Feilenhauer

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Der Nürnberger Feilenhauer Peter Bauernschmied im Jahr 1534

Feilenhauer ist ein ehemaliger Handwerksberuf, der sich mit der Herstellung neuer und der Wiederaufbereitung alter Feilen beschäftigt.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Beruf entstand im späten Mittelalter als ein Spezialzweig des Schmiedehandwerks. Zum ersten Mal wird er 1387 in Deutschland Frankfurt am Main erwähnt, in Nürnberg wird der Beruf ab 1494 häufig genannt, im 16. Jahrhundert auch in Steyr, Leipzig, Köln und Augsburg.

Die Feilenhauer waren in Zünften organisiert. Einer mindestens dreijährigen Lehrzeit schloss sich eine mindestens ebenso lange Wanderschaft als Geselle an, bevor ein Meistertitel durch das Anfertigen eines Meisterstücks zumeist in Form von 3 verschiedenartigen Feilen erworben werden konnte. Dabei muss beachtet werden, dass der Rohstoff des speziellen Stahls zu damaliger Zeit äußerst teuer war und der angehende Meister sowohl das Material und vor allem die Möglichkeit haben musste, diese zu fertigen. Ein guter Feilen–Hauer bewältigte im 19. Jh. bei 80 bis 220 Schlägen pro Minute bis zu 50 Feilen am Tag.

Es sind vor allem seit der Renaissance viele Versuche unternommen worden, Feilen maschinell zu hauen. Die wohl erste überlieferte Darstellung einer Feilenhaumaschine als Skizze stammt von Leonardo da Vinci, entstanden um das Jahr 1500[1]. Andere, wenn auch nicht an dem Entwurf von da Vinci anknüpfen könnende Überlegungen einer mechanisierten Herstellung von Feilen wurden von dem Franzosen "Mathurin Jousse de la Flêche" in seinem Buch über Schlosserei (1627) oder von "du Berger" (1699) beschrieben. Der Einsatz solcher Maschinen (Apparate) scheiterte zunächst an dem mangelnden ökonomischen Vorteil, denn ein Arbeiter, der für die Bedienung einer solchen Maschine erforderlich gewesen wäre, konnte in der gleichen Zeit die Handarbeit verrichten. Durchgesetzt haben sich solche Maschinen erst um 1890 in den Feilenfabriken. Die Herstellung von Feilen wurde seitdem immer mehr automatisiert und in Fabriken verlagert.

In der DDR hieß der Beruf Facharbeiter(in) für Fertigungsmittel, Spezialisierungsrichtung Feilenhauer(in). 1985 wurde daraus ein Ausbildungsberuf („Seltener Handwerksberuf“). Bis zum 31. Dezember 1989 waren allein bei der Handwerkskammer des Bezirkes Potsdam noch 3 Feilenhauerbetriebe registriert.

Seit der Deutschen Wiedervereinigung gibt es dieses Handwerk nicht mehr als Ausbildungsberuf.

Bearbeitung[Bearbeiten]

Die Feilen wurden aus einem gut härtbaren Werkzeugstahl (gegärbter Roh- oder Zementstahl, weniger Gussstahl, später Walzstahl) geschmiedet, wobei man für solche mit dreieckigem und rundem Querschnitt Gesenke zur Hilfe nahm. Die geschmiedeten Feilen wurden ausgeglüht und langsam abgekühlt, um sie so weich wie möglich zu machen. Vor dem Behauen erhielten sie ihre Form sowie glatte und blanke Flächen durch Abschleifen. Dieser Arbeitsschritt geschah in eigenen Schleifmühlen oder -kotten mittels wassergetriebenen Schleifsteinen. Eine äußerst gesundheitsschädliche Arbeit, die durch den Staub und das kalte Wasser bei den Arbeitern Silikose, Gicht und Rheuma verursachte. Die Einkerbungen auf der Feilenoberfläche entstanden durch Eintreiben eines Meißels mit dem Hammer, der einen gekrümmten, kurzen Stiel hatte und aus dem Handgelenk geschlagen wurde. Als Unterlage diente der Hauamboß, auf dem die Feile mit einem Lederriemen festgehalten wurde, den der Feilenhauer mit beiden Füssen spannte. Das Hauen fing bei der Spitze an, und mit jeweils ein bis zwei Schlägen Einschnitt für Einschnitt bis zur Angel erzeugt. Waren alle Flächen mit dem Unterhieb versehen, wurden die Grate leicht abgefeilt und der Kreuzhieb aufgesetzt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Darstellung der wohl ersten Feilenhaumaschine von Leonardo da Vinci. Abgerufen am 12. August 2013.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bundesanstalt für Arbeit: Bildung und Beruf - 302 DDR-Ausbildungsberufe 2 - Vergleichbare und verwandte Berufe in der Bundesrepublik Deutschland Metall / Elektro Verlag BW Bildung und Wissen, Nürnberg 1990
  • Rudi Palla: Das Lexikon der untergegangenen Berufe Von Abdecker bis Zokelmacher. Eichborn GmbH & Co. KG, Frankfurt am Main 1994

Weblinks[Bearbeiten]