Felix Hoffmann

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Felix Hoffmann
Eintrag auf Blatt-Nr. 44 des Laborprotokolls am 10.VIII.1897

Felix Georg Otto Hoffmann (* 21. Januar 1868 in Ludwigsburg; † 8. Februar 1946 in Lausanne) war ein deutscher Chemiker und Apotheker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hoffmann wurde als Sohn eines Ludwigsburger Unternehmers geboren. Nach seiner Schulzeit strebte er ab 1882 eine klassische Apothekerausbildung an und arbeitete danach bis 1889 in verschiedenen Apotheken im Deutschen Reich und in der Schweiz. 1889 begann er an der Ludwig-Maximilians-Universität München ein Studium der Pharmazie und beendete es 1890 mit dem pharmazeutischen Staatsexamen.

1890 schloss er daran in München ein Studium der Chemie an und wurde am 22. Juni 1893 bei Eugen Bamberger mit der Arbeit Ueber einige Derivate des Dihydroanthracens und des Dekahydrochinolins promoviert. Während seiner anschließenden Assistententätigkeit wurde er von Hans von Pechmann und Adolf von Baeyer direkt an die „Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co.“ in Elberfeld empfohlen.

„Herr Dr. Hoffmann hat mehrere Semester im Münchener Universitätslaboratorium unter meiner Leitung gearbeitet und sich dabei als sehr fleißiger, manuell äußerst geschickter, gut beobachtender und kenntnisreicher Chemiker bewährt. Ich kann ihn daher warm empfehlen.“

Zitiert von E. Bamberger[1]

„Mit Vergnügen erfülle ich den Wunsch des Herrn Dr. Hoffmann ein Zeugnis auszustellen, da ich ihn als einen sehr tüchtigen jungen Chemiker kennengelernt habe. Derselbe verbindet mit einem durchaus zuverlässigen Charakter eifriges wissenschaftliches Streben und praktische Geschicklichkeit in einem solchen Grade, dass er ohne Zweifel allen Ansprüchen, die in der Farben- oder in der chemischen Präparateindustrie an ihn gestellt werden könnten, sich vollkommen gewachsen zeigen wird. Ich kann ihn daher für eine solche Stelle auf das Wärmste empfehlen.“

Zitiert von A. v. Baeyer

Zum 1. April 1894 erhielt er dort im chemisch-wissenschaftlichen Labor eine Anstellung als Chemiker. Bayer hatte ab 1891 eine eigene Pharmazeutisch-Chemische Abteilung („Hauptlaboratorium“ in einem zweigeschossigen Neubau mit 40 Chemikern) etabliert. Leiter des 1896 gegründeten Pharmakologischen Laboratoriums (mit acht Chemikern und Pharmakologen) war vom 1. April 1897 bis 1914 Heinrich Dreser.[2] Privat unterhielt Hoffmann weiterhin ein freundschaftliches Verhältnis zu seinem Doktorvater Bamberger in Zürich.

Am 1. April 1899 wurde Hoffmann die Leitung der kaufmännisch-pharmazeutischen Abteilung übertragen und vom 1. April 1901 bis zu seinem Ruhestand am 1. Januar 1929 erhielt er Prokura.

Am 8. Februar 1946 starb er zurückgezogen und ohne Nachkommen in der Schweiz.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dresers pharmakologische Vorstellung der Acetylsalicylsäure

Im Forschungsbereich bei den „Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co.“ beschäftigte er sich zur Entwicklung neuer Medikamente mit Formaldehyd-Alkoholaddukten (Acetalen) sowie Alkaloid-, Salicylsäure-, Guajacol- und Tanninderivaten.

Seit 26. Juni 1896[3] nutzte Hoffmann Erkenntnisse von C. R. A. Wright (1874) für die „Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co.“, um aus Morphin mit Acetanhydrid den Wirkstoff Diacetylmorphin herzustellen. Bayer ließ sich für Diacetylmorphin den Markennamen Heroin schützen.[4]

Hoffmann reklamiert für sich, am 10. August 1897 in Leverkusen erstmals die Synthese von nebenproduktarmer stabiler Acetylsalicylsäure (ASS) aus Salicylsäure und Acetanhydrid durchgeführt zu haben. Diese Substanz wurde nach der pharmazeutischen Prüfung unter dem Markennamen Aspirin angemeldet[5] und weltweit vermarktet. In einer US-Patentschrift US644077 vom 1. August 1898 stellte er detailliert klar, dass nur bei seinem Verfahren – und im Gegensatz zu den von K. Kraut beschriebenen Varianten – die gewünschte Acetylsalicylsäure in reiner Form gebildet wird. Die tatsächliche Urheberschaft ist jedoch umstritten. Sein Kollege Dr. Arthur Eichengrün hat nach eigenen Angaben den Versuchsaufbau geplant, während Hoffmann lediglich mit der Ausführung betraut war, ohne zu wissen, was er tat.[6] Da Eichengrün Jude war, wurde dies jedoch ignoriert und die Urheberschaft offiziell Hoffmann zugeschrieben.[7] Walter Sneader von der Abteilung Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Strathclyde in Glasgow kam 1999 nach neuerlicher Untersuchung zu dem Ergebnis, dass Eichengrün der Erfinder des Aspirins sei[8], was Bayer in einer Pressemitteilung bestritt.[9] Als gesichert gilt, dass Eichengrün nach der Zulassung von Aspirin Leiter der pharmazeutischen Abteilung bei der Bayer AG wurde, Hoffmann indes Leiter der Marketing-Abteilung.[10]

1909 erreichte der ASS-Anteil am gesamten USA-Umsatz 30 %. Das eigentliche Verfahren der technischen Acetylierung mit Acetanhydrid war zu diesem Zeitpunkt im Deutschen Reich wegen eines schwelenden Rechtsstreits[11] nicht patentfähig, obwohl dieser Verfahrensschritt auch bei anderen Pharmawirkstoffen wie Phenacetin (seit 1888), Antifebrin (seit 1886) oder Diacetylmorphin (seit 1896) bereits angewendet wurde. Beim Britischen Patentamt wurden daher vorsorglich die Ansprüche am 28. Dezember 1898 in einem „Letters Patent No. 27088“ angemeldet. Die Patentschrift GB 9123 wurde am 1. Mai 1899 nachgereicht.[12] Propionylsalicylsäure wurde nach gleichem Verfahren von Otto Bonhoeffer patentiert.[13]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carl Duisberg bevorzugte Personal-Empfehlungen von Prof. Bamberger.
  2. Michael de Ridder, Heroin: vom Arzneimittel zur Droge, S. 38.
  3. Alle Daten wie Medizinische/Pharmakologische Publikationen oder Markenanmeldungen belegen, dass bei BAYER die Synthese von Heroin VOR Aspirin entwickelt wurde. 1896 arbeiteten viele Pharmafirmen an der Derivatisierung von Morphin, z. B. Knoll (Ludwigshafen), Umsetzung mit Chlorformiaten, Patent DE 38729 (eingereicht 3. August 1896).
  4. Markenregister DE 31650, Wort-Bildmarke „Heroin“ vom 16. Mai 1898 (altes Aktenz. F 2456); Marke gelöscht.
  5. Markenregister DE 36433, Wort-Bildmarke „Aspirin“ vom 1. Februar 1899 (altes Aktenz. F 2816); Intern. Reg.Nr. IR 312632 vom 29. April 1966 (Memento des Originals vom 1. März 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/register.dpma.de.
  6. Eichengrün, Arthur: 50 Jahre Aspirin. In: Pharmazie. Nr. 4, 1949, S. 582–584.
  7. DER SPIEGEL: Aspirin: Eine kriminelle Geschichte? - DER SPIEGEL - Wissenschaft. Abgerufen am 12. Mai 2020.
  8. Walter Sneader: The discovery of aspirin: a reappraisal. In: BMJ : British Medical Journal. Band 321, Nr. 7276, 23. Dezember 2000, ISSN 0959-8138, S. 1591–1594, PMID 11124191, PMC 1119266 (freier Volltext).
  9. Bayer AG: Zum Vortrag von Dr. Walter Sneader über die Entwicklung der Acetylsalicylsäure. 28. September 2007, abgerufen am 12. Mai 2020.
  10. GELSENZENTRUM Gelsenkirchen - Der jüdische Chemiker Arthur Eichengrün - Pionier des Aspirin. Abgerufen am 12. Mai 2020.
  11. Das deutsche Patentamt verweigerte 1897/98 die Patenterteilung für die Acylierung von Salicylsäure. Die 1896 gegründete Bayer-Patentabteilung stritt zu diesem Zeitpunkt unter Leitung von Carl Duisberg mit dem Reichsgericht über eine allgemeingültige Definition der patentfähigen Teile eines Verfahrens und obsiegte erst im Jahr 1899. (Quelle: Meilensteine Bayer, Seite 118).
  12. Patent GB 9123, angemeldet am 1. Mai 1899.
  13. O. Bonhoeffer, Propionyl-Salicylic Acid and Process of making same, US-Patent 656435, angemeldet am 23. Oktober 1899.