Ferdinand von Lochow

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Ferdinand von Lochow III.

Ferdinand von Lochow III. (* 16. September 1849 in Petkus bei Berlin; † 8. September 1924 ebenda[1]) war der Züchter einer neuen Roggensorte.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Eltern waren der Rittergutbesitzer Ferdinand von Lochow (1819–1865) und dessen Ehefrau Agnes von Schlieben (1827–1915), Tochter des sächsischen Majors Friedrich von Schlieben und der Emilie von Leubnitz. Der preußische General Ewald von Lochow war sein Bruder.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 16. September 1849 auf dem väterlichen Gut Petkus im Fläming geboren, besuchte er das Melanchthon-Gymnasium in Wittenberg, später das Friedrich-Wilhelms-Gymnasium in Berlin, um sich dann zunächst der militärischen Laufbahn zuzuwenden. Auf dem Schlachtfeld bei Sedan wurde er Offizier. Bei Orléans schwer verwundet kehrte er zurück, um Landwirt zu werden. Nach Lehr- und Beamtenjahren in Braunschweig und in der Mark Brandenburg wurde er Schüler von Julius Kühn an der Universität Halle. In den Semestern 1873/74 – 75/76 war er aktiv in der damaligen ALV Agronomia Halle (später Corps Agronomia Hallensis zu Göttingen), der er sein Leben lang die Treue hielt.

Am 8. September 1924 verstarb er im Alter von 74 Jahren.

Zucht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Lochow bewirtschaftete das 1050 Hektar umfassende Rittergut Petkus, dessen Boden überwiegend diluvialer Sandboden war. Bei einer jährlichen Regenmenge von nur 615 mm und rauen Wintern konnten aus dem Ackerbau nur spärliche Erträge erzielt werden.

Es gelang ihm durch ständige Auslese in zielbewusster, beharrlicher Arbeit, auf Sandboden mit rauem Klima einen erheblich anspruchslosen, aber sehr leistungsstarken Roggentyp zu züchten, der auch unter allen besseren Klima- und Bodenbedingungen nicht versagte, sondern sich gut anpassen konnte und hohe sichere Kornerträge brachte. In europäischen Roggenanbaugebieten gehören Petkuser Winterroggen und Einkreuzungen mit ihm zu den am meisten angebauten Roggensorten. Die Bedeutung der Zuchterfolge für die Landwirtschaft war so gewichtig, dass beispielsweise in den 1930er Jahren 90 % des gesamten deutschen Roggens und etwa die Hälfte der Weltroggenernte auf die Zuchtarbeit von Lochow zurückzuführen waren. Gleiche Zuchterfolge erzielte von Lochow später bei dem Petkuser Sommerroggen sowie bei Haferzüchtungen (Petkuser Gelbhafer).

Auch andere Züchtungen, wie Sommerroggen, Petkuser Gelbhafer oder die Kartoffelsorte „Woltmann 34“ und Petkuser Lein fanden weitgehende Verbreitung. Sie trugen sämtlich dazu bei, Lochows Bestrebungenzu zu einem Erfolg zu verhelfen, die Wirtschaftlichkeit der Landwirtschaft auf von Natur aus armen Sandböden zu verbessern. Seine Erkenntnisse aus der Pflanzenzucht übertrug von Lochow gleichfalls auf das tierzüchterische Gebiet und wurde damit Pionier und Förderer systematischer Leistungsprüfungen in der Viehzucht. Unter dem Grundsatz „Zucht auf Leistung unter Beachtung der Konstitution“ baute er beispielhaft seine Rinder-, Edelschwein- und Geflügelzucht auf. Als Vorkämpfer für die Dünnsaat, erhöhter Düngeranwendung und schließlich auch für den Ausbau des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens machte sich von Lochow einen Namen.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1914 wurde er von der Philosophischen Fakultät an der Universität Halle zum Ehrendoktor und 1922 von der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin zum ersten Doktor der Landwirtschaft ehrenhalber ernannt.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ferdinand von Lochow heiratete 1883 in Berlin Anna von Bülow (1862–1948), eine Tochter des preußischen Generals Hans von Bülow. Das Paar hatte zwei Söhne und drei Töchter. Die Züchtungsarbeit wurde von seinem ältesten Sohn Ferdinand von Lochow IV. (1884–1931) fortgeführt.

Ferdinand von Lochow VII. führt den landwirtschaftlichen Betrieb Petkus fort. In dem von Ferdinand von Lochow erbauten ehemaligen Saatzuchtgebäude wird heute ein Hotel fortgeführt. Dessen Bruder Andreas von Lochow führt eine Unternehmensberatung für Fuhrparkmanagement sowie einen Internethandel.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die kleine Enzyklopädie, Encyclios-Verlag, Zürich, 1950, Band 2, Seite 64

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]