhang hinein gebaute Theater der Stadt. Es ist aus örtlichem Stein errichtet, war aber auch zum Teil mit Marmor verkleidet. Nahebei stehen noch heute die Reste eines Bades, das etwa zur selben Zeit errichtet wurde. Es gibt Belege, dass es noch in severischer Zeit renoviert wurde. Die Stadtmauer wurde in römischer Zeit weiter benutzt und zum Teil ausgebessert. Sie wurde 1125 bei der Plünderung der Stadt durch die Florentiner geschleift. Teile der Mauer sind jedoch heute noch zu sehen.

Wenig ist zur Geschichte der Stadt in der Spätantike bekannt. Der Legende nach hatte die Stadt schon im 1. Jahrhundert einen christlichen Bischof. Mit Sicherheit sind Bischöfe aber erst seit dem 5. Jahrhundert nachweisbar. 406 fand nahe der Stadt die Schlacht bei Faesulae statt, in der die von Stilicho geführten weströmischen Truppen das gotische Heer des Radagaisus besiegten.[6] 539 belagerte Belisar Faesulae über längere Zeit. Prokop, der die Ereignisse aufzeichnete, beschrieb die Stadt als uneinnehmbar. Schließlich ergab sie sich und Cyprian ließ dort eine Besatzung zurück.[7] In der Stadt wurden zahlreiche, zum Teil reich ausgestattete langobardische Gräber gefunden.[8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Faesulae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Polybios, Historien 2, 25, 6.
  2. Polybios, Historien 3, 82, 1; Titus Livius, Ab urbe condita 22, 3, 3.
  3. Florus, Epitoma de Tito Livio 2, 6, 11.
  4. Cicero, In L. Catilinam 3, 14; Sallust, De coniuratione Catilinae 28.
  5. Cicero, In L. Catilinam 2, 14 und 3, 14; Sallust, De coniuratione Catilinae 24. 27. 30. 32; Appian, Bürgerkriege 2, 3; Cassius Dio, Römische Geschichte 37, 30. 33. 39.
  6. Orosius, Historiae adversum Paganos 7, 37.
  7. Prokop, De bello Gothico 2, 23. 24 und 2, 27.
  8. Otto von Hessen: Die langobardenzeitlichen Grabfunde aus Fiesole bei Florenz. Callwey, München 1966.

Koordinaten: 43° 48′ 29″ N, 11° 17′ 37,9″ O